Britischer Anti-Terror-Kampf Polizei blamiert sich mit Gardinen-Warnung

Wieso zieht der Nachbar die Vorhänge zu, wieso zahlt er immer bar, wieso spricht er mit niemandem - ist er etwa Terrorist? Der britische Polizeiverband hat mit diesen Fragen um Aufmerksamkeit geworben. Jetzt wurde die Misstrauen-Kampagne verboten.

Polizisten vor dem Parlament: Umstrittene Anti-Terror-Werbung wurde verboten
REUTERS

Polizisten vor dem Parlament: Umstrittene Anti-Terror-Werbung wurde verboten


Berlin/London - Wer sich eigenartig verhält, könnte ein Terrorist sein. So lautete die Kernbotschaft einer Werbekampagne für eine Anti-Terror-Hotline in Großbritannien. Der Polizeiverband Association of Chief Police Officers (ACPO) wollte damit Menschen dazu bringen, verdächtige Personen zu melden. Doch zahlreiche empörte Bürger beschwerten sich über die Kampagne - nun wurde sie von der Werbeaufsicht verboten.

Im Original klang die ACPO-Werbung folgendermaßen: "Der Mann am Ende der Straße spricht nicht viel mit seinen Nachbarn, weil er lieber mit sich allein ist. Er zahlt bar, weil er keine Bankkarte hat, und er lässt seine Vorhänge geschlossen, weil sein Haus an einer Busstrecke liegt. Das muss nichts bedeuten, aber zusammengenommen könnte es dazu führen, dass Sie misstrauisch werden." Die Werbung endete so: "Wir alle müssen im Kampf gegen den Terror eine Rolle übernehmen. Wenn Sie etwas Verdächtiges sehen, rufen Sie die vertrauliche Anti-Terror-Hotline an."

Manche Hörer der Radiowerbung könnten Anstoß daran nehmen, dass ihnen darin suspektes Verhalten unterstellt werde, begründete die Werbeaufsicht ihr Verbot. 18 Beschwerden waren bei ihr in kürzester Zeit eingegangen.

Der Polizeiverband entschuldigte sich inzwischen bei den Menschen, die sich von der Kampagne beleidigt gefühlt hätten. Allerdings bleibt der ACPO dabei, dass sie auf polizeilichen und gerichtlichen Erfahrungen basiere. "Das Ziel der Werbung war, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren", heißt es in einer Erklärung.

In Großbritannien hat es in den vergangenen Jahren mehrere Terroranschläge gegeben, teilweise mit vielen Toten wie im Sommer 2007 in Glasgow oder zwei Jahre zuvor in der Londoner U-Bahn.

flo/AFP



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