Bürgerkrieg in Syrien Rebellen berichten von Kämpfen nahe Assads Heimat

Syrische Oppositionelle berichten von einer neuen Front in Syrien. Demnach nähern sich die Rebellen dem Stammsitz der Präsidentenfamilie. Assad soll bereits die Republikanische Garde in Marsch gesetzt haben.
Panzer der syrischen Armee in der Provinz Latakia: Berichte über neue Frontlinie

Panzer der syrischen Armee in der Provinz Latakia: Berichte über neue Frontlinie

Foto: Sana/ dpa

Damaskus/Istanbul - In der Heimatprovinz der Familie von Präsident Baschar al-Assad sind die Regierungstruppen bereits seit Wochen in der Defensive. Nun rücken die Rebellen offenbar immer näher an den Stammsitz des Clans heran. Das regimekritische Nachrichtenportal "all4syria" berichtete am Samstag, Assad habe deshalb jetzt Angehörige der Republikanischen Garde als Verstärkung von Damaskus in die syrische Küstenregion geschickt.

Offenbar ist auch die syrische Luftwaffe dort im Einsatz und versucht, mit Bombenangriffen ein weiteres Vorrücken der Rebellen in das Kernland der Alawiten zu stoppen. Die oppositionelle Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete am Samstag von bis zu 20 Toten bei einem Angriff auf den Ort Salma. Zehn der Toten seien Zivilisten.

Die oppositionelle Nationale Syrische Koalition verwies auf eine Erklärung der Führung der Freien Syrischen Armee, worin alle Kämpfer aufgefordert werden, die Zivilisten in dem Gebiet nicht in Gefahr zu bringen. Laut "all4syria" sind wegen des Vorrückens der Rebellen Zivilisten aus einer Ortschaft, die drei Kilometer von Assads Heimatort Kardaha entfernt liegt, in die Provinzhauptstadt Latakia geflüchtet.

Die überwiegend sunnitischen Aufständischen haben in diesem Monat mehrere Alawiten-Orte eingenommen und dabei Hunderte Menschen getötet. Die Alawiten gehören zu den Schiiten.

Zwölf Granaten für Assad

Inzwischen wurden neue Details zu dem fehlgeschlagenen Attentat auf Assad am vergangenen Donnerstag bekannt. Regimekritische Medien berichteten, Leibwächter des Präsidenten seien bei den Mörserattacken auf seinen Konvoi am Donnerstag getroffen worden. Die Website "Zaman al-Wasl" meldete, drei namentlich bekannte Offiziere würden seither im Al-Schami-Krankenhaus in Damaskus behandelt.

Anwohner in dem Innenstadtviertel, das zwischen Assads Haus und einer Moschee liegt, zu der er an dem Morgen fuhr, sagten, sie hätten insgesamt zwölf Explosionen gehört. Zumindest einige Granaten hätten ihr Ziel völlig verfehlt. Die Regierung hatte den Angriff dementiert.

Die Zahl der Toten in Syrien steigt unablässig weiter. Das Medienzentrum der Regierungsgegner in Aleppo meldete, Regierungsoldaten hätten in einem Dorf südlich der Kleinstadt Safira zwölf Menschen öffentlich hingerichtet, darunter eine Frau.

Auch in der von Rebellen gehaltenen Stadt Raka seien 13 Zivilisten, unter ihnen sieben Kinder, bei einem Hubschrauberangriff getötet worden, berichtete die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Der Angriff sei durch einen Hubschrauber erfolgt, der mehrere Sprengsätze abgeworfen habe. Etwa 30 weitere Zivilisten seien verletzt worden, zehn von ihnen schwer. Raka ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im Norden Syriens und die einzige Provinzhauptsadt im Land, die unter der Kontrolle der Rebellen ist.

Insgesamt sollen seit Beginn der Revolution im März 2011 bis jetzt 106.423 Menschen gewaltsam ums Leben gekommen sein. Das berichtet die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter. Wahrscheinlich sei die Zahl der Toten jedoch noch deutlich höher, da weder die Armee noch die Rebellen belastbare Angaben zur Zahl der Getöteten aus ihren Reihen machten. Außerdem sei unklar, wie viele Häftlinge getötet worden seien.

Nach den Recherchen der Organisation, die ihren Sitz in London hat, starben 53.851 Zivilisten, unter ihnen 5553 Kinder. Die Vereinten Nationen schätzen die Zahl der Menschen, die durch den Aufstand ums Leben gekommen sind, ebenfalls auf über 100.000.

Die Angaben aus Syrien können kaum überprüft werden, da unabhängige Journalisten nur begrenzt Zugang haben. Der Bürgerkrieg trägt Züge eines religiösen Konflikts. Die Alawiten, zu denen Assad gehört, machen zwölf Prozent der 21 Millionen Syrer aus.

Das Militär hat zusätzliche Soldaten in den Nordwesten geschickt, um ihre Gebiete zu schützen. Die Regierung kontrolliert weiter den Süden und die zentralen Teile des Landes, während die Rebellen Gebiete im Norden halten. Der Nordosten entwickelt sich zunehmend zu einem autonomen Kurdengebiet.

ler/dpa/Reuters/AFP
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