Britischer Militärprozess Fotos zeigen Misshandlung von Gefangenen in Basra

Neue Horrorbilder aus dem Irak: Beim Prozess gegen drei britische Soldaten sind Fotos veröffentlicht worden, auf denen Folterszenen zu sehen sind. Die Besatzungssoldaten misshandeln in einer Lagerhalle in Basra irakische Gefangene. Erinnerungen an Abu Ghureib werden wach.

Osnabrück - Die Fotos gleichen denen aus dem Gefängnis Abu Ghureib in Bagdad, das unter Aufsicht der US-Armee stand. Nun hat auch die britische Armee einen Folterskandal. Ein britischer Soldat hatte gestern vor einem Militärgericht in Osnabrück zugegeben, einen irakischen Gefangenen misshandelt zu haben. Zu Prozessbeginn erklärte sich der 30-jährige Angehörige des "Royal Regiment of Fusiliers" schuldig, den Iraker geschlagen zu haben. Zwei weitere Regimentskameraden plädierten dagegen in allen Anklagepunkten für nicht schuldig.

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Misshandlung Gefangener: Schockierende Szenen aus Basra

Foto: REUTERS

Die Soldaten müssen sich vor dem "Court Martial" unter anderem wegen des Vorwurfs der sexuellen Misshandlung von Gefangenen verantworten. Laut Anklage soll der 30-Jährige auch zwei Iraker gezwungen haben, sich vor anderen Gefangenen auszuziehen. In diesem Punkt erklärte er sich jedoch für nicht schuldig. Der Anwalt des Hauptgefreiten, William England, sagte, sein Mandant schäme sich wegen seines inakzeptablen und gedankenlosen Verhaltens.

Ein 25-jähriger Mannschaftssoldat soll einen gefesselten Gefangenen an den Ausleger eines Gabelstaplers gehängt und herumgefahren haben. Ein ebenfalls angeklagter 33-jähriger Unteroffizier soll die Misshandlungen beobachtet haben, ohne einzugreifen. Medienberichten zufolge ereigneten sich die Vorfälle im Mai 2003 in einer Lagerhalle am Rande von Basra. Die Ermittlungen waren erst durch Berichte mehrerer britischer Zeitungen ausgelöst worden.

Der Anklagevertreter Nick Clapham legte dem Gericht 22 Fotos vor, auf denen die Misshandlungen zu sehen sind. "Es ist unbestreitbar, dass diese Bilder etwas Schockierendes und Abstoßendes zeigen", sagte er.

In dem Fall hatte bereits ein britisches Militärgericht im niedersächsischen Bergen gegen einen 19-jährigen Soldaten des gleichen Regiments verhandelt, der das Geschehen in der Halle fotografiert haben soll. Der Vorsitzende Richter hatte jedoch eine Nachrichtensperre über den Prozess verhängt, damit die Jury aus Militärangehörigen in Osnabrück nicht beeinflusst wird.

Der britische Generalstabschef Sir Mike Jackson erklärte gestern Abend in London: "Wir verurteilen jede Form von Misshandlung aufs Schärfste." Wo es Beweise für Misshandlungen gebe, "erfolgt sofort eine Untersuchung". Nur eine "geringe Zahl" der 65.000 britischen Soldaten, die bisher insgesamt im Irak gedient hätten, seien jemals solcher Übergriffe beschuldigt worden. Das britische Fernsehen zeigte Fotos, die von der Anklage als Beweise für die Misshandlungen vorgelegt worden waren.

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