Brutaler Angriff Russischer Journalist fast zu Tode geprügelt

Die Täter brachen ihm den Kiefer und beide Beine: Der angesehene Journalist Oleg Kaschin ist brutal zusammengeschlagen worden, Ärzte mussten ihn in ein künstliches Koma versetzen. Menschenrechtler und Journalistenverbände sind entsetzt - und fordern eine schnelle Aufklärung des Verbrechens.

Demonstrantin in Moskau: "Die Täter müssen gefasst werden"
REUTERS

Demonstrantin in Moskau: "Die Täter müssen gefasst werden"


Moskau - Mindestens zwei Angreifer lauerten Oleg Kaschin vor seiner Wohnung in Moskau auf - sie verprügelten den bekannten russischen Journalisten brutal. Die bislang noch unbekannten Täter hätten ihm den Kiefer und beide Beine gebrochen und innere Verletzungen zugefügt, sagte ein Polizeisprecher laut russischer Agentur Interfax. Nach einer Notoperation versetzten die Ärzte ihn in ein künstliches Koma. Die Bluttat sorgte landesweit für Entsetzen.

Der 30 Jahre alte Reporter der Tageszeitung "Kommersant" hatte sich immer wieder kritisch mit Demokratiedefiziten in Russland auseinandergesetzt. "Dieses ungeheure Verbrechen hängt klar mit seinem Beruf zusammen", sagte Chefredakteur Michail Michajlin.

Russlands Präsident Dmitrij Medwedew befahl Generalstaatsanwalt Juri Tschaika und Innenminister Raschid Nurgalijew, den Fall mit höchster Priorität zu untersuchen. "Die Täter müssen gefunden und bestraft werden", forderte das Staatsoberhaupt. Generalstaatsanwalt Tschaika leitete ein Ermittlungsverfahren wegen versuchten Mordes ein.

Scharfe Kritik an der Attacke äußerte die "Grande Dame" der russischen Menschenrechtsbewegung, Ljudmila Alexejewa. "So lange bei uns Journalisten eingeschüchtert und verprügelt werden, so lange ist Russland weder ein Rechtsstaat noch demokratisch", sagte sie. Auch der Menschenrechtsbeauftragte Wladimir Lukin, die Organisation Amnesty International und der russische Journalistenverband zeigten sich empört. Bei einer spontanen Kundgebung vor dem Polizeipräsidium in Moskau forderten Demonstranten eine schnelle Aufklärung des Verbrechens.

Kritische Journalisten in Gefahr

Kaschin schrieb zuletzt über das umstrittene Bauprojekt einer Autobahn, für die ein Wald bei Moskau abgeholzt werden soll. Ende 2008 war ein Journalist, der sich für den Erhalt des Waldes eingesetzt hatte, von Unbekannten nahezu totgeprügelt worden.

In Russland sind in den vergangenen Jahren immer wieder Journalisten attackiert oder sogar getötet worden. Im Mai wurde ein kritischer TV-Reporter niedergeschossen, im Januar starb ein Journalist nach Polizei-Misshandlungen. Als bekanntester Fall gilt der Mord an der Kremlkritikerin Anna Politkowskaja, die 2006 von Unbekannten erschossen worden war.

Nach Angaben des in New York ansässigen Komitees zum Schutz von Journalisten gab es seit 2000 mindestens 18 nicht aufgeklärte solche Morde in Russland. Auf der Liste der Pressefreiheit, welche die Organisation Reporter ohne Grenzen aufstellt, ist das Land auf Platz 140 - noch hinter Äthiopien und Algerien.

Präsident Medwedew kippte am Samstag immerhin überraschend ein umstrittenes Gesetz zur weiteren Einschränkung der Versammlungsfreiheit in Russland. Es widerspreche dem in der Verfassung verankerten Demonstrationsrecht, begründete Medwedew sein Veto in einem Brief an die Vorsitzenden der beiden Parlamentskammern. Laut dem im Oktober verabschiedeten Gesetz hätte niemand mehr eine Kundgebung beantragen dürfen, der wegen der Organisation unerlaubter Versammlungen vorbestraft ist.

