Bürgerkrieg in Syrien Opposition meldet neue Luftangriffe der Assad-Armee

Die Truppen von Baschar al-Assad setzen ihre Offensive nahe Syriens Hauptstadt Damaskus fort, berichtet die Opposition. Bereits am Mittwoch bombardierte die Armee das Gebiet. Dort soll auch Giftgas eingesetzt worden sein, die Hintergründe sind noch immer unklar.

Damaskus/Istanbul - Gegner des syrischen Regimes berichten von neuen Luftangriffen auf Dörfer östlich von Damaskus. Kampfflugzeuge hätten am Morgen mehrere Ziele in Ghuta bombardiert, meldete das Scham-Nachrichtennetzwerk. Die Wohnviertel Dschobar und Samalka wurden den Aktivisten zufolge am Donnerstag mit Raketen und Granaten beschossen.

Im Bezirk Dschobar, der nur drei Kilometer vom Altstadtkern von Damaskus entfernt liegt, seien am Donnerstag auch Explosionen zu hören gewesen, die sich offenbar in Einrichtungen der Armee ereigneten, was auf einen Angriff der Rebellen hindeute.

In dem Gebiet am östlichen Stadtrand von Damaskus soll am Mittwoch ein grauenvoller Angriff stattgefunden haben: Zwischen 500 und 1300 Menschen sollen bei einer Attacke mit Giftgas gestorben sein, berichtet die Opposition. Auf Videos waren zahlreiche Leichen zu sehen, darunter viele Kinder.

Die Regierung in Damaskus verneinte entschieden, Giftgas in dem Gebiet eingesetzt zu haben. Sie bestritt aber nicht generell, dass die Armee Ziele im östlichen und südlichen Umland von Damaskus angegriffen hatte.

Bislang ist unklar, ob Machthaber Baschar al-Assad eine Überprüfung der Vorwürfe durch die Chemiewaffenexperten der Vereinten Nationen zulassen wird, die sich derzeit in Syrien aufhalten. Der Chef des Uno-Expertenteams, Åke Sellström, zeigte sich zwar zu einer Untersuchung bereit - doch die syrische Regierung will kurzfristig keinen Besuch der Experten in dem umkämpften Gebiet östlich von Damaskus erlauben. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton verlangte erneut, das Uno-Team müsse uneingeschränkten Zugang zu allen Gebieten in Syrien haben, die sie besuchen wolle.

Die Berichte hatten weltweites Entsetzen ausgelöst. Es handele sich offensichtlich um ein entsetzliches Verbrechen, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einer Veranstaltung der "Stuttgarter Zeitung". Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen forderte eine Klärung der Umstände.

Zu einer formellen Erklärung hat sich der Sicherheitsrat aber nicht durchgerungen - eine Untersuchung der Vorwürfe durch Uno-Inspektoren verlangte er nicht. Diplomaten zufolge verhinderten die ständigen Mitglieder Russland und China einen entsprechenden Vorstoß von 35 anderen Ländern, darunter USA, Frankreich und Großbritannien.

kgp/dpa
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