Krieg gegen Assad Israels Luftwaffe greift Waffenkonvoi in Syrien an

Israelische Kampfjets haben einen Waffentransport in Syrien angegriffen. Offenbar galt die Attacke einer Ladung Raketen, die für die Hisbollah im benachbarten Libanon gedacht war. Die US-Regierung lehnt ein direktes Eingreifen bisher ab, den Einsatz von Bodentruppen schließt Präsident Obama aus.

Washington/San José - Israel befürchtet, Waffen aus Syrien könnten in den Libanon gelangen. Die Regierung in Jerusalem sorgt sich insbesondere darum, dass chemische Kampfstoffe in die Hände der Hisbollah fallen könnten, die auf Seite des Regimes von Präsident Baschar al-Assad nach Angaben der Opposition verstärkt in den syrischen Bürgerkrieg eingreift.

Militärs befürchten allerdings, Angriffe auf Chemiewaffenarsenale in Syrien könnten unabsehbare Konsequenzen haben. "Man könnte genau das Desaster hervorrufen, das man zu verhindern sucht", zitierte die "New York Times" einen ranghohen israelischen Militärvertreter. Deswegen sehen viele Experten nur die Möglichkeit, durch gezielte Angriffe die Transportwege abzuschneiden, um die Verbreitung der Kampfstoffe zu verhindern.

Genau zu solch einem Angriff der israelischen Luftwaffe ist es nun offenbar erneut gekommen. Zunächst hatte es entsprechende Informationen aus US-Regierungskreisen gegeben. Am Samstag bestätigten israelische Offizielle den Luftschlag. Er habe einer Lieferung von Raketen und keinen Chemiewaffen gegolten. Die Waffen sollten nach israelischer Darstellung an die Hisbollah geliefert werden.

Luftwaffe soll Raketen nicht in syrischem Luftraum abgeschossen haben

Der Angriff fand am Freitag statt, nachdem das Sicherheitskabinett zugestimmt hatte. Wo genau die Luftwaffe angriff, wurde nicht bekannt. Laut CNN drangen die israelischen Kampfflugzeuge nicht in syrischen Luftraum ein, sondern feuerten ihre Raketen von außerhalb ab.

Das Weiße Haus und das US-Verteidigungsministerium lehnten offizielle Stellungnahmen zu dem Vorfall ab. "Wir werden alles Nötige tun, um die Lieferung von Waffen von Syrien an terroristische Organisationen zu stoppen", zitierte CNN einen israelischen Offiziellen. Man habe dies in der Vergangenheit getan und werde es, wenn nötig, auch künftig tun.

Bereits Ende Januar hatte die israelische Luftwaffe einen syrischen Lastwagenkonvoi bombardiert. Er hatte offenbar Waffen für die israelfeindliche Hisbollah geladen. US-Medien hatten zudem unter Berufung auf Washingtoner Regierungsbeamte berichtet, es sei auch ein Forschungslabor für biologische und chemische Waffen attackiert worden. Syrische Staatsmedien hatten dieser Darstellung widersprochen.

Die libanesische Armee berichtete am Freitag von Luftraumverletzungen durch israelische Jets. Kampfflugzeuge seien stundenlang über libanesischem Territorium gekreist, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur NNA unter Berufung auf eine Mitteilung des Militärs. Im Südlibanon hätten die israelischen Flugzeuge dabei auch mehrere Scheinangriffe in niedriger Höhe geflogen.

Obama lehnt Entsendung von Bodentruppen nach Syrien ab

Zur Unterstützung der Rebellen im syrischen Bürgerkrieg erwägen die USA nun Waffenlieferungen. Den Einsatz von US-Bodentruppen lehnt US-Präsident Barack Obama aber ab. Er halte dies derzeit für keine gute Lösung, weder für Syrien, noch für die USA, sagte er am Freitag (Ortszeit) bei einem Besuch in Costa Rica, wo ein zweitägiger Gipfel mit den Staatschefs Zentralamerikas und der Dominikanischen Republik begann.

Obama zufolge liegen zwar Hinweise für einen Chemiewaffeneinsatz durch das syrische Regime vor, "aber wir wissen nicht wann, wo oder wie sie eingesetzt wurden". Sollten tatsächlich "starke Beweise" für die Verwendung von Chemiewaffen durch die Staatsführung um Präsident Baschar al-Assad gefunden werden, würde dies "die Spielregeln verändern", da sie in die Hände von Organisationen wie der Hisbollah-Miliz geraten könnten.

Obama sagte, er werde als Oberbefehlshaber der US-Truppen "grundsätzlich nichts ausschließen, weil sich die Umstände ändern". Es müssten nun weitere Hinweise gesammelt und den Vereinten Nationen vorgelegt werden. Obama betonte aber, unter möglichen weiteren Maßnahmen sei keinesfalls automatisch ein Militärschlag zu verstehen. Israel und die USA sind seit längerem wegen eines möglichen Chemiewaffeneinsatzes in Syrien besorgt und wollen sich für einen solchen Fall alle Optionen offenhalten.

In Syrien herrscht ein blutiger Bürgerkrieg, der vor über zwei Jahren mit einer Revolte gegen die Regierung von Staatschef Assad begann. Nach Schätzungen der Uno wurden bereits rund 70.000 Menschen getötet.

ulz/dpa/AFP
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