Lampedusa Misshandlungen in Flüchtlingslager schockieren EU-Kommission

EU-Kommissarin Cecilia Malmström droht Rom mit einer Streichung der Hilfsgelder. Der italienische Regierungschef Letta will hart durchgreifen. Italien ist geschockt von Schikanen und Misshandlungen in Flüchtlingsheimen in Lampedusa.

Flüchtlinge aus Afrika in Lampedusa: Misshandlungen schockieren Italien
DPA

Flüchtlinge aus Afrika in Lampedusa: Misshandlungen schockieren Italien


Brüssel/Rom - Um zu duschen oder um sich gegen Krätze zu desinfizieren, müssen sich Flüchtlinge im italienischen Lager in Lampedusa stundenlang nackt im Freien anstellen - und das bei frostigen Temperaturen. Ein Bericht des italienischen Fernsehsenders Rai2 hatte die Umstände in einem Auffanglager auf der Insel Lampedusa am Montag veröffentlicht. Die Innenkommissarin der Europäischen Union (EU), Cecilia Malmström, zeigte sich schockiert von den "bedauernswerten Zuständen" und forderte eine sofortige Aufklärung der Vorwürfe.

"Die Bilder sind erschreckend und inakzeptabel", teilte Malmström am Mittwoch in Brüssel mit. Die Kommissarin kündigte an, gemeinsam mit den italienischen Behörden eine Untersuchung einzuleiten, um Vertragsverletzungen von EU-Standards zu untersuchen, und drohte juristische Schritte an.

Eine finanzielle Unterstützung von der EU könne nur erfolgen, wenn die Flüchtlinge eine "humane und würdevolle" Behandlung erhalten würden, so Malmström. Andernfalls würde die EU-Kommission als Konsequenz eine Streichung der Flüchtlingshilfe nicht ausschließen. 2013 erhielt Italien 30 Millionen Euro von der EU.

Giusi Nicolini, Bürgermeisterin von Lampedusa, verglich die Zustände in dem Aufnahmezentrum mit einem "Konzentrationslager". Italiens Regierungschef Enrico Letta versprach, gründliche Ermittlungen in diesem Fall einzuleiten, um "die Verantwortlichen zu bestrafen".

cth/dpa

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