Bürgerkrieg in Libyen Gaddafis Truppen legen Landminen aus

Nahe eines Wohngebietes in Ostlibyen wurden Dutzende Panzer- und Tretminen gefunden. Laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sind sie von libyschen Soldaten gelegt worden. Falls Machthaber Gaddafi ins Exil ausweichen wollte, würde Uganda einen entsprechenden Antrag prüfen.

Landminen (Archivbild): Enorme Gefahr vor allem für spielende Kinder
REUTERS

Landminen (Archivbild): Enorme Gefahr vor allem für spielende Kinder


Bengasi/Kairo - Sie stellen eine große Gefahr für Zivilisten dar und sich nicht zuletzt deswegen international geächtet: Truppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi setzen in ihrem Kampf gegen die Rebellen offenbar Land- und Tretminen ein. Dies teilte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) mit. Experten der Organisation fanden demnach nahe der ostlibyschen Stadt Adschdabija zwei Dutzend Panzer- und drei Dutzend Tretminen. Die Sprengkörper waren in der Nähe von Wohngebieten verborgen.

Die Minen stammten zweifelsfrei von Gaddafi-treuen Streitkräften, die die Stadt zwischen dem 17. und 27. März beherrscht hatten, heißt es in der Erklärung. Die HRW-Experten dokumentierten ihre Funde und machten die Minen anschließend unschädlich. Peter Bouckaert, der Leiter der HRW-Abteilung für Notfälle, forderte das Regime in Tripolis auf, den Einsatz der Minen unverzüglich zu stoppen. Landminen sind international geächtet, auch weil sie eine große Gefahr für Zivilisten, vor allem für spielende Kinder, darstellen. "Die Gaddafi-Truppen sollten Minen aller Art, die schon gelegt worden sind, so schnell wie möglich wieder räumen, um zivile Opfer zu vermeiden", sagte Bouckaert.

Die Aufständischen in Bengasi, die zu Beginn des Aufstands im Vormonat die örtlichen Waffendepots der Gaddafi-Truppen unter ihre Kontrolle gebracht hatten, verpflichteten sich bei HRW, die dort gelagerten Minen nicht in den Kämpfen einzusetzen. Die meiste Staaten der Welt haben den Vertrag über das Verbot von Landminen aus dem Jahr 1997 ratifiziert. Libyen ist unter den 37 Ländern, die das bislang nicht taten.

Uganda würde Asylantrag von Muammar al-Gaddafi prüfen

Unterdessen hat sich das afrikanische Land Uganda in die internationale Diskussion um die Zukunft des libyschen Machthabers Gaddafi eingeschaltet: Uganda sei bereit, einen etwaigen Asyl-Antrag Gaddafis zu prüfen, sagte der Staatssekretär im ugandischen Außenministerium Henry Okello Oryem der Nachrichtenagentur Reuters. Einen Bericht des Fernsehsenders Al-Arabija, in dem es hieß, das Land sei bereit, Gaddafi aufzunehmen, bezeichnete Oryem als "Gerücht". "Sollte Gaddafi jedoch Asyl in Uganda beantragen, würden wir seinen Antrag so prüfen, wie wir es für jeden anderen tun, der in Uganda Zuflucht sucht", sagte er.

Angesichts der seit sechs Wochen anhaltenden Kämpfe hatten mehrere Staaten bei einem Treffen zur Libyen-Krise am Dienstag erklärt, Gaddafi und seiner Familie könne der Gang ins Exil ermöglicht werden. Er müsse jedoch das Angebot schnell annehmen. Gaddafi selbst hat bislang keine Andeutungen gemacht, dass er das Land verlassen will.

Großbritannien hat am Mittwoch fünf libysche Diplomaten ausgewiesen. Die Mitarbeiter der Botschaft in London hätten möglicherweise zum Sicherheitsrisiko für Großbritannien werden können, sagte Außenminister William Hague. Der Schritt betone die "großen Sorgen über das Verhalten des Regimes" von Muammar al-Gaddafi. Zu den Ausgewiesenen gehöre der Militärattaché. "Die Regierung hat beschlossen, dass diese Individuen zu einer Gefahr unserer Sicherheit werden könnten, sollten sie in Großbritannien bleiben."

