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16. September 2012, 13:49 Uhr

Bürgerkrieg

Irans Revolutionswächter geben Syrien-Einsatz zu

Iranische Elitesoldaten sind in Syrien im Einsatz. Was lange Zeit vermutet wurde, hat die Regierung in Teheran nun offiziell bestätigt. Allerdings seien die Revolutionswächter nur als Berater und Finanzhelfer tätig - doch dabei müsse es nicht bleiben.

Teheran - Erstmals hat ein hochrangiger iranischer Offizieller eingeräumt, dass Mitglieder der sogenannten Revolutionswächter in Syrien im Einsatz sind. Kommandeur Mohammad Ali Jafari sagte nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Insa auf einer Pressekonferenz, Mitglieder der Elitetruppe befänden sich in Syrien. Es handle sich aber nicht um eine militärische Präsenz.

Die Revolutionswächter seien als Berater tätig, leisteten aber auch finanzielle Hilfe, so Jafari. Iran werde Syrien aber auch direkte militärische Unterstützung anbieten, sollte das Land angegriffen werden. Wie viele Revolutionswächter sich derzeit in Syrien aufhalten, sagte der Kommandant nicht.

Es ist dennoch ein spektakuläres Eingeständnis - nachdem ausländische Beobachter und die syrische Opposition die iranische Regierung schon lange der Einmischung in Syrien bezichtigt hatten. Immer wieder hatte es Berichte über iranische Elitekämpfer im Land gegeben. Nach SPIEGEL-Informationen sollen vermutlich Revolutionswächter Ende August an einem Test von Trägersystemen für Giftgasgranaten in der syrischen Wüste teilgenommen haben.

Das zumindest legten Aussagen verschiedener Zeugen nahe. Die Tests hätten in der Nähe des Forschungszentrums für Chemiewaffen bei Safira östlich der Wirtschaftsmetropole Aleppo stattgefunden. Insgesamt fünf oder sechs der Granaten, die für chemische Kampfstoffe vorgesehen sind, seien - unbefüllt - von Panzern und Flugzeugen abgeschossen worden, auf einem Gelände namens Diraiham in der Wüste nahe dem Ort Chanasir.

Iran hat eine militärische Einmischung in Syrien stets bestritten. Diskutiert worden war das Thema auch anlässlich der Entführung von 48 Iranern in Syrien. Die Kidnapper hatten sie verschleppt, weil sie Mitglieder der Gruppe für Agenten der iranischen Revolutionswächter hielten. Die Regierung in Teheran sprach dagegen von einer Pilgergesellschaft.

Kommandeur Jafari wiederholte auf der Pressekonferenz am Sonntag auch seine bereits in der Vergangenheit geäußerten Drohungen gegen Israel. Greife das Land iranische Atomanlagen an, werde nach der iranischen Antwort "nichts mehr" von Israel übrigbleiben. Kein Flecken des Landes sei dann noch sicher. Er gehe aber nicht davon aus, dass Israel die iranischen Atomanlagen tatsächlich attackieren werde.

Im Falle eines US-Angriffs werde man die amerikanischen Militärbasen rund um den Persischen Golf mit Raketen beschießen. Deren Abwehrschilde seien nur gegen wenige anfliegende Raketen effektiv - und würden dann nicht mehr funktionieren. Außerdem werde es im Falle eines solchen Konflikts eine Blockade der für den Ölexport wichtigen Straße von Hormus geben.

chs/Reuters/AP

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