Bücher über Frankreichs Präsidenten Hollandes gefährliche Liebschaften

Gleich drei Bücher beschäftigen sich derzeit mit dem Privatleben von François Hollande. Genussvoll breiten sich die Autoren über die Rivalität zwischen seiner Gefährtin Valérie Trierweiler und seiner Ex-Frau Ségolène Royal aus. Der "Krieg der Damen" belastet das Bild des "normalen Präsidenten".

REUTERS

Von , Paris


"Private Affären gehören privat geregelt." Das hatte Frankreichs Präsident François Hollande am 14. Juli bei seinem ersten großen Fernsehinterview zum Nationalfeiertag verkündet. Und damit versucht, die ungeschickte Attacke seiner Lebensgefährtin Valérie Trierweiler gegen seine Ex-Lebensgefährtin Ségolène Royal zu den Akten zu legen. Hollande kommentierte den Ausfall der Frau an seiner Seite deutlich: "Die Franzosen wollen, dass der Staat durch den dirigiert wird, den sie gewählt haben, ohne jede Störung."

Das Machtwort hat nichts genutzt. Kaum zwei Monate nach dem peinlichen Vorfall, der den Auftakt der fünfjährigen Präsidentschaft zu verderben drohte, schien gerade etwas Gras über die "Twitter-Affäre" gewachsen zu sein. Doch nun wird ausgerechnet Hollande, der sich als "normaler Präsident" von dem stets geltungsbedürftigen Nicolas Sarkozy absetzen wollte, von seiner amourösen Vergangenheit eingeholt. Jener Hollande, der seinem Konkurrenten vorgehalten hatte: "Das persönliche Leben der Kandidaten gehört nicht zur Schau gestellt."

Gleich drei Bücher widmen sich zum Start der literarischen Herbstsaison in Frankreich dem Liebesleben des amtierenden Präsidenten, der bereits durch Konjunkturflaute und Euro-Krise deutlich an Popularität verloren hat. Und nicht nur für die "Presse People" ist das Sujet ein gefundenes Fressen. Auch die seriösen Blätter verfolgen seit Wochen die pikanten Einblicke in das Privatleben des Staatschefs: "Das Gift der Eifersucht", titelte "L'Express", "Enthüllungen über ein Trio Infernale" schreibt "Marianne", während der "Le Nouvel Observateur" Fotos von Trierweiler und Royal mit der martialischen Zeile überschrieb: "Der Krieg der Damen".

"Cholerisch, exzessiv, verrückt"

Im Zentrum stehen drei Bücher. Anna Cabana vom Magazin "Le Point" und Anne Rosencher von "Marianne" dröseln in "Zwischen zwei Feuern" das komplexe Beziehungsdreieck des Staatschefs auf. Sylvain Courage vom "Obs" folgt in der Darstellung "L'Ex" dem Schicksal von Royal. Jener glamourösen Kandidatin der Sozialisten, die 2007 gegen Sarkozy unterlag, bevor ihr langjähriger Lebenspartner Hollande fünf Jahre später den Konservativen besiegte. Und dann mit seiner neuen Herzensdame Trierweiler in den Elysée einzog. "Die Favoritin", geschrieben von Laurent Greilsamer, wiederum kommt als knallharte Abrechnung daher. Trierweiler sei "cholerisch, exzessiv, verrückt, eine blöde Schnepfe", höhnte der ehemalige Vizechef von "Le Monde" während einer TV-Talkshow.

Tatsächlich macht Hollande in den Neuerscheinungen, gepriesen als "Buch-Ereignis", eher eine tragikomische Figur. Der Politiker, der jahrelang als wenig charismatischer Ex-Chef der Sozialisten an seiner Karriere feilte, wirkt nicht wie ein Macho, sondern wie ein entscheidungsschwacher Charakter: hin- und hergerissen zwischen Royal, der Mutter seiner vier Kinder, und der schönen, ehrgeizigen Journalistin Trierweiler.

Glaubt man den Darstellungen der Autoren fällt in der Dreier-Saga die Rolle der bösen Intrigantin der Kollegin Trierweiler zu: Die Feindschaft zwischen ihr und Royal habe lange begonnen, bevor sie mit ihrer Kurzbotschaft die Kandidatur der Rivalin für einen Abgeordnetenplatz in La Rochelle rügte. Bereits Anfang der neunziger Jahre, als junge Reporterin beim Glamourblatt "Paris Match", habe die Liaison mit Hollande begonnen, die laut Courage, bald auch Royal bekannt wurde. "Ich habe vier Kinder, Sie drei", faucht die damalige Abgeordnete in der Wandelhalle der Nationalversammlung 1992 die Konkurrentin Trierweiler an - und informierte sowohl deren Arbeitgeber wie damaligen Ehemann von dem Verhältnis.

"Frau meines Lebens"

Ohne Erfolg. Möglicherweise war es gar die Liebschaft zwischen der Journalistin und Hollande, die Royal 2006 bewegte, ihre Kandidatur anzumelden. Der PS-Chef selbst hatte sich nämlich bereits damals Hoffnungen gemacht, gegen Sarkozy ins Rennen zu gehen. Erst aus der Presse erfuhr er, dass ihm Royal zuvorgekommen war.

