Bürgermeisterwahl in Moskau Putin-Kritiker Nawalny holt starkes Ergebnis

Eine Niederlage, die sich wie ein Sieg anfühlt: Bei der Bürgermeisterwahl in Moskau hat der Anti-Korruptionskämpfer Alexej Nawalny überraschend 27 Prozent bekommen. Dem Kreml-treuen Amtsinhaber Sergej Sobjanin, der die absolute Mehrheit holte, warf Nawalny Wahlbetrug vor.
Alexej Nawalny: Der Putin-Kritiker fordert eine Stichwahl

Alexej Nawalny: Der Putin-Kritiker fordert eine Stichwahl

Foto: Sergei Ilnitsky/ dpa

Moskau - Bei der Bürgermeisterwahl in Russlands Hauptstadt hat sich der Kreml-treue Amtsinhaber Sergej Sobjanin gegen Oppositionsführer Alexej Nawalny durchgesetzt, allerdings keinen überzeugenden Sieg erzielt. Der Weggefährte von Präsident Wladimir Putin kam nach Auszählung eines Drittels der Stimmen auf rund 52 Prozent der Stimmen, wie mehrere Agenturen am Sonntagabend nach Schließung der Wahllokale meldeten. "Ich bin sicher, dass wir am Ende gewinnen werden", sagte Sobjanin am Sonntagabend vor seinen Anhängern.

Der charismatische Putin-Gegner Nawalny erreichte in der bisherigen Auszählung knapp 27 Prozent - doppelt so viel wie in Umfragen prognostiziert. Trotz der Niederlage gilt das unerwartet starke Ergebnis von Nawalny bei seiner ersten Teilnahme an einer Wahl überhaupt als Sensation. Kommentatoren sprachen von der "Geburtsstunde" eines neuen ernstzunehmenden Politikers im größten Land der Erde. "Wenn die Kreml-nahen Institute Sobjanin 52 Prozent geben, dann versteht Ihr schon, dass das 46 Prozent bedeutet", twitterte Nawalny. Der 37 Jahre alte Blogger und Anwalt forderte eine Stichwahl.

Unabhängige Wahlbeobachter beklagten Unregelmäßigkeiten. So seien Soldaten zur Stimmabgabe gezwungen worden, hieß es. Zudem hätten Kameras nicht funktioniert, mit denen mögliche Manipulationen dokumentiert werden sollten.

Nawalnys Wahlstab teilte mit, eigenen Wählerbefragungen zufolge hätten Sobjanin 46 Prozent und Nawalny 35,6 Prozent erreicht. Das würde eine Stichwahl bedeuten. Sobjanin machte dagegen die niedrige Wahlbeteiligung von 30 Prozent für das Ergebnis verantwortlich.

Oppositionskandidat liegt in Millionenstadt vorne

Der Urnengang in der größten Stadt Europas nach einem erbitterten Wahlkampf galt als wichtigste Abstimmung seit den Massenprotesten gegen Putin vor eineinhalb Jahren. Unter dem Eindruck der Demonstrationen hatte der Kreml die Wahl der Gebietsgouverneure - mit Bedingungen - wieder eingeführt. Putin hatte sie 2004 abgeschafft.

Zudem wurde die vom Kreml so bezeichnete radikale Opposition zwar nicht vollzählig, aber immerhin erstmals zugelassen. So gab es in insgesamt acht Städten und acht Gebieten Wahlen.

In der Millionenstadt Jekaterinburg lag Oppositionskandidat Jewgeni Roisman unabhängigen Wählerbefragungen zufolge vorne. Der Anti-Drogen-Kämpfer habe mit 36,9 Prozent zehn Prozentpunkte mehr erreicht als sein Gegner, teilte die Organisation Bürgerplattform mit. Die Wahlkommission sprach aber von einem Kopf-an-Kopf-Rennen.

ade/dpa
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