Bürgerkrieg in Liberia Unvorstellbare Grausamkeiten in Monrovia

Schockierende Bilder aus Monrovia: Kindersoldaten hacken Rebellen die Köpfe ab und tragen sie stolz durch die Straßen. Nach offiziellen Angaben wurden bei der Schlacht um Liberias Hauptstadt in den vergangenen Tagen mehr als 600 Zivilisten getötet.




 Taylors halbwüchsige Armee
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Taylors halbwüchsige Armee

Monrovia - Laut Verteidigungsminister Daniel Chea liegt die Zahl der Toten über 600 Zivilisten." Mitarbeiter von Hilfsorganisationen erklärten, durch Granatwerfer-Beschuss dürften etwa 100 Menschen in Monrovia getötet worden sein. Dort bekämpfen sich Rebellen und Regierungstruppen. Die meisten Toten gab es offenbar im Diplomaten-Viertel, wo eine in die Zehntausende gehende Menschenmenge Schutz gesucht hatte.

Bildjournalisten dokumentierten, dass die Kindersoldaten von Präsident Charles Taylor gefangenen Rebellen der Lurd die Köpfe abhackten und die Schädel stolz durch die Straßen trugen.

Protest mit Leichen: Einwohner Monrovias fordern Intervention der USA
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Protest mit Leichen: Einwohner Monrovias fordern Intervention der USA

Auch die internationale Hilfsorganisation Oxfam rief Washington auf, das Warten zu beenden. Sprecher Sam Nagbe erklärte in Monrovia, solange die Kämpfe andauerten, könne man keine Hilfe leisten: "Wir brauchen die internationalen Friedenstruppen jetzt, nicht erst in ein oder zwei Monaten".

Die USA beobachteten die Situation in Liberia sehr genau, erklärte George W. Bush auf seiner Ranch in Texas. Der US-Präsident hatte am Wochenende erklärt, die Regierung erörtere mit den Nachbarstaaten des westafrikanischen Landes den Zeitpunkt für den Einsatz einer Friedenstruppe. Zugleich verstärkten die USA die Militärpräsenz in ihrer Botschaft in Monrovia.

Bush sagte, es würden Gespräche mit der Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (Ecowas) über die Entsendung von Soldaten geführt. Die USA hatten am Montag mehrere Dutzend Elitesoldaten zur Sicherung ihrer Botschaft nach Monrovia entsandt.

Die Vereinigten Staaten haben zudem zugesagt, sich mit einem kleinen Kontingent an einer internationalen Friedenstruppe zu beteiligen, sofern Taylor das Land verlasse. Dieser will jedoch nur zurücktreten, wenn eine Friedenstruppe bereits im Land ist. Seit drei Jahren versuchen die Rebellengruppen, Taylor zu stürzen, dem Kriegsverbrechen im Nachbarland Sierra Leone vorgeworfen werden.

US-Außenministerium kritisiert Rebellen

Das US-Außenministerium warf den Rebellen vor, das Leid der Bevölkerung rücksichtslos zu vergrößern. Sprecher Philip Reeker forderte die Rebellen auf, den Waffenstillstand einzuhalten. Er verurteilte die "rücksichtslose und wahllose Bombardierung Monrovias" durch die Rebellengruppe Liberianer vereint für Versöhnung und Demokratie (Lurd).

Die US-Marinesoldaten sollen mit mehreren Schiffen vom Horn von Afrika in das Mittelmeer verlegt werden, von wo aus sie schneller Liberia erreichen könnten. Die Verlegung stelle noch keine Entscheidung über eine mögliche US-Beteiligung an einer internationalen Friedenstruppe dar, betonte ein Pentagonsprecher.

Vereinte Nationen tief besorgt

US-Soldaten sollen die amerikanische Botschaft schützen
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US-Soldaten sollen die amerikanische Botschaft schützen

Uno-Generalsekretär Kofi Annan bat Washington und die westafrikanischen Länder erneut um die baldige Entsendung von Truppen.

Auch die Uno-Hilfsorganisationen äußerten sich tief besorgt über das humanitäre Chaos. Die Uno-Hochkommissare für Menschenrechte und Flüchtlinge riefen am Dienstag in Genf zu einem sofortigen Ende der Kämpfe zwischen den verfeindeten Bürgerkriegsparteien auf. Uno-Flüchtlingskommissar Ruud Lubbers verlangte erneut die rasche Stationierung einer internationalen Friedenstruppe.

In Liberia greife die Cholera immer weiter um sich. 15 Personen seien bereits an der Krankheit gestorben, sagte die Sprecherin der Weltgesundheitsorganisation, Fadela Chaib. Die Zahl der Erkrankten sei von 404 im Juni auf derzeit 1600 gestiegen. Ein Hauptgrund für den Ausbruch der Cholera sei die Unterernährung. 100.000 Liberianer hätten Schwierigkeiten, sich Lebensmittel zu besorgen. Der Zugang für internationale Helfer zu den Betroffenen sei sehr schwierig.

Die Uno-Behörde für die Koordination humanitärer Hilfe (Ocha) sprach am Dienstag von einer verzweifelten Situation in Liberia. Nach dem Beschuss der US-Botschaft in der Hauptstadt Monrovia sei am Montag das internationale Personal von US-Marines evakuiert worden. In der Hauptstadt Monrovia sei die Strom- und Wasserversorgung unterbrochen. Internationale Helfer würden angegriffen.

Wegen der anhaltenden bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den Bürgerkriegsparteien scheiterte der Versuch des Uno-Flüchtlingshilfswerkes, rund 300 Flüchtlinge per Schiff aus Liberia in das benachbarte Sierra Leone zu bringen. Das Schiff habe in Monrovia nicht anlegen können und sei deshalb leer zurückgefahren.



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