Somalia Schabab meldet Tote durch Angriff westlicher Soldaten

Westliches Militär hat in der Nacht angeblich Stellungen der Schabab-Miliz in Somalia angegriffen - es gab Tote und Verletzte, offenbar auch unter den Angreifern. Anscheinend sollte das Haus eines Anführer der Terrororganisation gestürmt werden.

Übung der Schabab-Miliz: Langjähriger Bürgerkrieg in Somalia
AP

Übung der Schabab-Miliz: Langjähriger Bürgerkrieg in Somalia


Die islamistische Schabab-Miliz hat nach eigenen Angaben einen Angriff westlicher Streitkräfte auf ihre Stellungen in Somalia abgewehrt. Mindestens sieben Islamisten sollen dabei getötet und mehrere verletzt worden sein. Auch ein britischer Kommandant sei gefallen, außerdem seien mehrere Angehörige des Special Air Service der britischen Armee verletzt worden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Schabab-Angehörige. Auch ein türkischer Soldat sei verwundet worden.

Ein Lager der Schabab in der Hafenstadt Baraawe sei in der Nacht zu Samstag attackiert worden, sagte der örtliche Schabab-Kommandeur Mohammed Abu Suleiman der Nachrichtenagentur AFP. Die kleine Hafenstadt liegt rund 180 Kilometer südlich der Hauptstadt Mogadischu und ist einer von wenigen Häfen, die in der Hand der Miliz sind.

Die mutmaßlich westlichen Angreifer seien mit einem Militärhubschrauber gekommen. Es habe im Morgengrauen einen rund zehnminütigen Schusswechsel gegeben. Einwohner berichteten von lautem Gefechtslärm in der Nacht. Nach Angaben des Schabab-Sprechers hätten die Angreifer Gewehre mit Schalldämpfern benutzt. "Die Waffen, die zu hören gewesen waren, waren unsere", sagt er.

Leibwächter getötet?

Nach Informationen aus somalischen Sicherheitskreisen zielte der Angriff auf den aus Tschetschenien stammenden Al-Shabaab-Führer Abu Diyad, auch bekannt als Abu Ciyad. Ein Geheimdienstmitarbeiter in der Hauptstadt Mogadischu sagte, die Angreifer seien französischen Soldaten gewesen. Sie hätten einen Leibwächter Abu Diyads getötet und ihn selbst verwundet.

Die französische Armee erklärte allerdings, sie habe niemanden in dem Gebiet im Einsatz. Ein anderer Informant aus Geheimdienstkreisen sagte, der Angriff sei von US-Truppen ausgeführt worden. Auch nach seiner Darstellung war das Ziel ein ausländischer Al-Shabaab-Anführer.

Man habe versucht, ausländische Soldaten als Geisel zu nehmen, sagte ein Schabab-Kämpfer, der sich Abu Mohammed nannte, laut Nachrichtenagentur AP. Die Angreifer seien aber schnell geflohen.

Nato äußert sich

Laut dem Sprecher der Schabab-Miliz landeten auch zwei Boote mit ausländischen Truppen am Strand von Baraawe. Anwohner berichteten, die Kommandos hätten das Haus eines hochrangigen Schabab-Kommandeurs stürmen wollen. Ein Kämpfer sei getötet worden. Die ausländischen Angreifer hätten Waffen zurückgelassen.

In Somalia tobt seit zwei Jahrzehnten ein Bürgerkrieg. Eine funktionierende Staatsgewalt gibt es nicht. Die Schabab-Miliz, die eine Allianz mit der Terrororganisation al-Qaida unterhält, kontrolliert Teile des Landes und verübt auch in Mogadischu immer wieder Anschläge. Vor kurzem hatte sie im kenianischen Nairobi ein Einkaufszentrum überfallen und Dutzende Menschen getötet.

Die Nato erklärte, sie sei nicht in eine Aktion in Somalia involviert. Ein Sprecher des Anti-Piraten-Einsatzes der Europäischen Union (Navfor) sagte: "Wir waren an keinerlei Operation dort beteiligt." Die kenianischen Streitkräfte, die im Süden Somalias stationiert sind, waren für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Suche nach Spionen

Kriegsschiffe von Nato-Staaten patrouillieren seit Jahren vor der somalischen Küste, um Piratenüberfälle zu verhindern und die Aktivität von Extremisten in der Region zu kontrollieren. Dabei gab es auch mehrfach Aktionen von Schiffen aus gegen Ziele an der Küste.

