Bürokratie in Thailand Hunde-Import mit Hindernissen

So ist Thailand: Komplizierteste Verfahren werden mit einem Lächeln gelöst. Aber wehe, es wird ein Formular oder ein Stempel benötigt. Da läuft die Bürokratie zu großer Form auf - und macht selbst die einfachsten Anliegen zu einem Hindernis-Marathon.
Von Karl-Ludwig Günsche
Labrador-Mix Jule: Einreise nach Thailand nur mit Importlizenz

Labrador-Mix Jule: Einreise nach Thailand nur mit Importlizenz

Foto: Karl-Ludwig Günsche

Die Entscheidung ist schnell getroffen: Sieben Wochen Deutschland-Urlaub, da darf der Hund mit. Aber unser Labrador-Mix Jule braucht, wie jeder Mensch, natürlich Papiere. Deutschland verlangt für die Einreise ein amtstierärztliches Gesundheitszeugnis. Das Internet belehrt mich, dass ich das drei Tage vor Abflug bei der Quarantäne-Station im Cargo-Teil des Flughafens von Bangkok bekommen kann.

Ich bin pünktlich da. Vor mir warten ein bulliger, voll-tätowierter Amerikaner im Muskel-Shirt mit Bullterrier und zarter Thai-Freundin sowie eine Österreicherin mit argentinischem Diplomatenpass und zwei Katzen. Nach einer Stunde ist es so weit: Jule wird fotografiert, einmal solo, einmal mit mir, sie wird gewogen, gemessen, untersucht, ihr Mikrochip ausgelesen - und ich bekomme das begehrte Dokument anstandslos gegen einen geringen Obolus.

Ich frage, was ich denn in sieben Wochen tun müsse, um Jule wieder in Thailand einführen zu können. Der Veterinär drückt mir ein Schreiben in die Hand, auf dem eine User-Nummer und ein Passwort vermerkt sind. Damit, so erklärt er, brauche ich mich nur drei Tage vor dem Heimflug bei ihm anzumelden. Das sei alles ganz einfach.

Gesagt, getan. Ich melde mich auf der Internet-Seite, die er mir genannt hat, an - aber nichts passiert. Also schicke ich ihm eine E-Mail: Was muss ich tun? Die Antwort ist niederschmetternd: Er will eine Kopie meines Passes, eine Kopie des Impfausweises von Jule, Fotos des Hundes, Gewicht, Größe, Rasse, Geschlecht…

Laut Website des thailändischen Agrarministeriums benötige ich allerdings nur ein amtstierärztliches Gesundheitszeugnis der deutschen Behörden und den Impfnachweis, beim Veterinäramt in München eine Sache von zehn Minuten. Bei der Ankunft in Bangkok doch ein wenig Herzklopfen: Wird das ausreichen? Der Mitarbeiter in der Quarantäne-Station schaut sich beides gewissenhaft an, dann beginnt er zu schreiben. Mit der Hand füllt er Seite um Seite aus, jeweils mit drei Durchschriften. Meinen Hinweis, dass Jule ja schon registriert sei, und dass wir einen User-Namen und ein Passwort besitzen, nimmt er freundlich lächelnd zur Kenntnis - und schreibt weiter. Dann knallt er dicke rote Stempel auf eine Unzahl von Formularen,

  • kassiert 100 Baht (2,50 Euro)
  • schreibt eine Quittung für die gezahlte "Import Fee"
  • stellt ein "Import-Permit" aus
  • sowie eine "Import-License"

Thailänder lieben Formulare und Stempel

Die Thailänder sind unglaubliche Bürokraten. Formulare und vor allem Stempel, meist drei- oder vierfach, begleiten jeden Gang zu einer Behörde. Oft führen Vorschriften und Gesetze direkt nach Absurdistan. Beispiel: Alkoholeinkauf. In den Supermärkten weisen große Schilder in Thai und Englisch darauf hin, dass Bier, Schnaps und Wein laut Gesetz nur zwischen 11 und 14 Uhr und von 17 Uhr bis Mitternacht verkauft werden dürfen. Aber kein Gesetz ohne Ausnahme: Wer nicht zwei Flaschen Bier, sondern 20 kaufen will, nicht eine Flasche Gin, sondern 14, darf das auch zu den Sperrzeiten: Zehn Liter dürfen jederzeit verkauft werden. Den Sinn und Zweck dieses Gesetzes kann mir allerdings niemand so recht erklären. Am Kiosk um die Ecke ist das sowieso kein Problem: Dort gehen Bier und Schnaps zu jeder Tageszeit ohne Einschränkung über den Tresen - solange sich niemand drum kümmert.

Es gibt offenbar immer den offiziellen und den thailändischen Weg. Mein Nachbar musste vor kurzem seinen thailändischen Führerschein erneuern lassen. Es war eine ähnlich aufwendige Prozedur, wie die Beschaffung von Jules Reisepapieren: Eine Bestätigung seines Wohnsitzes, Passkopie, Gesundheitszeugnis, eine ausführliche Augenuntersuchung, ein Reaktionstest, Formulare, Formulare. Ein Tag ging mit An- und Abfahrt durch das Verkehrschaos in Bangkok drauf.

Seine Haushaltshilfe lächelte nur, als er entnervt von dem Aufwand berichtete. Sie hatte ihren Führerschein gerade neu bekommen. Fahrstunden hatte ihr Mann ihr gegeben. Eine Prüfung hat sie nie gemacht. Sie hat auch in keiner vermufften Amtsstube Formulare ausfüllen müssen, sie hat 500 Baht bezahlt, an der "richtigen" Stelle, am besten kurz vor Monatsende, wenn die unterbezahlten Polizisten und Beamten knapp bei Kasse sind.

So ist Thailand: Dinge, bei denen man glaubt, sie könnten nie funktionieren, sind plötzlich und unerwartet ganz einfach. Andere, scheinbar ganz einfache Sachen, können einen an den Rand eines Nervenzusammenbruches bringen, lächelnd natürlich. Denn schließlich ist Thailand das Land des Lächelns. Wer das vergisst, wenn er auf eine Behörde geht, hat schon verloren.