Fünf Jahre später, als Hollande seinerseits gegen Sarkozy antrat, bekannte er sich öffentlich zu Trierweiler als der "Frau meines Lebens". Und die zur Beraterin Hollandes avancierte Journalistin nutzte die Gelegenheit zur Rache: Sie verhinderte nach Kräften, dass Hollande mit Royal zusammen auftrat, stoppte die Veröffentlichungen von Fotos von Royal und erreichte, dass im offiziellen Videoclip zur Geschichte der Sozialistischen Partei die Kandidatur der Konkurrentin nicht mehr auftauchte. "Eine Unterlassungssünde", versuchte Hollande hinterher zu erklären.

Trierweiler, die mit dem Wahlsieg zur "Ersten Dame Frankreichs" aufrückte, wird offenbar von einem hartnäckigen Argwohn gegenüber jener Frau verfolgt, die lange die Karriere Hollandes begleitet hatte. Als Hollande seine "Ex" am Abend des Triumphes mit dem üblichen Küsschen begrüßt hatte, forderte sie, als Hollande vor der begeisterten Menschenmenge an der Bastille auftrat: "Küss mich auf den Mund - jetzt."

Hollande gehorcht. Mit dem öffentlichen Liebesbeweis war die von Eifersucht bestimmte Fehde freilich nicht beendet, wie die "Twitter-Affäre" zeigen sollte. Und während Royal sich offenbar mit dem Ende der privaten Geschichte abgefunden hat, verfolgt Trierweiler weiterhin eigene Ambitionen. Berater Hollandes, so kolportieren es die Autorinnen in "Zwischen zwei Feuern", träumen daher von einer Lösung des Dilemmas, die den Egos beider Frauen Genugtuung verschaffen würde - der einen privat, der anderen politisch: "Eine Ehe im Elysée für Valérie und eine im Ministerium für Ségolène."



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Seite 1
forumgehts? 02.09.2012
1. Der
Zitat von sysopDPAGleich drei Bücher beschäftigen sich derzeit mit dem Privatleben von François Hollande. Genussvoll breiten sich die Autoren über die Rivalität zwischen seiner Gefährtin Valérie Trierweiler und seiner Ex-Frau Ségolène Royal aus. Der "Krieg der Damen" belastet das Bild des "normalen Präsidenten". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,853492,00.html
Präsident selbst hat über seinen Geheimdienst nach Autoren für dieses Thema suchen lassen, um die Medien von ihm selbst abzulenken. :)
cookaburra 02.09.2012
2. Private
Sehr geehrter Herr Simons, Sie sprechen sicher besser französisch als ich, aber "affaires privees" mit "private Affairen" zu übersetzen, ist wohl ein gründlicher fauxpas. Da wäre doch "Privatangelegenheiten" etwas passender, oder?
Sapientia 03.09.2012
3. Völlig irrelevant,
Zitat von sysopDPAGleich drei Bücher beschäftigen sich derzeit mit dem Privatleben von François Hollande. Genussvoll breiten sich die Autoren über die Rivalität zwischen seiner Gefährtin Valérie Trierweiler und seiner Ex-Frau Ségolène Royal aus. Der "Krieg der Damen" belastet das Bild des "normalen Präsidenten". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,853492,00.html
wichtig vielleicht für die yellow press des die anglo-amerikanisch geprägten Deutschlands, damit sie überhaupt etwas zu berichten haben, wenn schon Fotos nicht ausreichen. Hollande ist allei danach zu bewerten, ob und was er als Präsident für sein Land und ggf. für Europa an der Seite von Teflon erreichen kann. Dieses glitschige Sülzen über etwaige Hintergrundgeschichten interessiert doch letztlich niemanden, allenfalls Fleischhauer.
gfssfg 03.09.2012
4. Niveaulos
Armselig, dass Sie darüber berichten, ich habe weder ihren Artikel gelesen, noch werde ich eines dieser Bücher lesen, die nur mit den primitiven Instinkten kokettieren. Leider haben immer weniger Menschen Verstand und Charakter, um diese archaischen Instinkte zu beherrschen!
notty 03.09.2012
5.
Zitat von sysopDPAGleich drei Bücher beschäftigen sich derzeit mit dem Privatleben von François Hollande. Genussvoll breiten sich die Autoren über die Rivalität zwischen seiner Gefährtin Valérie Trierweiler und seiner Ex-Frau Ségolène Royal aus. Der "Krieg der Damen" belastet das Bild des "normalen Präsidenten". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,853492,00.html
Da waren mir die Berichte ueber Sakro und seiner suessen Carla 10x lieber.....anzuschauen. Hollande wird noch in die Annalen Frankreichs als derjenige Praesident eingehen, der in Rekordzeit bei seinen Waehlern versch..... hat. Da helfen auch keine martialischen Posen, wie das Androhen von Militaerschlaegen gegen Syrien. Sein ohnehin malader Haushalt ist durch sein ureigenstes Verschulden zu einem Desaster geworden und das wird Frankreich noch sehr piesacken....
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