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07. August 2012, 20:16 Uhr

Krieg in Syrien

Assad kündigt Kampf mit aller Härte an

Seine Getreuen fliehen, die Rebellen scheinen auf dem Vormarsch. Doch Syriens Präsident Assad gibt nicht nach. Nach einem seltenen öffentlichen Auftritt kündigt er an, "das Land ohne Rücksicht von Terroristen zu säubern". Iran schwört dem bedrängten Machthaber nun feierlich die Treue.

Damaskus - Er hatte sich rar gemacht. Knapp drei Wochen war Syriens Präsident Baschar al-Assad in der Öffentlichkeit nicht zu sehen. Nun traf er in Damaskus den iranischen Top-Vermittler Said Dschalili. Das syrische Staatsfernsehen zeigte Bilder des Gesprächs.

Danach ließ Assad über die amtliche Nachrichtenagentur Sana Worte verkünden, welche die ohnehin schwache Hoffnung auf ein baldiges Ende der Gewalt in Syrien zunichte machen dürften: Seine Regierung werde weiter mit aller Härte gegen die Aufständischen vorgehen, zitierte Sana den Präsidenten, der in den vergangenen Tagen weitere Mitstreiter an die Opposition verlor, darunter seinen Regierungschef Riad Hidschab. "Das syrische Volk und seine Regierung sind entschlossen, das Land von den Terroristen zu säubern und den Terrorismus ohne Rücksicht zu bekämpfen", sagte Assad laut Sana.

Als "Terroristen" bezeichnet das Assad-Regime die Aufständischen, deren Revolte keine Anzeichen von Schwäche zeigt.

Die iranischen Verbündeten stellten sich demonstrativ an die Seite des bedrängten Machthabers. Der Gesandte Said Dschalili, den Teheran am Dienstag nach Damaskus schickte, hob die enge Allianz beider Länder hervor. Er sicherte Assad die Unterstützung Irans zu und kündigte an, seinen Verbündeten unter keinen Umständen fallenzulassen. Syrien sei eine "unentbehrliche Säule" des Widerstands gegen die USA und Israel in der Region. Teheran werde es "niemals zulassen, dass die Achse des Widerstands zerschlagen wird".

Die "Achse des Widerstands" bezeichnet in der iranischen Diktion die israelfeindlichen Kräfte in der Region, zu denen neben dem Iran selbst und Syrien unter Assad die schiitische Hisbollah-Bewegung im Libanon und die radikalislamische Hamas im palästinensischen Gazastreifen gehören.

Iran beschuldigt USA und Türkei wegen Geiselnahme in Damaskus

Dschalili beriet sich in Damaskus auch wegen der Verschleppung einer iranischen Pilgergruppe durch syrische Rebellen. Teheran werde "alle zu Gebote stehenden Mittel" einsetzen, um die Geiseln freizubekommen, sagte er. Rebellen mit islamistischem Hintergrund hatten am Wochenende in Damaskus 47 iranische und einen afghanischen Pilger verschleppt. Sie unterstellen ihnen, Agenten der iranischen Revolutionsgarden zu sein. Irans Regierung bestreitet dies vehement.

Am Montag behaupteten die Geiselnehmer, dass drei der Iraner im Granathagel der Regimestreitkräfte getötet worden seien. Weitere Geiseln würden erschossen, wenn das Regime den Artilleriebeschuss nicht einstelle. Wo die Geiseln festgehalten werden, ist unbekannt. Iranische Politiker machten die USA, die Türkei, Saudi-Arabien und Katar - alles Länder, die die syrischen Rebellen unterstützen - für die Geiselnahme mitverantwortlich.

Irans Außenminister Ali Akbar Salehi reiste am Dienstagabend nach Ankara. Sein Ministerium teilte mit, Salehi werde die türkische Regierung an ihre "Verantwortung" für das Schicksal der Geiseln erinnern. Die Türkei unterstütze die Freie Syrische Armee, die sich zu der Geiselnahme bekannte, hieß es weiter.

Armee zieht Geschütze um Aleppo zusammen

Im nordsyrischen Aleppo gingen die Kämpfe unvermindert weiter: Am Dienstag wurden nach Angaben des Staatsfernsehens mindestens 25 Aufständische bei schweren Kämpfen getötet. Die Rebellen hätten ein Kraftwerk angegriffen und seien zurückgeschlagen worden. Die Oppositionellen eroberten nach eigenen Angaben in zehnstündigen Kämpfen einen strategisch wichtigen Armee-Kontrollpunkt. Damit sollen sie nun eine Verbindung zwischen den von ihnen beherrschten Gebieten im Nordosten und im Zentrum der Stadt hergestellt haben. Die Informationen lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Nach Angaben von Augenzeugen zog das Militär beträchtliche Truppenaufgebote mit einer großen Zahl von Geschützen rund um Aleppo zusammen. Allgemein werde eine weitere Großoffensive der Regimekräfte erwartet, hieß es. In früheren Angriffswellen während der mehr als zwei Wochen tobenden Schlacht um die nördliche Handelsmetropole konnte sich die Armee trotz waffentechnischer Überlegenheit nicht durchsetzen. Vielmehr verbuchten die Aufständischen Gebietsgewinne.

Die US-Sektion der Menschenrechtsorganisation Amnesty International kam nach der Auswertung von Satellitenbildern zu dem Schluss, dass bei den Kämpfen in Wohngebieten Aleppos "vermehrt schwere Waffen zum Einsatz kommen". Amnesty warnte die Konfliktparteien, dass alle Angriffe auf die Bevölkerung "genauestens dokumentiert" würden, so dass die Urheber "zur Rechenschaft gezogen" werden könnten.

fab/AFP/dpa

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