Britischer Luftraum Russische Bomber versetzen Royal Air Force in Alarm

Szenen wie im Kalten Krieg: Wie erst jetzt bekannt wurde, stiegen gestern Royal-Air-Force-Jets über Schottland auf, weil russische Bomber dem britischen Luftraum empfindlich nahe gekommen waren. Zuvor hatte Moskau Reaktionen auf die Ausweisung von vier Diplomaten durch Großbritannien angekündigt.


London - Der Zwischenfall über Schottland zeigt, wie fragil die Beziehungen zwischen Moskau und London derzeit sind - angespannt durch den Mordfall Litwinenko.

Russische Tu95: Maschinen diesen Typs stießen fast bis nach Schottland vor
AP

Russische Tu95: Maschinen diesen Typs stießen fast bis nach Schottland vor

Laut "Times Online" sind gestern zwei Tu95-Bomber der russischen Luftwaffe auffällig geworden. Dem Bericht zufolge starteten sie von ihrer Basis auf der Kola-Halbinsel im Polarkreis. Das russische Militär fliegt von dem Stützpunkt nahe Murmansk regelmäßig Patrouillen vor der norwegischen Küste. Laut "Times Online" bewertete die britische Luftwaffe den gestrigen Flug aber als höchst ungewöhnlich: Die Bomber seien fast bis nach Schottland vorgestoßen.

Daraufhin seien zwei Tornados aus der Schnellen Eingreiftruppe der Royal Air Force aufgestiegen. Sie seien in Leeming in der Grafschaft Yorkshire aufgestiegen, um die russischen Bomber abzudrängen, nachdem diese bereits von zwei norwegischen F16-Maschinen verfolgt wurden. "Die Russen flogen zurück, bevor sie den britischen Luftraum erreichten," zitiert die "Times Online" einen Sprecher der Luftwaffe.

Die Route der Russen-Bomber
SPIEGEL ONLINE

Die Route der Russen-Bomber

Der Fall Litwinenko hat die britisch-russischen Beziehungen in den letzten Tagen in eine schwere Krise gestürzt. Nachdem Russland sich weigerte, den Hauptverdächtigen Andrej Lugowoi auszuliefern, kündigte London die Ausweisung von vier russischen Diplomaten an. Moskau drohte anschließend mit schwerwiegenden Konsequenzen - hat bisher aber keine Details genannt.

Laut Scotland Yard soll Lugowoi den in Großbritannien lebenden Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko im November vergangenen Jahres in London mit radioaktivem Polonium 210 vergiftet haben.

Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte sich heute zu den Spannungen zwischen Moskau und London. In der Bundespressekonferenz in Berlin erklärte sie auf die Frage, ob der Zwischenfall über Schottland zu einem Rückfall in Muster des Kalten Krieges führen könne: "Das hoffe ich nicht."

Sie forderte zugleich, dass die Vergiftung des früheren russischen Spions Litwinenko aufgeklärt werden muss. Der Mord habe schließlich auch andere Menschen in Gefahr gebracht. Zum weiteren Verlauf der derzeitigen Krise sagte Merkel weiter: "Ich kann nur hoffen, dass das ganz schnell beigelegt wird." Sie sei der Meinung, dass die "Vernunft aller Beteiligten" dies sicherstellen werde, so die Kanzlerin.

ler/sev



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