Festnahme von Terror-Verdächtigen Belgische Behörden rechneten mit Anschlägen wie in Paris

Belgiens Polizei hat möglicherweise einen verheerenden Anschlag verhindert: Laut einem Medienbericht mussten die Behörden davon ausgehen, dass eine Terrorattacke nach dem Vorbild der Angriffe von Paris drohte.
Soldaten auf dem Grand Place in Brüssel: Angst vor Anschlägen in der Silvesternacht

Soldaten auf dem Grand Place in Brüssel: Angst vor Anschlägen in der Silvesternacht

Foto: Michael Probst/ AP/dpa

Nach der Verhaftung von zwei Terror-Verdächtigen in Belgien werden neue Details über die angeblichen Anschlagspläne bekannt. Wie die Zeitung "De Standaard" auf ihrer Webseite berichtet, lagen den Behörden Hinweise auf die "konkrete Gefahr" vor, dass es um den Jahreswechsel in Brüssel zu Anschlägen nach dem Muster der Paris-Attentate kommen könnte. In der französischen Hauptstadt hatten Terroristen Ende November mehrere Orte zeitgleich angegriffen und dabei 130 Menschen getötet.

Als ein konkretes Anschlagsziel sei der historische Grand Place im Zentrum von Brüssels Altstadt genannt worden. Die Terror-Warnstufe wurde an dem Platz sowie für Polizei und Militär deshalb von zwei auf drei erhöht, wie die Zeitung unter Berufung auf ein internes Schreiben der Polizei weiter berichtet. Im restlichen Belgien blieb die Warnstufe dagegen auch nach den jüngsten Festnahmen auf zwei von vier. Damit gilt ein Anschlag als "möglich und wahrscheinlich".

Die Polizei in der belgischen Hauptstadt verschärft nun ihre Sicherheitsvorkehrungen. Vor den Kommissariaten sollen Bewaffnete stehen, wie der Polizeichef der westlichen Brüsseler Stadtteile, Johan De Becker, dem Sender RTBF sagte. Zudem sollen die Beamten nicht mehr allein auf Streife gehen, sondern in Teams von zwei Personen, von denen mindestens eine bewaffnet sein muss.

Silvester-Feuerwerk könnte abgesagt werden

Gefährdet sind auch die Silvester-Feierlichkeiten in Brüssel. Bürgermeister Yvan Mayeur will am Mittwochabend bekannt geben, ob das große Feuerwerk der Stadt stattfinden wird. "Ich will nicht zu schnell entscheiden, alles abzusagen", sagte Mayeur der Zeitung "Le Soir". "Und außerdem will ich nicht zur Psychose der Bevölkerung beitragen."

Zudem würde das Feuerwerk zwischen der Börse und dem Place de Brouckère stattfinden - "eben um zu verhindern, dass die Menschenmenge auf den Grand Place strömt", sagte Mayeur. Im vergangenen Jahr seien rund 100.000 Menschen zu der Feier gekommen. Deshalb könne es kontraproduktiv sein, die Veranstaltung abzusagen, weil in der Silvesternacht ohnehin viele Menschen auf die Straße gingen.

Auslöser der jüngsten Maßnahmen sind mehrere Hausdurchsuchungen und Festnahmen am Sonntag und Montag. Seitdem sind zwei Terror-Verdächtige in Haft, wie die Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilte. Einer der beiden Festgenommenen gilt als Drahtzieher einer Terrorgruppe. Er soll sich um die Anwerbung neuer Mitglieder zur Begehung terroristischer Taten gekümmert haben. Die zweite Person wird laut Staatsanwaltschaft als Täter oder Mittäter einer Terrorgruppe eingestuft. Vier weitere Festgenommene seien mittlerweile wieder auf freiem Fuß.

Einen direkten Zusammenhang zu den tödlichen Pariser Terroranschlägen vom November gibt es laut Staatsanwaltschaft nicht. Bei Hausdurchsuchungen wurde Propagandamaterial der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) sichergestellt. Die Behörden haben inzwischen angekündigt, künftig härter gegen radikale Islamisten vorzugehen. Belgien gilt in Europa als eine Hochburg religiöser Fanatiker, ein Schwerpunkt ist der Brüsseler Stadtteil Molenbeek.

mbe/dpa
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