Bündnisstrategie Nato will mehrere Kriege gleichzeitig führen können

Um den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts besser gerecht zu werden, hat die Nato eine neue Strategie beschlossen. Das Bündnis will sich künftig auf kleinere, parallel geführte militärische Einsätze konzentrieren.


Brüssel - Die Nato solle künftig in der Lage sein, bis zu zwei größere und bis zu sechs kleinere Einsätze parallel auszuführen, teilte Sprecher James Appathurai mit. Als "groß" definierte er Missionen von mehr als 60.000 Soldaten. Kleinere Einsätze seien jene mit 20.000 bis 30.000 Soldaten.

Kern der neuen Strategie ist die Nato-Eingreiftruppe, deren volle Einsatzfähigkeit bis zum Gipfel Ende November in Riga sichergestellt sein soll. Die Truppe soll aus 20.000 Soldaten bestehen und äußerst schnell mobilisiert werden können. Zudem bekräftigten die Verteidigungsminister ihr Ziel, zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für den Verteidigungshaushalt aufzubringen. Bislang erfüllen allerdings nur sieben der 26 Mitgliedsländer diese Vorgabe.

Trotz der verschärften Sicherheitslage in Afghanistan soll an der Ausweitung des Einsatzes in den gefährlichen Süden und Osten festgehalten werden. "Niemand sollte die Entschlossenheit der Nato bezweifeln", sagte Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung sagte, die Nato müsse ganz Afghanistan stabilisieren.

Die Sicherheitslage gebe Anlass zur Sorge. In diesem Jahr seien so viele Menschen getötet worden wie im gesamten vergangenen Jahr. Im ganzen Land starben allein im Mai bei Anschlägen mehr als 450 Menschen, seit Jahresbeginn gab es mehr als 900 Tote.

als/Reuters



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