Bruderkrieg in Gaza Fatah und Hamas werden noch heute über Waffenruhe verhandeln

Nach sechs Tagen unerbittlicher Kämpfe im Gaza-Streifen wollen Hamas und Fatah sich noch heute Nachmittag treffen, um eine Waffenruhe auszuhandeln. Auch eine internationale Friedenstruppe sei eine Option, sagte der palästinensische Informationsminister Mustafa Barghuti im SPIEGEL-ONLINE-Interview.

SPIEGEL ONLINE: Herr Minister, nach fast einer Woche blutiger Kämpfe und vielen Toten auf beiden Seiten: Gibt es Hoffnung, dass Fatah und Hamas ihren Bruderkrieg wieder eindämmen können?

Barghuti: Ich kann bestätigen: Heute Nachmittag um 15 Uhr Ortzeit wird es ein Treffen zwischen Hamas und Fatah geben, unter Vermittlung Ägyptens.

SPIEGEL ONLINE: Was ist das Ziel der Begegnung?

Barghuti: Eine Waffenruhe. Das ist das allererste, was wir brauchen. Danach müssen wir versuchen, die Folgen dessen, was in Gaza geschehen ist, einzudämmen.

SPIEGEL ONLINE: Wie groß sind die Chancen, dass die Waffenruhe zustande kommt?

Barghuti: Ich habe seit dem Morgen mit beiden Seiten daran gearbeitet. Ich habe Hoffnung, aber wir müssen das Treffen am Nachmittag abwarten. Der Hamas ist jetzt aber klar, dass wir den kompletten Zusammenbruch der Regierung der nationalen Einheit sehen werden, wenn sie sich nicht bewegt.

SPIEGEL ONLINE: Gestern hieß es, dass die Fatah-Minister aus Protest ihre Ämter ruhen lassen. Ist das immer noch der Stand der Dinge?

Barghuti: Ja, aber wenn wir nicht innerhalb der nächsten Stunden eine Waffenruhe in Gaza hinbekommen, werden wir eine Verschlechterung sehen.

SPIEGEL ONLINE: Es besteht die Sorge, dass die Kämpfe ins Westjordanland übergreifen könnten. Sie sind derzeit in Ramallah. Wird dort gekämpft?

Barghuti: Nein. Niemand will das, und wir versuchen alles, um es zu verhindern.

SPIEGEL ONLINE: Agenturen berichten, Präsident Abbas habe den Sicherheitsdiensten befohlen, Hamas-Kämpfer zu verfolgen. Ist das korrekt?

Barghuti: Nein, das stimmt nicht. Ich war gerade bei ihm, und die Entscheidung, die getroffen wurde, lautet: keine Ausweitung der Kämpfe ins Westjordanland.

SPIEGEL ONLINE: In einigen Berichten heißt es allerdings, kaum ein Bewaffneter höre noch auf Befehle, die Radikalen hätten die Macht übernommen. Ist das eine Fehlinterpretation?

Barghuti: Ich würde sagen: eine Übertreibung.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt bereits eine Diskussion darüber, ob eine internationale Friedenstruppe im Gaza-Streifen hilfreich sein könnte. Israels Premier Olmert und Präsident Abbas sollen dies vorgeschlagen haben, die Uno befasst sich bereits damit. Wäre ein solcher Schritt sinnvoll?

Barghuti: Es ist eine der Option, die diskutiert wird. Aber es gibt noch keine Entscheidung darüber.

Das Interview führte Yassin Musharbash

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.