Geheime Treffen zwischen Gaddafis Leuten und französischen Beamten?

Frankreich, das sich bei der Militäraktion gegen Libyen als Vorreiter hervorgetan hatte, hat offenbar nicht alle Brücken zum Gaddafi-Regime abgebrochen. In einem Hotel auf der tunesischen Ferieninsel Djerba traf der libysche Außenminister Mussa Kussa französische Regierungsbeamte. Das erfuhr die Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch aus tunesischen Regierungskreisen. Einzelheiten über die Gespräche wurden nicht bekannt.

Kussa war am Montag über den Grenzübergang Ras Jedir nach Tunesien gekommen. Sein Besuch wurde vom tunesischen Außenministerium als "privat" bezeichnet. Zunächst war auch spekuliert worden, Kussa hätte sich - wie andere libysche Regierungspolitiker vor ihm - von Gaddafi absetzen wollen. Der Außenminister reiste aber in der Nacht zum Mittwoch wieder in seine Heimat zurück.

Die libysche Regierung drohte derweil, internationale Unternehmen zu verklagen, die mit Rebellen Ölgeschäfte abwickeln wollen. Die staatliche libysche Ölgesellschaft sei das einzige Unternehmen, mit dem Öl- und Gasgeschäfte geschlossen werden dürften, hieß es laut Reuters in einer Erklärung der staatlichen Nachrichtenagentur.

Truppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi sind am Mittwoch weiter auf Positionen der Aufständischen im Ölhafen Ras Lanuf vorgerückt. Die Regierungstruppen beschossen Aufständische nach deren Angaben entlang der Küstenstraße nach Tripolis mit Raketen und stoppten damit ihren Vormarsch. Zwischenzeitlich hieß es, die Gaddafi-Mannen hätten die Stadt zurückerobert, die Rebellen seien nach starkem Beschuss auf der Flucht. Mehrere Augenzeugen berichten aber nach wie vor von heftigen Kämpfen in Ras Lanuf.

lgr/dpa/Reuters

insgesamt 22 Beiträge
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rundfunker 30.03.2011
1. Wehrhafte Diktatur
Tja, ich versuch's mal zynisch: da versucht sich ein Diktator, dem die westliche Staatengemeinschaft mit einer Resolution, der daraus resultierenden FVZ und wiederum daraus resultierenden Bombardierungen deutlich gemacht hat, allerdings auf völkerrechtlich sehr dünnem Eis, dass sie ihn weg haben will, mit allen, erlaubten und unerlaubten - wie seine Widersacher - Mitteln zu wehren. Wer will es ihm verdenken...
silenced 30.03.2011
2. <->
Wer hat ihm die Minen denn verkauft?
outdoor 30.03.2011
3. ...
Zitat von silencedWer hat ihm die Minen denn verkauft?
99% der Minen stammen aus Osteuropa, wenn nicht 100%.
pragmat 30.03.2011
4. Nur mal ´ne Frage
Zitat von sysopNahe eines Wohngebietes in Ostlibyen wurden Dutzende Panzer- und Tretminen gefunden. Laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch*sind sie von libyschen Soldaten*gelegt worden. Falls Machthaber Gaddafi ins Exil ausweichen wollte, würde Uganda einen entsprechenden Antrag prüfen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,754092,00.html
Wieso legen die Panzerminen, wenn die Rebellen doch gar keine Panzer haben?
RaMaDa 30.03.2011
5. Ich stelle mir die ganze Zeit eine Frage:
Wer hat Gaddafi das umfangreiche Waffenarsenal verkauft? Na, wer? Frau Merkel, Herr Sarkozy, Herr Berlusconi, Sie können dazu bestimmt auch was sagen.....
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