In Depeschen nach London Britischer Botschafter nennt Trump-Regierung "unfähig"

Das sollte eigentlich geheim bleiben: Die "Daily Mail" veröffentlicht Depeschen des britischen Botschafters an sein Außenministerium in London. Inhalt: eine wenig schmeichelhafte Einschätzung der US-Regierung.

Weißes Haus in Washington: US-Regierung "unsicher" und "inkompetent" (Archivfoto)
Alex Brandon/DPA

Weißes Haus in Washington: US-Regierung "unsicher" und "inkompetent" (Archivfoto)


Der britische Botschafter in den USA hat US-Präsident Donald Trump und dessen Regierung einem Pressebericht zufolge in internen Mitteilungen als "inkompetent" und "einzigartig dysfunktional" bezeichnet. Wie die britische Zeitung "Daily Mail" in ihrer Sonntagsausgabe berichtete, erklärte Botschafter Kim Darroch in geheimen Briefings an das Außenministerium in London, dass die Trump-Präsidentschaft "abstürzen" und "schmachvoll enden" werde. Laut Zeitung wurden die Depeschen vermutlich von einem Mitglied des britischen Beamtenapparats durchgestochen.

"Wir gehen nicht wirklich davon aus, dass diese Regierung normaler wird; weniger dysfunktional; weniger unberechenbar; weniger gespalten; weniger diplomatisch plump und ungeschickt", schrieb Darroch demnach in einer Depesche.

US-Präsident Trump, der im vergangenen Monat von Königin Elizabeth II. empfangen worden war (eine Bilanz seiner Reise lesen Sie hier), wird dem Bericht zufolge als "unsicher" und "inkompetent" beschrieben. In einer Depesche im Anschluss an den umstrittenen Staatsbesuch in Großbritannien heißt es, Trumps Team sei "geblendet" von dem Besuch. Der Botschafter warnte demnach jedoch davor, dass Großbritannien nicht der "Hit des Monats" bleiben werde, weil "das immer noch das Land des America First" sei.

Kim Darroch, Großbritanniens Botschafter in Washington
Victor J. Blue/ Bloomberg/ Getty Images

Kim Darroch, Großbritanniens Botschafter in Washington

Darroch gilt als einer der erfahrensten britischen Diplomaten und trat seinen Posten in Washington im Januar 2016 an.

Das britische Außenministerium stellte die Echtheit der Vermerke nicht in Frage. "Die britische Öffentlichkeit erwartet von unseren Botschaftern, dass sie Minister mit einer aufrichtigen, ungeschminkten Einschätzung der Politik in ihrem Land versorgen", sagte eine Ministeriumssprecherin. "Ihre Sichtweisen sind nicht notwendigerweise die Sichtweisen der Minister oder der Regierung", sagte sie und ergänzte: "Wir bezahlen sie dafür, dass sie ehrlich sind."

Der britische Botschafter ist mit seiner Einschätzung nicht allein, auch in den USA selbst gibt es Zweifel an den Entscheidungsabläufen innerhalb der Regierung in Washington. Eine ausführliche Analyse der Kritik, die zuletzt Ex-Verteidigungsminister Leon Panetta äußerte, lesen Sie hier:

Anmerkung: In einer früheren Version war aufgrund eines Übersetzungsfehlers von "Blume des Monats" die Rede. Wir haben die Stelle korrigiert.

oka/AFP/dpa

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