Bürgerkrieg Zweitägige Waffenruhe im Jemen tritt in Kraft

Wenigstens zwei Tage lang sollen die Kämpfe im Bürgerkriegsland Jemen ruhen. Darauf hatten sich Regierung und Huthi-Rebellen geeinigt. Nun ist die Feuerpause in Kraft getreten - doch es gibt einzelne Gefechte.

Kinder mit Wasserkanistern in Sanaa
REUTERS

Kinder mit Wasserkanistern in Sanaa


Es ist bereits der sechste Versuch, die Gewalt im Jemen durch eine Waffenruhe einzudämmen: In dem Bürgerkriegsland hat am Samstagmittag (Ortszeit) eine zweitägige Feuerpause begonnen. Zunächst wurde von verschiedenen Fronten eine vorsichtige Mäßigung der Gewalt beobachtet. Ein Kommandeur der Regierung beschuldigte die Huthi-Rebellen jedoch, Wohngebiete in der Stadt Tais im Süden des Landes zu beschießen. Trotz dieses Bruchs werde man sich aber weiterhin an die Feuerpause halten.

Ein Befehlshaber der Huthi-Rebellen teilte gleichzeitig mit, dass die Einhaltung der Vereinbarung durch seine Truppen davon abhänge, inwiefern die andere Seite auf Gewalt verzichte. Falls die 48-stündige Waffenruhe funktioniert, haben sich die Parteien eine Verlängerung vorbehalten.

Mit der Verständigung auf die Feuerpause gab die Regierung wachsendem internationalem Druck nach. In der Hauptstadt von Oman hatte US-Außenminister John Kerry am Montag mit Rebellenvertretern gesprochen. Anschließend präsentierte er einen Waffenstillstandsplan. Dieser wurde von der Regierung von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi zunächst aber abgelehnt.

Daraufhin gab es scharfe Kritik der internationalen Gemeinschaft, die ohnehin durch die zunehmende Zahl ziviler Opfer bei den Angriffen der arabischen Militärkoalition alarmiert ist. Dass die Allianz nun den zweitägigen Waffenstillstand akzeptierte, geschah nach ihren Angaben auf Bitten von Hadi.

Im Jemen kämpfen seit September 2014 Truppen des ins Exil geflüchteten sunnitischen Präsidenten Hadi gegen die vom Iran unterstützten schiitischen Huthi-Rebellen und andere Milizen, die dem ehemaligen Staatschef Ali Abdallah Saleh die Treue halten. Seit März 2015 fliegt ein von Saudi-Arabien angeführtes Militärbündnis Luftangriffe auf die Rebellen und unterstützt damit die Hadi-Truppen.

Nach Angaben der Vereinten Nationen starben dabei bis Juni 2016 mehr als 6500 Menschen. Viele Millionen Bürger leiden zudem unter Nahrungsmittel- und Wasserknappheit. In der Hauptstadt Sanaa wurde der Ausbruch von Cholera bestätigt. US-Außenminister Kerry sprach von einer "humanitären Katastrophe".

vks/dpa/AFP

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