Michael Fallon Britischer Verteidigungsminister tritt nach Belästigungsvorwürfen zurück

Großbritanniens Verteidigungsminister Michael Fallon ist von seinem Amt zurückgetreten. In einer Erklärung gegenüber der BBC räumte Fallon Fehlverhalten ein.

Michael Fallon
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Der britische Verteidigungsminister Michael Fallon ist nach Vorwürfen sexueller Belästigung zurückgetreten. Er habe in der Vergangenheit selbst nicht die "hohen Standards erfüllt, die wir an die Streitkräfte anlegen", erklärte Fallon am Mittwoch zur Begründung. Fallon hatte zugegeben, im Jahr 2002 einer Journalistin bei einem Abendessen am Rande eines Tory-Parteitags die Hand aufs Knie gelegt zu haben.

Fallons Rücktritt ist der erste in einem seit Tagen andauernden Skandal um sexuelle Belästigung und Missbrauch im britischen Parlament. Premierministerin Theresa May dankte ihrem Verteidigungsminister für seine "lange und beeindruckende Ministerkarriere". Sie begrüße, dass er mit seinem Rücktritt den Soldaten ein gutes Beispiel geben wolle.

Rücktrittsgesuch Fallons
AP

Rücktrittsgesuch Fallons

Die betroffene Journalistin Julia Hartley-Brewer reagierte auf Twitter: "Mein Gott. Sir Michael Fallon ist gerade als Verteidigungsminister zurückgetreten" und erfand prompt den Hashtag #Kneegate - "obwohl ich bezweifle, dass mein Knie der Grund war".

In den vergangenen Tagen war eine Reihe von Missbrauchsvorwürfen gegen britische Politiker laut geworden. May lud die Parteichefs daher für Anfang kommender Woche zu einem Treffen ein, um einen einheitlichen Beschwerdeweg für derartige Fälle festzulegen.

Ins Rollen kam die Debatte um sexuelle Übergriffe, nachdem Außenhandels-Staatssekretär Mark Garnier eingeräumt hatte, seiner Sekretärin den Kauf von Vibratoren aufgetragen zu haben. Seither wurden weitere Vorwürfe öffentlich. Unter anderem warf eine Unterstützerin der Tories Mays konservativem Stellvertreter Damian Green vor, ihr die Hand aufs Knie gelegt und ihr eine anzügliche Textnachricht geschickt zu haben. Green wies die Vorwürfe als "völlig unwahr" zurück.

Eine frühere Labour-Mitarbeiterin beschuldigt derweil einen ranghohen Parteipolitiker, sie als 19-Jährige vergewaltigt zu haben. Als sie sich einem Vorgesetzten anvertraut habe, habe dieser ihr nahegelegt, nicht darüber zu reden, weil dies ihrer Karriere schaden könne. Labour-Parteichef Jeremy Corbyn kündigte eine unabhängige Untersuchung der Vorwürfe an.

Eine weitere Frau warf einem ebenfalls ungenannten Abgeordneten vor, sie während einer Auslandsreise sexuell bedrängt zu haben. Zunächst habe er sie genötigt, sich aufs Bett zu setzen, sie dann aufs Bett gestoßen, ihre Schulter festgehalten und versucht, sie zu küssen, sagte die Frau dem Sender ITV.

Offenbar hatte über Jahrzehnte im Parlamentsgebäude und auch in den Parteien eine Art Gesetz des Schweigens geherrscht. Laut Medienberichten soll im Parlament eine Liste mit den Namen von rund 40 konservativen Abgeordneten kursieren, denen sexuelle Belästigung nachgesagt wird.

bam/dpa/AFP/Reuters



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1schule2 01.11.2017
1. Sind die jetzt alle bekloppt.
Vor 15 Jahren hat der einer Sekretärin eine Hand auf das Knie gelegt und jetzt wird er massakriert. So ein Blödsinn. Männer ihr werdet eures Lebens nicht mehr froh. Geht allen Frauen aus dem Weg. Aber was dann?
Thorkh@n 01.11.2017
2. Sie geht also ...
... weiter, die Männerjagd auf Grundlage teils unbewiesener Anschuldigungen von anno dutt. Männer, haltet im Beisammensein mit Frauen fortan den Mund und erlaubt Euch wie Fußball keine unnatürlichen Handbewegungen mehr! Man könnte Euch in 30 Jahren sexuelles Fehlverhalten vorwerfen und Eure Lebensleistung ist stante pede für'n Arsch. Was wir erleben abzüglich tatsächlicher strafrechtlich relevanter Übergriffe a la Weinstein ist eine weitere Runde im Spiel der political correctness, bei dem jetzt die Frauen die Macht haben, wegen Kleinigkeiten über das Wohl und Wehe und den Leumund eines Mannes zu entscheiden. Die Urteile werden nicht in einem Gericht getroffen, sondern auf den Seiten der Medienpublikationen und -sendungen. Das ist der falsche Ort, aber wer man generiert mit dem "Männer-sind-Schweine"-Thema natürlich jede menge Klickzahlen. Derweil geraten alle Männer gemäß dem Motto "Wusste ich ja immer schon!" unter Generalverdacht. Eine üble Entwicklung.
ernstrobert 01.11.2017
3. Atemberaubende Geschichte!
Tja, das ist Schicksal und 15 Jahre her. Der Mann darf froh sein, dass er so lange überhaupt arbeiten durfte. Andererseits ist er wohl etwas plump und ungeschickt: Denn wenn er es besser gemacht und der Journalistin gefallen hätte, dass er seine zarte Hand auf ihr Knie legt, wäre alles wohl ganz anders gekommen. Atemberaubende Geschichten, echt jetzt! Ich bin tief gerührt!
austriacus39 01.11.2017
4. Empörend...
...was sich das Männchen der Spezie Mensch beim Paarungsspiel so alles erlaubt, von Anglotzen, Nähern, Beschnuppern bis zu "unabsichtlich" Beruehren und sogar Begrapschen. Kein Wunder, dass unser Planet uebervölkert ist - Zeit, endlich zur paradisischen jungfräulichen Empfängnis zurueck zu kehren !
Bueckstueck 01.11.2017
5.
Zitat von 1schule2Vor 15 Jahren hat der einer Sekretärin eine Hand auf das Knie gelegt und jetzt wird er massakriert. So ein Blödsinn. Männer ihr werdet eures Lebens nicht mehr froh. Geht allen Frauen aus dem Weg. Aber was dann?
Du hast keinen Blick fürs grosse Ganze. Es spielt keine Rolle wie lange etwas her ist (mal davon abgesehen das es nicht unwahrscheinlich ist, dass danach auch immer wieder mal was war), es geht darum das heute jeder verstehen muss, dass die Zeiten (hoffentlich) schlagartig vorbei sind, in denen man mit sowas und schlimmerem noch davongekommen ist. Es geht also um nichts geringeres als den künftigen Schutz von Frauen und Kindern durch Angst vor Enthüllung. Und das ist gut. Deshalb müssen jetzt halt auch Idole von einst sich ihren Taten von damals stellen und Verantwortung übernehmen, auf das die Enthüllung noch einem guten Zweck dienen möge.
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