Bürgerkrieg im Jemen Huthi-Rebellen geben wichtige Häfen frei

Das Waffenstillstandsabkommen für den Jemen sieht beiderseitige Truppenverlagerungen vor. Die Huthi-Rebellen haben nun begonnen, ihre Kämpfer aus wichtigen Häfen abzuziehen.

Entladung von Unicef-Hilfsgütern im Hafen von Hudaida
ABDO HYDER/ AFP

Entladung von Unicef-Hilfsgütern im Hafen von Hudaida


Die schiitischen Huthi-Rebellen im Bürgerkriegsland Jemen ziehen sich aus wichtigen Hafenstädten zurück. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Bezug auf Augenzeugen berichtet, hätten die Rebellen mit der Truppenverlagerung aus den Häfen Salif und Ras Isa begonnen. Der Abzug werde von Mitarbeitern einer Uno-Mission beobachtet. Die Deutsche Presse-Agentur sprach mit einem hochrangigen Huthi-Vertreter. Ihm zufolge laufe auch der Abzug aus dem Hafen Hudaida.

Ein Regierungsbeamter stellte die Gültigkeit des Rückzugs jedoch infrage. Wenn ein solcher Abzug ohne die trilaterale Aufsicht durch Teams der Vereinten Nationen, der Regierung und der Huthis stattfinden sollte, sei dies nicht ausreichend.

Bereits am Freitag hatten sich die Huthi-Rebellen zu einem einseitigen Truppenabzug aus drei strategisch wichtigen Häfen in den Städten Salif, Ras Isa und Hudaida bereit erklärt. Der Hafen in Hudaida ist besonders wichtig. Hierhin gelangt der meiste Nachschub für die Huthis in die von ihnen kontrollierten Gebiete im Norden des Landes. Auch der überwiegende Teil der Hilfslieferungen für die Bevölkerung wird nach Hudaida geliefert.

Der Kopf der Rebellen, Mohammed Ali al-Huthi, erklärte via Twitter, der Rückzug erfolge trotz der Weigerung der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition, die im Dezember in Stockholm vereinbarte Waffenruhe einzuhalten.

In der schwedischen Hauptstadt war damals zwischen Vertretern der jemenitischen Regierung und der Huthi vereinbart worden, dass die Rebellen sich von den drei Häfen zurückziehen. Im Gegenzug sollen die Regierungstruppen und ihre Alliierten den östlichen Stadtrand von Hudaida aufgeben.

Das Abkommen von Stockholm gilt als wichtiger Meilenstein zu einem dauerhaften Waffenstillstand. Ein Beschluss des Uno-Sicherheitsrats sieht dessen Überwachung vor. Dabei soll auch ein deutsches Kontingent helfen. Im April war zunächst "ein Soldat in Zivil und unbewaffnet zur Besetzung des Dienstpostens 'Chief Assessment UNMHA' - Leiter Auswertung" entsandt worden. Weitere könnten folgen. Die Mission ist zunächst auf sechs Monate ausgelegt. Die Resolution sieht die Entsendung von 75 internationalen unbewaffneten Beobachtern vor.

Alle zehn Minuten stirbt ein Kind

In dem Land auf der Arabischen Halbinsel herrscht seit mehr als vier Jahren ein Stellvertreterkrieg: Saudi-Arabien und andere arabische Staaten kämpfen mit den Truppen von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi gegen die Huthi-Rebellen, hinter denen der Iran steht. Auch die USA engagieren sich militärisch im Jemen. Sie beliefern die von Saudi-Arabien geführte Koalition unter anderem mit Geheimdienstinformationen für die Ermittlung von Zieldaten. Dem wollte der US-Kongress zuletzt ein Ende setzen, was Trump aber per Veto verhinderte.

Der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge kamen in dem Konflikt insgesamt bereits rund 10.000 Menschen ums Leben, mehr als 60.000 wurden verletzt. Alle zehn Minuten stirbt laut Unicef ein Kind an vermeidbaren Krankheiten oder Mangelernährung.

löw/Reuters/dpa

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