Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste Kampf um den Präsidentenpalast

In der Elfenbeinküste tobt die Entscheidungsschlacht: Gewehrsalven hallen durch die Millionenmetropole Abidjan, Soldaten des gewählten Präsidenten Ouattara rücken immer weiter vor - im Präsidentenpalast könnten sie auf ihren Gegner Gbagbo treffen. Frankreich bringt Tausende Bürger in Sicherheit.

REUTERS

New York/Abidjan - Im Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste läuft der entscheidende Kampf. Soldaten des gewählten Staatsoberhaupts Alassane Ouattara haben den Präsidentenpalast in Abidjan umzingelt und attackieren ihn pausenlos - Ouattaras Truppen dringen immer weiter in die Wirtschaftsmetropole vor, wo sich sein Rivale Laurent Gbagbo verschanzt haben soll.

In der Millionenstadt sind Augenzeugen zufolge Explosionen von Raketen und Maschinengewehrfeuer aus der Richtung des Palasts zu hören. Gekämpft wird auch rund um die Polizeischule im Stadtteil Cocody im Osten Abidjans, wo zahlreiche Ausländer leben.

Zuvor hatten die Truppen laut eines Sprechers Ouattaras bereits die Residenz Gbagbos eingenommen. Wo sich Gbagbo aufhalte, wisse er nicht, sagte der Sprecher. Es wird jedoch gemutmaßt, dass der Ex-Präsident, der nicht abdanken will, sich noch in dem Palast aufhält.

Seit Stunden liefern sich Gbagbo-Getreue und Truppen des international anerkannten Wahlsiegers Ouattara schwere Kämpfe. Vom Norden her rücken Ouattara-Truppen in die an einer Lagune gelegenen Stadt vor. Zudem haben von französischem Militär unterstützte Uno-Friedenstruppen in den Konflikt eingegriffen und Gbagbos Militärstützpunkte attackiert.

Uno-Chef Ban Ki Moon gab den Blauhelmen den Angriffsbefehl, um die Zivilbevölkerung zu schützen. Französische Hubschrauber beschossen daraufhin Gbagbos Hauptquartier.

Schwarzer Rauch über Abidjan

Augenzeugen in Abidjan berichteten schon am frühen Montagabend von heftigen Feuergefechten und dem Einsatz schwerer Artillerie. "Wir werden dieses Bombardement nicht überleben", klagte verzweifelt eine Frau, die nahe eines Militärlagers wohnt. "Bevor wir uns unter dem Bett versteckten, habe ich aus dem Fenster den Feuerball einer Explosion und schwarzen Rauch am Himmel gesehen." Bereits seit Tagen hatten die meisten der rund vier Millionen Einwohner der größten Stadt des Landes wegen der Kämpfe ihre Häuser nur in Notfällen verlassen.

Die französische Regierung, die Gbagbo wiederholt zum Rücktritt aufgefordert hatte, sagte am Dienstag, sie werde "keinen Krieg" in der Elfenbeinküste führen. "Es war die internationale Gemeinschaft, die Alassane Ouattara als vom ivorischen Volk gewählten Präsidenten anerkannt hat, und wir setzen den demokratischen Willen der Menschen um", sagte ein französischer Regierungssprecher.

Frankreich bringt mittlerweile Tausende seiner Bürger in dem westafrikanischen Staat in Sicherheit. Am Dienstag verhandelte die französische Regierung mit beiden Konfliktparteien über einen humanitären Korridor, um seine Landsleute zu evakuieren, berichtet die Zeitung "Le Monde". Erschwert würde eine solche Aktion, weil viele Ausländer im Norden Abidjans lebten und das französische Militär im Süden stationiert sei. Die Brücken dazwischen werden von den Anhängern Gbagbos gehalten.

Auf dem französischen Militärstützpunkt in Abidjan befinden sich bereits etwa 1650 Ausländer, etwa die Hälfte davon Franzosen. Insgesamt leben etwa 12.000 Franzosen in der Elfenbeinküste, die meisten von ihnen in Abidjan.

Will Gbagbo verhandeln?

Möglicherweise ist Gbagbo inzwischen aber auch zu einem Rücktritt bereit. Laut Berichten aus dem Lager Ouattaras hat Gbagbo das Gespräch über eine Machtübergabe gesucht. Gbagbo sei "am Leben" und verhandle seit Montag darüber, "sich zu ergeben", sagte der von Ouattara entsandte Botschafter in Frankreich, Ally Coulibaly, am Dienstag dem Radiosender RFI.

Gbagbo hat sich bisher geweigert, nach der Wahl im November die Macht an den Wahlsieger Ouattara abzutreten. Mehr als 1500 Menschen sind seitdem in dem Konflikt ums Leben gekommen, die Dunkelziffer liegt viel höher.

Ouattaras Truppen gewannen Stück für Stück die Kontrolle in dem westafrikanischen Land. Bei ihrem "abschließenden Angriff" auf Abidjan, der Hochburg Gbagbos, trafen sie allerdings auf erbitterten Widerstand. Vor allem rings um den Präsidentenpalast hatten sich Gbagbo-Truppen verschanzt.

ler/amz/Reuters/dapd/dpa

insgesamt 34 Beiträge
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JohnD 05.04.2011
1. !
Ouattara ist eine Marionette des IWF. Die Elfenbeinküste soll schön von Krediten abhängig gehalten werden und mit Rohstoffen wie Öl und Gold bezahlen.
Progress, 05.04.2011
2. Flugverbotszone einrichten
Zitat von sysopIn der Elfenbeinküste tobt die Entscheidungsschlacht: Soldaten des gewählten Präsidenten Ouattara rücken immer weiter vor, Maschinengewehrsalven hallen durch die Millionenmetropole Abidjan. Die Kämpfer attackieren den Palast - dort könnten sie direkt auf ihren Gegner Gbagbo treffen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,755140,00.html
Um die Massaker zu beenden, die Menschenrechte durchzusetzen, sollten doch UN, Nato, F, GB,USA, I, DK, S den Erfolg in Libyen auf die Elfenbeinküste übertragen. Auch wenn es dort kein Öl gibt. Vielleicht werden später "seltene Erden" gefunden? Dann lohnte es sich allemal.
gunman, 05.04.2011
3. Klasse Bilder
Klasse Bilder. Gute Motive für den nächsten Endzeitfilm. So langsam kristallisiert sich hraus, wie es mit dem Bevölkerungsüberschuß weitergeht.
Peter Werner 05.04.2011
4. ...
Ich frage mich wirklich, was mit Afrika los ist. Kann es dort - bis auf wenige Ausnahmen abgesehen - nicht mal einfach nur friedlich zugehen? Ist es denn wirklich so unmöglich, eine Wahlniederlage zu akzeptieren OHNE daraufhin einen Bürgerkrieg zu entfesseln? Äußerst schwer nachvollziehbar das Ganze.
gunman, 05.04.2011
5. Glaubwürdiger ...
Zitat von ProgressUm die Massaker zu beenden, die Menschenrechte durchzusetzen, sollten doch UN, Nato, F, GB,USA, I, DK, S den Erfolg in Libyen auf die Elfenbeinküste übertragen. Auch wenn es dort kein Öl gibt. Vielleicht werden später "seltene Erden" gefunden? Dann lohnte es sich allemal.
In jedem Fall wären allesamt glaubwürdiger ...
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