Nach internationaler Kritik Brunei will Todesstrafe gegen Homosexuelle aussetzen

Die Boykottaufrufe von George Clooney und anderen Prominenten zeigen offenbar Wirkung: Das Sultanat Brunei hat angekündigt, keine Homosexuellen steinigen zu wollen. Es habe "Missverständnisse" gegeben.

Bruneis Sultan Hassanal Bolkiah (Archiv)
David Gray / REUTERS

Bruneis Sultan Hassanal Bolkiah (Archiv)


Nach internationalen Protesten will das Sultanat Brunei auf die Vollstreckung der Todesstrafe gegen Homosexuelle verzichten. Dies kündigte Sultan Hassanal Bolkiah in einer Rede zum Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan an.

Das bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten geltende "De-Facto-Moratorium", keine Todesurteile umzusetzen, gelte auch für Urteile gegen Homosexuelle. Zudem sprach er von "Missverständnissen".

Anfang April waren in dem Sultanat auf der südostasiatischen Insel Borneo härtere Strafgesetze in Kraft getreten. Während Männern bei gleichgeschlechtlichem Sex die Todesstrafe droht, müssen Frauen dafür mit einer Höchststrafe von 40 Stockhieben oder zehn Jahren Gefängnis rechnen. Als Grundlage wurde die Scharia angeführt, die die religiösen und rechtlichen Normen im Islam regelt.

International gab es viel Proteste gegen Verschärfung der Strafe, angeführt von Hollywood-Star George Clooney. Er rief dazu auf, Hotels zu boykottieren, die dem Sultan gehören, einem der reichsten Monarchen der Welt. Auch der Sänger Elton John meldete sich zu Wort.

Zuletzt hatte Sultan Bolkiah laut "Guardian" in einem Brief an das Europäische Parlament die Strafgesetze noch verteidigt. Demnach hieß es dem vierseitigen Schreiben, dass Verurteilungen selten erfolgen würden, da zwei Männer von "hohem moralischen Rang und Frömmigkeit" dafür als Zeugen nötig seien.

Der internationale Aufschrei sei auf ein Missverständnis zurückzuführen. Dass Ehebruch und Sodomie kriminalisiert würden, diene dazu, die Heiligkeit von Familie und Ehe zu schützen. Verurteilungen seien zudem verbunden "mit einem sehr hohen Beweisstandard", der "überhaupt keinen Zweifel" lasse.

In dem Sultanat sind zwei Drittel der mehr als 420.000 Einwohner muslimischen Glaubens. Seit einiger Zeit sind dort konservative islamische Kräfte auf dem Vormarsch. Der autoritär regierende Sultan hatte 2014 damit begonnen, die Scharia einzuführen. Bereits zuvor war Homosexualität in dem Land illegal.

kko/dpa



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