Brunei Sultanat verteidigt in Brief an EU Todesstrafe für Homosexuelle

Das streng konservative Sultanat Brunei hat sich in einem Brief an das Europäische Parlament gewandt - und fordert darin "Respekt und Verständnis" für Strafrechtsverschärfungen, die einen internationalen Aufschrei auslösten.
Aktivisten demonstrieren gegen das Gesetz

Aktivisten demonstrieren gegen das Gesetz

Foto: TIZIANA FABI/ AFP

In einem Brief an das Europäische Parlament hat das Sultanat Brunei die Anfang April eingeführte Todesstrafe durch Steinigung für homosexuelle Männer verteidigt.

Wie der "Guardian" berichtet , hieß es in einem vierseitigen Schreiben an die Abgeordneten, dass Verurteilungen selten erfolgen würden, da zwei Männer von "hohem moralischen Rang und Frömmigkeit" dafür als Zeugen nötig seien. Das streng konservative Sultanat fordere demnach von der EU "Toleranz, Respekt und Verständnis" im Hinblick auf den Wunsch des Landes, seine traditionellen Werte zu wahren.

"Sehr hoher Beweisstandard"

Die neuen Gesetze traten am 3. April in Brunei in Kraft und sorgten international für Empörung - unter Menschenrechtsaktivisten, Politikern und Prominenten: Während Männern bei gleichgeschlechtlichem Sex die Todesstrafe droht, müssen Frauen dafür mit einer Höchststrafe von 40 Stockhieben oder zehn Jahren Gefängnis rechnen.

In dem Brief hieß es laut "Guardian" weiter, der Aufschrei sei auf ein Missverständnis zurückzuführen. Dass Ehebruch und Sodomie kriminalisiert würden, diene dazu, die Heiligkeit von Familie und Ehe zu schützen. Verurteilungen seien zudem verbunden "mit einem sehr hohen Beweisstandard", der "überhaupt keinen Zweifel" lasse.

Am Donnerstag hatte das Europäische Parlament Brunei aufgefordert, die eingeführte Todesstrafe unverzüglich wieder abzuschaffen. Insgesamt müsse das Strafrecht auf Grundlage der islamischen Scharia aufgehoben werden. Zugleich forderte es den diplomatischen Dienst der Europäischen Union auf, Sanktionen gegen Brunei zu prüfen.

skr/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.