Bürgerkrieg Fast die Hälfte aller Syrer ist auf der Flucht

Der Bürgerkrieg in Syrien hat Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. Das Flüchtlingshilfswerk der Uno geht davon aus, dass mittlerweile die Hälfte aller Einwohner auf der Flucht ist.
Flüchtlinge aus Syrien: Ankunft in Deutschland

Flüchtlinge aus Syrien: Ankunft in Deutschland

Foto: Swen Pförtner/ dpa

Damaskus - Die Situation der Bürgerkriegsflüchtlinge in Syrien spitzt sich offenbar zu. Laut den Vereinten Nationen sind inzwischen fast die Hälfte aller Syrer wegen der Gewalt auf der Flucht oder aus ihren Heimatorten vertrieben worden.

Das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR geht davon aus, dass drei Millionen Flüchtlinge Zuflucht im Ausland gesucht haben, davon allein eine Million innerhalb des vergangenen Jahres. 6,5 Millionen Menschen seien zudem innerhalb Syriens auf der Suche nach Sicherheit. Insgesamt hat das Land über 20 Millionen Einwohner.

"Die Krise in Syrien ist zum größten humanitären Notfall unserer Zeit geworden, aber die Welt versagt dabei, den Menschen und den Ländern, in die sie flüchten, zu helfen", sagte der Uno-Flüchtlingskommissar António Guterres. Die bisherigen Angebote reichten nicht aus. "Die bittere Wahrheit ist, es ist zu wenig", sagte Guterres. Zu den bisher gespendeten 3,1 Milliarden Euro würden zusätzlich bis Jahresende noch einmal 1,5 Milliarden Euro gebraucht, um die Flüchtlinge über den Winter zu bringen.

Über die Hälfte der Flüchtlinge sind Kinder

Laut UNHCR sind die Menschen, die über die Grenzen kommen, immer öfter total erschöpft, im Schockzustand, verängstigt und ohne Ersparnisse. Die meisten seien seit mindestens einem Jahr auf einer Odyssee von Dorf zu Dorf gewesen, bevor sie sich endgültig zur Flucht ins Ausland entschlossen haben.

Doch das Herauskommen aus dem Land wird laut Uno immer schwieriger. Die Familien müssten die Grenzposten bestechen oder Menschenschmuggler bezahlen, um in die Nachbarstaaten zu kommen. Bei mehr als der Hälfte der Betroffenen handele es sich um Kinder.

Nach Uno-Angaben leben im Libanon mittlerweile 1,1 Millionen syrische Flüchtlinge, in der Türkei 815.000, in Jordanien 600.000. Dort explodierten in einigen Regionen die Lebensmittelpreise, Brot koste mehr als zehnmal so viel wie vor einem Jahr. Die Hilfsoperation sei inzwischen das größte Projekt in der 64-jährigen Geschichte des Flüchtlingshilfswerks.

Seit sich zunächst friedliche Proteste gegen Machthaber Baschar al-Assad im Frühjahr 2011 zu einem Bürgerkrieg ausweiteten, sind in Syrien mehr als 191.000 Menschen getötet worden. In dem Land kämpfen die staatlichen Truppen gegen Rebellen wie die "Freie Syrische Armee", auch die Terrorgruppe "Islamischer Staat" ist in Syrien aktiv, begeht dort zahlreiche Gräueltaten.

bka/dpa/AFP/AP
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