Britischer Premier Cameron bezeichnet Gaza-Streifen als Gefangenenlager

Klare Worte eines europäischen Staatschefs: Der britische Premierminister David Cameron hat den Gaza-Streifen ein "Gefangenenlager" genannt. Er fordert von Israel die Aufhebung der Blockade des Palästinensergebiets - sowie eine Aussöhnung mit der Türkei.

Britischer Premierminister Cameron: "Die Situation im Gaza-Streifen muss sich ändern"
AFP

Britischer Premierminister Cameron: "Die Situation im Gaza-Streifen muss sich ändern"


Ankara - In diesem Fall zieht der britische Premier eine deutliche Ansage der leisen Diplomatie vor: "Um es klar zu formulieren: Die Situation im Gaza-Streifen muss sich ändern", sagte David Cameron während seines Türkei-Besuchs in Ankara. Der abgeriegelte Küstenstreifen "kann und darf kein Gefangenenlager bleiben", sagte der Premierminister und forderte von Israel die Aufhebung der Blockade des Palästinensergebiets.

Nach einem Gespräch mit seinem türkischen Kollegen Recep Tayyip Erdogan wiederholte Cameron seine Forderung. Zwar habe es Fortschritte gegeben, aber noch immer herrsche eine Situation, in der es "sehr schwierig" sei, in den Gaza-Streifen zu reisen und ihn wieder zu verlassen. "Wir unterstützen schon lange eine Aufhebung der Blockade", sagte Cameron.

Gleichzeitig ging er aber auch auf die Sicherheitsbedenken Israels ein, die maßgebend für die Entscheidung des Landes waren, den Gaza-Streifen mit einer Blockade zu belegen. "Wir sind beide der Ansicht, dass direkte Gespräche die richtige Lösung sind", sagte er an der Seite Erdogans in Anspielung auf Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern.

Cameron forderte die Türkei zudem auf, sich wieder mit seinem "früheren guten Freund" Israel zu versöhnen. Das Verhältnis zwischen den beiden Staaten ist seit dem israelischen Militärangriff auf eine Solidaritätsflotte für den Gaza-Streifen am 31. Mai, bei dem neun Türken getötet worden waren, äußerst angespannt. "Ich fordere die Türkei und Israel auf, ihre Freundschaft nicht aufzugeben", sagte Cameron.

lgr/AFP

insgesamt 9 Beiträge
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wika 27.07.2010
1. Woher denn all diese Offenheiten im Moment…
Es ist ja richtig erstaunlich wie sich jetzt auch hochrangige Politiker mehr und mehr zu Wahrheiten bekennen die der Bürger schon seit Jahrzehnten kennt. Gut die Deutschen müssen sich wegen ihrer Vergangenheit mit ähnlichen Vergleichen zurückhalten, weil es sich für die deutsche Mörderbande nicht schickt mit dem Finger auf andere zu zeigen. Sollten jetzt auch die neuzeitlichen *Adapteure der Präventivtötung* (http://qpress.de/2010/07/27/praventivtoetung/) … schließlich bekennt sich Israel ja dazu … vermehrt in die Kritik geraten? Gefangenenlager in der Nähe Israels? Sinn und Zweck der Einrichtungen? Viel interessanter wird aber die Frage bleiben wie wir trotz solch offener Bekenntnisse zu einer besseren und friedlicheren Welt kommen. Wäre schön gewesen, wenn er gleich noch ein paar Lösungsvorschläge mit auf den Weggegeben hätte.
sukowsky, 27.07.2010
2. Na endlich klare Worte!
Na endlich klare Worte! Warum eiern die anderen so herum?
elandy 27.07.2010
3. Wahr
Zitat von sukowskyNa endlich klare Worte! Warum eiern die anderen so herum?
Was sogenannte Sozialdemokraten wie Blair oder Brown nicht hinbekomen haben, schafft nun ein frischgebackener Konservativer. Die Wahrheit auszusprechen. Das müsste vielen peinlich sein.
W. Robert 28.07.2010
4. Lange Geschichte
England will die Türkei ganz schnell in der EU haben, da spielen wieder mal die Öl-Interessen und Militärpolitik die Hauptrolle. Das ist das ganze Geheimnis der neu entdeckten Sympathie für die Palästinenser. Die Grundstimmung in der deutschen Bevölkerung gegen einen Beitritt der EU wird schlicht ignoriert. Ich denke nicht, dass das gut geht. Wahrscheinlich ist aber auch das ein Teil des politischen Konzepts. Die Rolle der Menschenrechtler nehme ich der britischen Regierung nicht ab. Sie stehen mit 10 000 Mann in Afghanistan und hoffen, dass die neue Expedition besser ausgeht als die von 1838 und 1878. Ich habe da so meine Zweifel.
charlie111 28.07.2010
5. Zeit des Erwachens
Ja, es wird für Israel immer schwieriger das Töten von Unschuldigen zu rechtfertigen. Die Welt sieht immer deutlicher die Ungerechtigkeit die sich dort abspielt. Und zum Glück sprechen es auch mutige Politiker immer deutlicher an, die keine Angst vor Israel, der jüdischen Lobby oder den Medien haben. Israel wird sich von grundauf ändern müssen um existieren zu können, denn weitere 60 Jahre wird es so nicht weitergehen!
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