Bürgerkrieg Friede in Darfur nicht in Sicht

Die Hoffnung auf Frieden in der sudanesischen Krisenregion Darfur schwindet: Ein Abkommen mit der Regierung wurde wenige Stunden vor Ablauf einer Frist von den Rebellen als "nicht annehmbar" abgelehnt. In den USA demonstrierten Zehntausende für ein Ende der Gewalt.


Demonstration vor dem US-Kongress in Washington: Rettet Darfur
REUTERS

Demonstration vor dem US-Kongress in Washington: Rettet Darfur

Abuja - Vertreter sudanesischer Rebellen haben den Entwurf für ein Abkommen zur Befriedung zurückgewiesen, das von Vermittlern der Afrikanischen Union (AU) ausgearbeitet worden war. Die Regierung dagegen hatte ihre Bereitschaft zur Unterzeichnung des Dokuments erklärt – allerdings erst, nachdem schon abzusehen war, dass die Rebellen nicht zustimmen werden. Die AU hatte ein Frist zur Beendigung ihrer Gespräche in der nigerianischen Hauptstadt Abuja bis Sonntag gesetzt.

Ein Rebellensprecher bemängelte, dass der Entwurf nicht hinreichend die Frage beantworte, wie das Friedensabkommen umgesetzt werden soll. Außerdem berücksichtige das Dokument nicht die Hauptforderungen der Rebellen nach einem Vizepräsidenten für Darfur und mehr Autonomie für die Region, sagte Hahmed Hussein von der Bewegung für Gerechtigkeit und Gleichheit. Er bezeichnete den Entwurf als unausgewogen. "So werden wir ihn nicht unterschreiben." Ein Sprecher der zweiten großen Rebellengruppe, der Sudanesischen Befreiungsbewegung, bat um mehr Zeit für weitere Gespräche.

AU-Sprecher Noureddine Mezni verwies auf das am Sonntagabend auslaufende Vermittlungsmandat. Eine Teilvereinbarung könnte aber neue Optionen eröffnen.

In mehreren Städten der USA demonstrierten Zehntausende Menschen für ein Ende der Gewalt in dem zentralafrikanischen Land. Mit der Forderung "Rettet Darfur, jetzt!" forderte die Menge die internationale Gemeinschaft auf, das Blutvergießen zu stoppen. Unter den Teilnehmern war auch Oscar-Preisträger George Clooney, der sich seit einer Reise in die Krisenregion öffentlich für den Frieden in der Region stark macht. Er hatte den Konflikt in Darfur als "ersten Völkermord des 21. Jahrhunderts" bezeichnet.

Der Holocaust-Überlebende und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel rief zum gemeinsamen Protest auf. "Das Schweigen hilft den Mördern, niemals den Opfern", sagte er vor der Menge. Auch in Austin, Chicago, San Franciso und Seattle demonstrierten tausende Menschen.

Der Darfur-Konflikt dauert schon seit rund drei Jahren an. Schätzungen zufolge kamen bisher 300.000 Menschen ums Leben, rund 2,4 Millionen Menschen wurden zu Flüchtlingen. Die US-Regierung und Menschenrechtsorganisationen werfen der Führung in Khartum vor, im Kampf gegen die Rebellen völkermordartige Methoden einzusetzen.

reh/AFP/dpa



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