kgp/dpa/dapd



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hegelotl 06.11.2010
1. Den Haag
Zitat von sysopDie Täter brachen ihm den Kiefer und beide Beine: Der angesehene Journalist Oleg Kaschin ist brutal zusammengeschlagen worden, Ärzte mussten ihn in ein künstliches Koma versetzen. Menschenrechtler und Journalistenverbände sind entsetzt - und fordern eine schnelle Aufklärung des Verbrechens. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,727678,00.html
Die russische Gesellschaft ist brutalisiert und verroht, hauptsächlich wegen der beiden brutalen Tschetschenienkriege, in der insgesamt 1 Mio. Soldaten und Polizisten durch eine Schule der Gewalt gegangen sind. Die Oxforder Demografin Margret Satterwate sieht einen Zusammenhang zwischen dem Phänomen exzessiver Sterblichkeit in Russland und der Gewalt in der Gesellschaft. Selbst nach der offiziellen Statistik liegt die Mordrate in Russland auf dem Niveau von Südafrika und Kolumbien. Im Homizid sei Russland seit 15 Jahren weltweit führend; die relative Zahl der Opfer der häuslichen Gewalt gegen Kinder und Frauen sei siebenmal höher als in Pakistan und 45 bis 70 mal höher als in Westeuropa. Die dramatische Ausbreitung der Gewalt führt Satterwate auf die Willkür der Rechtsschutzorgane zurück, welche Folter, Misshandlungen und unkontrollierbare Gewalt ausübten, die geradezu epidemische Ausmaße angenommen hätten und sich durch eine besondere Perversität und Brutalität selbst im Vergleich zu vielen Entwicklungsländern auszeichneten. Die Angehörigen dieser »paramilitärischen« Strukturen haben in der Regel in der Armee gedient und sind im Tschetschenienkrieg eingesetzt gewesen. http://www.oeko-net.de/kommune/kommune03-06/aruarmee.htm Somit ist der brutal mißhandelte Journalist nur ein weiteres von unzähligen Opfern des Putinismus. Putin hat die russische Gesellschaft bewußt brutalisiert. Putin ist ein Kriegsverbrecher, der in Den Haag zur Verantwortung gezogen werden muß.
barlog 06.11.2010
2. .
Zitat von hegelotlDie russische Gesellschaft ist brutalisiert und verroht, hauptsächlich wegen der beiden brutalen Tschetschenienkriege, in der insgesamt 1 Mio. Soldaten und Polizisten durch eine Schule der Gewalt gegangen sind. Die Oxforder Demografin Margret Satterwate sieht einen Zusammenhang zwischen dem Phänomen exzessiver Sterblichkeit in Russland und der Gewalt in der Gesellschaft. Selbst nach der offiziellen Statistik liegt die Mordrate in Russland auf dem Niveau von Südafrika und Kolumbien. Im Homizid sei Russland seit 15 Jahren weltweit führend; die relative Zahl der Opfer der häuslichen Gewalt gegen Kinder und Frauen sei siebenmal höher als in Pakistan und 45 bis 70 mal höher als in Westeuropa. Die dramatische Ausbreitung der Gewalt führt Satterwate auf die Willkür der Rechtsschutzorgane zurück, welche Folter, Misshandlungen und unkontrollierbare Gewalt ausübten, die geradezu epidemische Ausmaße angenommen hätten und sich durch eine besondere Perversität und Brutalität selbst im Vergleich zu vielen Entwicklungsländern auszeichneten. Die Angehörigen dieser »paramilitärischen« Strukturen haben in der Regel in der Armee gedient und sind im Tschetschenienkrieg eingesetzt gewesen. http://www.oeko-net.de/kommune/kommune03-06/aruarmee.htm Somit ist der brutal mißhandelte Journalist nur ein weiteres von unzähligen Opfern des Putinismus. Putin hat die russische Gesellschaft bewußt brutalisiert. Putin ist ein Kriegsverbrecher, der in Den Haag zur Verantwortung gezogen werden muß.
Vielen Dank für den Link zu diesem sehr interessanten Artikel. Man darf sich fragen, wie hierzulande die Wertschätzung für einen SPD-Politiker, der Putin als "lupenreinen Demokraten" bezeichnete, zu beurteilen ist.
Tommi16 06.11.2010
3. eine von vielen Möglichkeiten
Zitat von hegelotlDie russische Gesellschaft ist brutalisiert und verroht, hauptsächlich wegen der beiden brutalen Tschetschenienkriege, in der insgesamt 1 Mio. Soldaten und Polizisten durch eine Schule der Gewalt gegangen sind. Die Oxforder Demografin Margret Satterwate sieht einen Zusammenhang zwischen dem Phänomen exzessiver Sterblichkeit in Russland und der Gewalt in der Gesellschaft. Selbst nach der offiziellen Statistik liegt die Mordrate in Russland auf dem Niveau von Südafrika und Kolumbien. Im Homizid sei Russland seit 15 Jahren weltweit führend; die relative Zahl der Opfer der häuslichen Gewalt gegen Kinder und Frauen sei siebenmal höher als in Pakistan und 45 bis 70 mal höher als in Westeuropa. Die dramatische Ausbreitung der Gewalt führt Satterwate auf die Willkür der Rechtsschutzorgane zurück, welche Folter, Misshandlungen und unkontrollierbare Gewalt ausübten, die geradezu epidemische Ausmaße angenommen hätten und sich durch eine besondere Perversität und Brutalität selbst im Vergleich zu vielen Entwicklungsländern auszeichneten. Die Angehörigen dieser »paramilitärischen« Strukturen haben in der Regel in der Armee gedient und sind im Tschetschenienkrieg eingesetzt gewesen. http://www.oeko-net.de/kommune/kommune03-06/aruarmee.htm Somit ist der brutal mißhandelte Journalist nur ein weiteres von unzähligen Opfern des Putinismus. Putin hat die russische Gesellschaft bewußt brutalisiert. Putin ist ein Kriegsverbrecher, der in Den Haag zur Verantwortung gezogen werden muß.
Und wenn ihn nun ein gehörnter Ehemann verprügelt hat, oder Schuldeneintreiber ? Ich weiß, reine Spekulation, aber Ihr "Putinusmus" auch. Oder haben Sie Beweise ?
faustjucken_tk 06.11.2010
4. ...
Na, wenn das mal nicht die Handlanger des lupenreinen Demokraten Herr Putin waren. Der muss sich ja allmählich vorbereiten auf die Rückkehr ins höchste Staatsamt.
Atheist01 06.11.2010
5. Das ist Rußland ...
Die DDR-Deutschen haben eine lange Besatzungszeit hinter sich, und so mancher kann ein lautes Klagelied davon singen. Während die anders besetzten ihren finanziellen Schnitt machen konnten bei den Besatzern, hat der östliche Teil Deutschlands diese bittere Last des von unseren Gierigen und deren Exponenten, den Nazis angezettelten und von Allen verlorenen Krieges stellvertretend für die flüchtigen Täter und deren Vettern tragen müssen. Das ist nicht mit Geld zu bezahlen. Was wir heute hören, sind Schlaglichter dieser Verhältnisse. Die Schreie der vielfach persönlich unschuldigen deutschen Opfer in diesen Jahrzehnten wollten auch die Nutznießer des DDR-Systems nicht hören und sind daher mitschuldig.
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