Bürgerkrieg in Libyen Gaddafi-Sohn droht Rebellen mit schwerem Schlag

Libyens Regime bereitet eine umfassende Offensive gegen die Rebellen vor. "Jetzt wird gehandelt", kündigte ein Gaddafi-Sohn an. In der umkämpften Ölstadt Ras Lanuf flohen Hunderte Aufständische vor Luftangriffen und vorrückenden Regierungstruppen. Die USA wollen Katastrophenhelfer entsenden.

AFP

Ras Lanuf - "Wir werden niemals aufgeben, wir werden niemals kapitulieren": Saif al-Islam Gaddafi, Sohn des libyschen Despoten, hat den Rebellen mit schwerer Vergeltung gedroht. "Das ist unser Land. Wir kämpfen hier in Libyen", sagte er in einem Interview mit den britischen Sendern Sky News und BBC. Die Zeit für Verhandlungen sei abgelaufen, "jetzt wird gehandelt", warnte er.

Die libysche Führung habe keine Angst vor ausländischen Truppen, sagte Islam. Diese würden den Kampf verlieren. "Wir werden die Nato niemals willkommen heißen, wir werden hier niemals Amerikaner willkommen heißen. Libyen ist nicht das Stück eines Kuchens."

Gaddafis Truppen hatten am Donnerstag die Rebellen im Osten zurückgedrängt. Nach Angaben der Aufständischen beschossen sie den Ölhafen Al-Sidra und die Stadt Ras Lanuf von Kampfflugzeugen und Kriegsschiffen aus. Anschließend rückten sie weiter auf Ras Lanuf vor. Bei den Angriffen, bei denen die Umgebung eines Krankenhauses getroffen wurde, sei ein Mann gestorben. 17 Menschen wurden verletzt. Hunderte von Rebellen flohen. Das Staatsfernsehen berichtete, Ras Lanuf sei von Aufständischen "geleert". Rebellensprecher dementierten, dass die Gaddafi-Truppen die Führung in der Ölstadt zurückerlangt hatten, berichteten aber von schweren Verlusten.

Rund um die Stadt finden seit Tagen erbitterte Gefechte zwischen Aufständischen und den Truppen Gaddafis statt. Auch in der westlichen Stadt Sawija werde gekämpft, meldete der arabische Sender al-Dschasira. Auch die Hafenstadt Brega ist heftig unter Beschuss. Bei den Bombardierungen wurden nach Angaben einen Krankenhausmitarbeiters in Brega mindestens vier Menschen getötet und 35 verletzt.

Immun gegen eingefrorene Konten?

Die Entscheidung zahlreicher Staaten, das auf ausländische Konten ausgelagerte Vermögen Gaddafis einzufrieren, könnte der Einschätzung eines US-Berichts nach nutzlos sein. Al-Gaddafi hat einem Bericht der "New York Times" zufolge Bargeldreserven in Höhe von vielen Milliarden Dollar angelegt, die ihn weitgehend immun gegen die internationalen Finanzsanktionen machen könnten. Gaddafi habe "wahrscheinlich Dutzende Milliarden Dollar in bar, zu denen er innerhalb Libyens Zugang hat", zitierte die Zeitung einen Vertreter der US-Geheimdienste. Das Geld sei bei der libyschen Zentralbank und anderen Banken in Tripolis gelagert. Mit dem Geld könne Gaddafi loyale Truppen, Söldner und politische Unterstützer bezahlen.

Gaddafi habe die Barreserven offenbar nach 2004 angelegt, als die internationalen Sanktionen gegen sein Land gelockert wurden. Er habe sich für den Fall vorbereiten wollen, dass neue Sanktionen gegen Libyen verhängt werden. Zahlreiche Staaten - unter ihnen die USA und Deutschland - hatten in den vergangenen Tagen nach Uno- und EU-Sanktionen libysches Vermögen auf Konten in ihrem Land eingefroren.

