Teilung in Syrien Der zerbrochene Staat

Assad-Getreue, Islamisten, Rebellen, Kurden - Syrien zerfällt zunehmend in verschiedene Herrschaftsbereiche. Vom Zentralstaat Assads bleibt nur wenig übrig. Eine Karte zeigt die wichtigsten Einflusszonen.
Geteiltes Syrien: Das Land entwickelt sich auseinander

Geteiltes Syrien: Das Land entwickelt sich auseinander

Foto: SPIEGEL ONLINE

Für Syrien-Reisende ist es eine Frage des Grenzübergangs. Je nachdem, welchem Checkpoint man sich bei der Einreise nähert, weht dort eine andere Flagge. Denn im dritten Jahr seit Beginn der Aufstände gegen Baschar al-Assad ist der Nationalstaat Syrien in verschiedene Machtbereiche zerfallen.

Grob lassen sich drei Regionen beschreiben:

  • Der Nordosten: Gelb-rot-grüne Flaggen wehen neben anderen Kurden-Symbolen in den hauptsächlich kurdischen Regionen.
  • Die Küstenregion und der Süden: Rot-Weiß-Schwarz herrscht in den Teilen vor, die unter Kontrolle des syrischen Regimes sind. Hin und wieder mischt sich das Gelb der libanesischen Hisbollah dazu, die an der Seite von Baschar al-Assad kämpft.
  • Der Norden: In den Rebellengebieten weht immer häufiger die islamistische schwarze Flagge mit weißem Glaubensbekenntnis, die zunehmend das Grün-Weiß-Schwarz der Rebellen der Freien Syrischen Armee verdrängt.

Es gibt keine klare Trennschärfe: Innerhalb der Regionen toben erbitterte Machtkämpfe zwischen verschiedenen Gruppen, die noch nicht entschieden sind. Eine weitere Zersplitterung in noch mehr Regionen oder Einflussgebiete verschiedener Warlords ist denkbar.

Junge Forscher aus Frankreich haben im Sommer in Feldstudien versucht, in etwa die Grenzen der verschiedenen Regionen festzustellen. Ihre Ergebnisse, die die Karte von SPIEGEL ONLINE aufgreift, haben sie hier  dargestellt.

Das Leben der Syrer entwickelt sich auseinander

Vielerorts finden sich Syrer bereits seit über eineinhalb Jahren unter verschiedenen Herrschern wieder. Ihr Leben entwickelt sich zunehmend auseinander - abhängig davon, in welcher Zone sie sich wiederfinden.

Im ganzen Land versuchen verschiedene Milizen sowie zivilgesellschaftliche Organisationen das Machtvakuum zu füllen, das durch den Kollaps der zentralstaatlichen Verwaltung entstanden ist. Jeder Fraktion will ihre Vorstellungen eines zukünftigen Syriens umzusetzen.

Bei diesem Prozess entsteht ein buntes Mosaik an Stadtstaaten: Da gibt es an Extremen den Entwurf basisdemokratischer Selbstverwaltung, radikalislamistischer Mini-Gottesstaaten, kurdischer PKK-treuer Enklaven, Teheran-höriger Gottesstaatsvarianten oder örtlicher Hisbollah-Filialen.

Fraglich ist, wie dieses Mosaik eines Tages wieder zusammenfinden könnte. Die fortgesetzte Zersplitterung des Landes hat auch politische Konsequenzen: Syriens Bürgerkrieg wird durch eine immer größere Zahl neuer, lokaler Konflikte überlagert und noch komplexer.

Der seit zwei Jahren erfolglos betriebene Versuch eine politische Lösung des Konfliktes in Genf auszuhandeln, wird dadurch nicht gerade einfacher. Je zersplitterter das Land wird, desto länger und unübersichtlicher wird der Verhandlungstisch. Den Gastgebern der Konferenz dürfte die Entscheidung zunehmend schwerer fallen, wen sie eigentlich einladen und an diesem Tisch platzieren müssen.

ras
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