Bürgerkrieg am Horn von Afrika Somalischer Ministerpräsident kehrt nach Mogadischu zurück

Der Chef der somalischen Übergangsregierung, Ali Mohammed Ghedi, bereitet seine Rückkehr in die Hauptstadt Mogadischu vor. Von dort aus will er die Ordnung in dem Bürgerkriegsland wiederherstellen. Die Islamisten kündigen eine Fortsetzung des Kampfes an.


Mogadischu - Die Truppen der somalischen Übergangsregierung kontrollieren nach eigenen Angaben mittlerweile 95 Prozent des Landes. Mit der Hilfe der äthiopischen Armee bezogen Soldaten der Regierung in Mogadischu Stellung an Schlüsseleinrichtungen wie Flughafen und Hafen. Ministerpräsident Ali Mohammed Ghedi kündigte an, die Regierungsgeschäfte wieder aus Mogadischu zu führen.

Premierminister Ali Mohammed Ghedi: Rückkehr in die Hauptstadt
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Premierminister Ali Mohammed Ghedi: Rückkehr in die Hauptstadt

Vor dem Bürgerkrieg, der an Weihnachten ausgebrochen war, hatte die Übergangsregierung ihren Sitz in die südwestlich gelegene Stadt Baidoa verlegt. Dorthin war sie vor den islamistischen Milizen geflohen. Nach der Rückeroberung Mogadischus beginne nun die schwierige Aufgabe des Wiederaufbaus, sagte Ghedi. Seine Regierung wolle Recht und Ordnung in Somalia wiederherstellen.

Die Kämpfer des selbst ernannten "Rats der Islamischen Gerichte" haben sich in die Stadt Kismayu im Süden Somalias zurückgezogen. Der Ausgang des Krieges ist damit offenbar entschieden - dennoch kündigte Äthiopien an, noch einige Wochen weiterkämpfen zu wollen, bis die islamistischen Milizen endgültig besiegt seien. Bislang sind nach Angaben des äthiopischen Ministerpräsidenten Meles Zenawi 2000 bis 3000 islamistische Kämpfer getötet und bis zu 5000 verletzt worden. Äthiopien selbst habe einige hundert Opfer zu verzeichnen.

Die Milizen kündigten heute nach ihrem Rückzug an, das Land nicht verlassen zu wollen. Scheich Scharif Ahmed sagte in Kismayu: "Wir werden vor unseren Feinden nicht davonlaufen." Scheich Mohammed Ibrahim Bilal, einer der Anführer der islamistischen Milizen, sagte, der Krieg sei nicht zu Ende. Seine Einheiten würden die Regierungstruppen und die äthiopischen Verbündeten aus dem Hinterhalt angreifen.

Uno-Helfer können Somalia wieder ansteuern

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Die somalische Übergangsregierung hat den Luftraum über dem Land für Uno-Hilfsflüge wieder geöffnet. Die Flüge waren wegen der Gefechte vorübergehend eingestellt worden. Vor allem im Süden des Landes wurden in der Vergangenheit dringend Lebensmittel benötigt. Wegen zahlreicher Überschwemmungen ist dieser Teil Somalias auf dem Landweg schwer erreichbar. Die Mitarbeiter des Uno-Welternährungsprogramms (WFP) wollen nun zunächst die Sicherheitslage prüfen.

Die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" protestierte gegen die Kriegsführung der Truppen der Übergangsregierung. Somalische Soldaten seien in eine Klinik in Diinsor in der Provinz Bay eingedrungen und hätten einheimische Mitarbeiter bedroht sowie Patientenakten beschlagnahmt, erklärte die Hilfsorganisation. "Ärzte ohne Grenzen" forderte alle Konfliktparteien dringend auf, "sich an weltweit geltendes Recht zu halten und die Sicherheit medizinischer Einrichtungen zu garantieren". Besonders die Patienten und das medizinische Personal bräuchten Schutz.

anb/dpa/AFP/AP



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