Scharfe Kritik Brüsseler Flughafen hatte keinen Notfallplan für Anschläge

Eine Untersuchungskommission des belgischen Parlaments geht hart mit den Rettungskräften ins Gericht. Bei den Anschlägen im März habe deren Kommunikation völlig versagt.

Rettungskräfte am Brüsseler Flughafen (Bild vom 23. März 2016)
REUTERS

Rettungskräfte am Brüsseler Flughafen (Bild vom 23. März 2016)


Der Brüsseler Flughafen Zaventem, der am 22. März Ziel eines Selbstmordanschlags war, war auf einen solchen Angriff nicht vorbereitet. Das geht aus einem Untersuchungsbericht des Parlaments hervor, über den belgische Medien berichten. Demnach habe es keinen Krisenplan für einen derartigen Vorfall gegeben, und die Kommunikation zwischen den Rettungskräften habe völlig versagt.

Bei den beiden Anschlägen am Flughafen und in einem U-Bahnhof waren im Brüsseler EU-Viertel 32 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt worden.

Die parlamentarische Untersuchungskommission kritisierte vor allem das Krisenmanagement der Rettungskräfte in den ersten Stunden nach dem Anschlag, wie der belgische Fernsehsender RTBF berichtete: "Am 22. März haben wir ein völliges Versagen der Kommunikation erlebt."

Rettungskräfte kommunizierten per WhatsApp

Das Funknetz der belgischen Polizei und Rettungsdienste sei so beansprucht gewesen, dass fast ein Viertel (23 Prozent) von 34.000 Kommunikationsversuchen gescheitert seien. Auch das Mobilfunknetz sei völlig überlastet gewesen. Deshalb hätten die Rettungskräfte kreative Lösungen finden müssen. Rettungshelfer und Feuerwehrleute sollen nach den Anschlägen auch WhatsApp genutzt haben, um sich abzusprechen.

Während es bei der Brüsseler U-Bahn Notfallpläne für mögliche Anschläge gegeben habe, sei der Flughafen nur auf Katastrophen wie Flugzeugabstürze vorbereitet gewesen. In den Notfallszenarien werde die Möglichkeit terroristischer Anschläge außen vor gelassen, auch bei den Übungen des Rettungspersonals seien Anschläge nicht vorgesehen, heißt es in dem Bericht.

Die Kommission empfiehlt dringend eine Überarbeitung des Notfallplans für den Flughafen. Sie konzentrierte sich zunächst auf die Organisation der Rettungsmaßnahmen und das Krisenmanagement und wird den endgültigen Bericht am 21. Juli vorlegen. Ab September will sie die Polizei- und Geheimdienste unter die Lupe nehmen, denen nach den Selbstmordanschlägen ebenfalls Versäumnisse vorgeworfen wurden.

cte/AFP



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