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Bürgerkrieg in Syrien: Feuer auf Aleppos Basar

Foto: Anonymous/ AP

Historischer Basar von Aleppo in Flammen Kämpfe zerstören Syriens Kulturschätze

Der Kampf um die syrische Handelsstadt Aleppo tobt seit Wochen, Hunderte Menschen sind dabei bereits umgekommen. Nun verwüstet ein Feuer das historische Kleinod der Stadt, den weltberühmten Basar. Anwohner versuchen verzweifelt, die Flammen zu löschen.

Damaskus/Beirut - Grell flackern die Flammen, das Geräusch des lodernden Feuers erinnert an Feuerwerkskörper, im Vordergrund lassen sich die noch unversehrten Holzverschläge von Geschäften erahnen: Die Szene stammt aus einem Video, das Aktivisten der syrischen Opposition am Samstag im Internet veröffentlichten. Es soll die Zerstörung von Aleppos einstmals größter Touristenattraktion zeigen - dem historischen Basar. Er gehört zur Altstadt, die von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

Nach Einschätzung des Aktivisten Ahmad al-Halabi ist in der Nacht zum Samstag die Mehrheit der Geschäfte auf dem jahrhundertealten überdachten Basar niedergebrannt. Halabi erklärte, die syrischen Behörden hätten der Stadt die Wasserversorgung gekappt, so dass die Löscharbeiten schwierig seien. "Das Feuer droht auf die verbleibenden Geschäfte überzugreifen", sagte er. Rebellen und Zivilisten hätten lediglich Feuerlöscher, um gegen die Flammen zu kämpfen. "Es ist eine sehr schwierige und tragische Situation hier." Noch immer wüte das Feuer in engen Straßen, die schwer zu erreichen seien.

Auch die in London angesiedelte syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und andere Aktivisten meldeten Feuer in dem überdachten Basar. Ein Video im Internet zeigte Rauch über Aleppo. Auch darin hieß es, Geschäfte stünden in Flammen. Der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdul Rahman, sagte, die Brandursache sei unklar.

Ein Zusammenhang mit den Kämpfen um Aleppo ist aber wahrscheinlich. Der Markt war in den vergangenen Wochen fast täglich Schauplatz von Kämpfen. Seit Beginn einer Rebellenoffensive im August kontrolliert jede der Konfliktparteien etwa eine Hälfte der strategisch wichtigen Handelsmetropole. Wiederholt scheiterten Versuche beider Seiten, auch die andere Hälfte einzunehmen.

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Nach Angaben der Rebellen starben in Aleppo am Samstag mindestens drei Menschen, im ganzen Land waren es laut der Beobachtungsstelle für Menschenrechte mehr als 52 Menschen, unter ihnen 18 Angehörige der Regierungstruppen. In der Ortschaft Hajan, die zur Provinz Aleppo gehört, soll ein 13 Jahre alter Junge bei einem Luftangriff auf eine Gruppe von Kurden gestorben sein. 20 Menschen hätten Verletzungen erlitten. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben war nicht möglich.

In der Hauptstadt Damaskus begann die Armee eine Offensive im östlichen Sektor Ghuta. "Die Armee will sich rächen, und vor allem die Zivilisten zahlen den Preis dafür", sagte der in Damaskus lebende Journalist Matar Ismail. Assads Truppen exekutierten angeblich zahlreiche Menschen. Ghuta und Umgebung sind eine Hochburg der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA). Deren Kampfgruppe Tadschamo Ansar al-Islam hatte sich zu dem Bombenanschlag auf eine Kaserne im Zentrum von Damaskus am Mittwoch bekannt.

Schäden im ganzen Land

Aktivist Rahman sagte, alle historischen Gebäude von Aleppo würden nach und nach beschädigt oder sogar zerstört. Besonders heftig umkämpft ist die alte Zitadelle über der Stadt, in der sich laut Vertretern der Rebellen Scharfschützen der Regierungstruppen verschanzt haben.

Die Schäden sind nicht auf Aleppo begrenzt. Laut Unesco besteht ein "extrem hohes" Risiko, dass die bekannten Kulturschätze des Landes zerstört oder geplündert werden. Der britischen Archäologin Emma Cunliffe zufolge haben alle sechs Weltkulturerbestätten in Syrien "potentiell irreversible" Schäden erlitten. "Aus archäologischer Sicht ist Syrien ein Katastrophengebiet", sagte Cunliffe kürzlich.

Schwere Schäden werden unter anderem auch gemeldet aus:

  • der historischen Altstadt von Homs, die von Regierungstruppen mit Artillerie und Bomben angegriffen wurde
  • dem Krak des Chevaliers, einer ehemaligen Kreuzritterburg in der Nähe von Homs; sie wurde von Rebellen besetzt und ist deshalb regelmäßigen Artillerieangriffen ausgesetzt
  • der Oasenstadt Palmyra; ihre Ruinen wurden vom Regime zum Truppenstandort gemacht, immer wieder wird dort auch der Vorwurf von Plünderungen laut
  • Bosra, einer Stadt im Südwesten von Syrien, die unter anderem für ihr römisches Amphitheater bekannt ist

Am Montag wollen Experten in Kairo diskutieren, wie man die Zerstörung historischer Stätten in Syrien eindämmen kann. An der Tagung nehmen nach Angaben der ägyptischen Antikenverwaltung auch Diplomaten aus Kuwait, Syrien, Katar und Saudi-Arabien teil.

dab/ras/dpa/AFP/dapd/AP
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