USA schicken Katastrophenhilfe

Die USA hatten ihre diplomatischen Beziehungen zum Gaddafi-Regime am Donnerstag ausgesetzt. US-Geheimdienstdirektor James Clapper geht sogar offen von einem Sieg Gaddafis im Kampf um Libyen aus. Gaddafi habe die wesentlich besseren Waffen und mehr logistische Möglichkeiten als die Rebellen, sagte Clapper am Donnerstag. Nach Ansicht des obersten Geheimdienstchefs könnte der Konflikt in dem nordafrikanischen Land auf ein Patt hinauslaufen. Die Hochburg der Rebellen, Bengasi, könnte als eigener Kleinstaat enden. Das Weiße Haus kündigte an, die USA würden in den kommenden Tagen ein Team der Katastrophenhilfe nach Libyen entsenden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mahnte zu Zurückhaltung in der Frage, ob die internationale Staatengemeinschaft mit einer Sperrung des Luftraumes und militärischem Engagement in den Bürgerkrieg eingreifen solle. "Herr Gaddafi führt ohne Zweifel Krieg gegen die eigene Bevölkerung", sagte die Kanzlerin. "Aber wir müssen sehr aufpassen, dass wir nichts beginnen, was wir nicht zu Ende bringen können." Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy war am Donnerstag mit dem Vorschlag gezielter Luftangriffe vorangeprescht und hatte damit für diplomatische Verstimmungen gesorgt.

Die drei in Libyen festgehaltenen niederländische Soldaten wurden am Donnerstagabend freigelassen und einer europäischen Delegation übergeben.

amz/dpa/Reuters/AFP/AP

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Amkopf_Kratz 10.03.2011
1. Unglaublich ist...
Unglaublich ist, dass "wir", "vertreten" durch unsere demokratisch legitimierte Kaste, uns das einfach so anschauen, ein paar Kompressen hinschicken und etwas Mehl, und gut ist. Frau Merkel, TUN Sie was!
Golden Age 10.03.2011
2. Gaddafi braucht den Westen nicht
Brutale Rache-Akte des Gaddafi Regimes waren so sicher wie das Amen in der Kirche. Man möchte sich nicht ausmalen, was der Despot mit der Rebellen Hochburg Benghazi vorhat. Trotzdem ist Gaddafi mehr denn je isoliert, auf sein Öl kann der Westen verzichten. Ob China das kann, wage ich zu bezweifeln.
klawe, 10.03.2011
3. schnell handeln
NATO hat 26 Mitgliedsstaaten. Da ist wohl kein schneller Entschluss zu erhoffen bei 26 verschiedenen Meinungen. Wenn der Westen wirklich den Despoten beseitigen will musss endlich gehandelt werden. Libyen ist nicht der Irak und schon gar nicht Afghanistan. Das weiss auch der franzoesische Praesident und hat daher sofortiges Handeln gefordert. Recht hat er. Und Obama zeigt sich mal wieder wankelmuetig. Da waere John McCain wohl der bessere Praesident fuer die USA. Fazit: wenn man das Problem Gadaffi nicht bald loest, koennen wir in Europa den neuen Fluechtlingsstroemen keinen Einhalt mehr gebieten. Es ist schon im Interesse der nationalen und europaeischen Sicherheit hier endlich eine Flugverbotszone zu schaffen und die Rebellen massiv mit Waffen und Ausbildung zu unterstuetzen.
XRay23 10.03.2011
4. Dann ist es wohl soweit...
...und der Irre wird sein Giftgas einsetzen. Und die Welt schaut zu.
kdshp 10.03.2011
5. Auf Thema antworten
Zitat von sysopLibyens Regime*bereitet eine umfassende Offensive gegen die Rebellen vor. "Jetzt wird gehandelt", kündigte ein Gaddafi-Sohn an. In der umkämpften Ölstadt Ras Lanuf flohen Hunderte Aufständische vor Luftangriffen und vorrückenden Regierungstruppen. Die USA wollen Katastrophenhelfer entsenden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,750232,00.html
Hallo, ich finde den ausdruck rebellen nicht passend denn für mich sind das widerstandskämpfer gegen einen diktatur.
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