Bürgerkrieg Uno warnt vor Völkermord im Kongo

Es sind schlechte Erinnerungen, die derzeit wach werden: Die Uno hat schwere Menschenrechtsverletzungen im Kongo kritisiert und vor einem neuen Völkermord gewarnt. Afrikanische Staatschefs prangerten die Tatenlosigkeit der Organisation an.


New York/Nairobi - Mehr als 14 Jahre nach den Massakern in Ruanda wächst bei den Vereinten Nationen (Uno) die Sorge vor einem neuen Völkermord: Die Konfliktparteien im Ostkongo sollten auf alle Aktionen verzichten, die eine solche Entwicklung vorantreiben könnten, erklärte Francis Deng, Sonderberater von Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon zur Völkermord-Prävention am Freitag.

Mädchen in einem Flüchtlingslager im Kongo: Forderung nach "sofortigem Waffenstillstand"
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Mädchen in einem Flüchtlingslager im Kongo: Forderung nach "sofortigem Waffenstillstand"

Die Eskalation der Gewalt in den vergangenen Wochen sei alarmierend, hieß es in einer in New York veröffentlichten Erklärung Dengs. Wer in dieser Region ethnisch motivierte Gewalt forciere, werde zur Verantwortung gezogen. "Die Absicht, eine ethnische Bevölkerungsgruppe ganz oder teilweise zu vernichten, ist ein schweres Verbrechen", das die Staatengemeinschaft verhindern müsse.

Die Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen im Osten der Demokratischen Republik Kongo waren Ende August wieder aufgeflammt und Ende Oktober eskaliert. Auslöser war eine Offensive der Tutsi-Rebellen unter Führung des abtrünnigen Generals Laurent Nkunda. Gegner sind die Regierungstruppen im Kongo, die Mai-Mai-Miliz und Hutu-Extremisten, die nach dem Völkermord von 1994 in Ruanda und der anschließenden Machtübernahme der Tutsi in den Kongo geflohen sind.

Am Freitag forderten die Teilnehmer eines Krisengipfels in der kenianischen Hauptstadt Nairobi die Konfliktparteien zum "sofortigen Waffenstillstand" auf. An dem Gipfel nahmen unter anderen EU-Entwicklungskommissar Louis Michel und Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon teil. In der Region sind laut Uno mittlerweile mehr als eine Viertelmillion Menschen auf der Flucht.

Die Uno-Mission im Kongo (Monuc) kritisierte die schweren Menschenrechtsverletzungen im Osten des Landes. In der Stadt Kiwanja seien mehrere Zivilisten in der vergangenen Woche vorsätzlich getötet worden, teilte die Monuc am Freitagabend in Kinshasa mit. Ein Uno-Untersuchungsteam habe elf Gräber mit insgesamt mindestens 26 Leichen von Kämpfern und Zivilisten vorgefunden. Augenzeugen hätten den Uno-Mitarbeitern geschildert, dass die getöteten Zivilisten Opfer von Racheakten der Rebellen geworden seien.

Mehrere Staats- und Regierungschefs kritisierten die Uno-Friedenstruppe allerdings, weil sie es nicht vermocht habe, die Zivilbevölkerung in der Krisenregion zu schützen. Ban räumte ein, dass die 17.000 Mann starke Truppe an ihren Leistungsgrenzen angelangt sei. Während der Konferenz trafen auch die Präsidenten des Kongos und Ruandas, Joseph Kabila und Paul Kagame, zu einer fünf Minuten dauernden Begegnung zusammen. Kabila wirft Kagame vor, die Tutsi-Rebellen zu unterstützen.

Noch während der Konferenz wurden in der Nähe der Provinzhauptstadt Goma sowie in der Umgebung der Ortschaften Rutshuru und Kiwanja neue Kämpfe gemeldet. Ban dementierte Informationen, wonach Truppen aus Angola auf Seiten der Regierungstruppen in die Kämpfe bei Goma eingegriffen hätten.

sam/AP/AFP



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