Im vergangenen Januar hatte eine französische Spezialeinheit versucht, eine Geisel in Somalia zu befreien. Im Januar 2012 befreiten zudem US-Elitesoldaten im Zentrum des Landes zwei Geiseln aus der Hand von Piraten. Die USA setzen auch Drohnen in der Region ein, um die Schabab-Miliz zu attackieren.

Nach der nächtlichen Operation seien am Morgen Soldaten in Baraawe von Haus zu Haus gegangen, berichtete ein Einheimischer. Sie seien auf der Suche nach Spionen gewesen, die ausländischem Militär Ziele verraten haben könnten.

boj/AFP/AP/Reuters

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Seite 1
Hermes75 05.10.2013
1.
Zitat von sysopAPWestliches Militär hat in der Nacht angeblich Stellungen der Schabab-Miliz in Somalia angegriffen - von See und aus der Luft. Anscheinend sollte das Haus eines Anführer der Terrororganisation gestürmt werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/buergerkrieg-somalia-schabab-miliz-meldet-angriff-westlichen-militaers-a-926246.html
Wahrscheinlich sind da ein paar Milizionären die Nerven durchgegangen und die haben sich ein Gefecht mit Phantomen geliefert. Nach dem feigen Anschlag in Kenia hält sich mein Mitleid mit dieser Mörderbande aber ohnehin in Grenzen.
brille000 05.10.2013
2. Westliches Militär?
Zitat von sysopAPWestliches Militär hat in der Nacht angeblich Stellungen der Schabab-Miliz in Somalia angegriffen - von See und aus der Luft. Anscheinend sollte das Haus eines Anführer der Terrororganisation gestürmt werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/buergerkrieg-somalia-schabab-miliz-meldet-angriff-westlichen-militaers-a-926246.html
Was ist bitteschön "Westliches Militär"? Da wollen sie uns doch wohl wieder einmal an der Nase herum führen. Die ganze Region voller Militär mit vielen sogenannten "Aufklärungseinheiten" und keiner von diesen Lauschern will da etwas vom Funkverkehr etc. mitgekriegt haben? Lügner!
niska 05.10.2013
3.
Zitat von sysopAPWestliches Militär hat in der Nacht angeblich Stellungen der Schabab-Miliz in Somalia angegriffen - von See und aus der Luft. Anscheinend sollte das Haus eines Anführer der Terrororganisation gestürmt werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/buergerkrieg-somalia-schabab-miliz-meldet-angriff-westlichen-militaers-a-926246.html
Da versteckt man sich zwischen unterdrückten Zivilisten und beschwert sich tatsächlich noch über - scheinbar leider schiefgelaufene - chirurgische Kommandoaktionen. Sollen doch froh sein, dass nicht einfach die Drohne oder der Marschflugkörper genommen wurde. Nach der Geiselnahme in Kenia haben diese islamistischen 'Piraten', die ein ganzes Land unter brutalstmöglicher religöser Gewaltherrschaft unterjochen, das letzte Mitleid endgültig verspielt. Es muss ein UN-Mandat her, dann erleben die ihren D-Day.
Olaf53 05.10.2013
4. Islamistisches Dogma
Ausnahmsweise werden Zeugen der Schabab zitiert, und man muss bedenken, dass die ziemliche Scheuklappen haben. Für diese Leute kommt jeder Feind aus dem Westen. Etwas anderes kann gar nicht sein. Feind ist jeder, der auf die Schabab schießt. Folglich könnte das irgendeine Gruppierung gewesen sein, der die ganze Richtung nicht passt. Davon gibt es viele... Solche Behauptungen beweisen gar nichts, und das muss auch nicht heißen, dass Soldaten der NATO beteiligt waren.
Raúl gonzales 05.10.2013
5.
Wie die meisten empfinde auch ich nicht viel positives für diese Verbrecher und bin auch der Meinung das diese Bande die unter dem Vorwand des Islams ihre Gräueltaten verübt ohne Gnade bestraft werden sollte. Allerdings bekämpft dies nicht die Ursache und ist wenig effektiv. Den Menschen vor Ort muss ein menschenwürdiges Dasein ermöglicht werden, nur so ist gewährleistet, das diese Extremisten effektiv bekämpft werden können. MfG
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