Buhrufe für Deutschland Wie Giuliani mit dem Olympia-Attentat 1972 Stimmung für Bush macht

Die Redner auf dem Parteitag der Republikaner in New York haben alle die gleiche Aufgabe: Sie sollen Präsident Bush als Macher und harten Kämpfer gegen den Terrorismus darstellen. Der frühere New Yorker Bürgermeister Giuliani hat dafür ganz weit im Geschichtsbuch zurückgeblättert und stieß auf das Olympia-Attentat von 1972.


New York - Mit der 32 Jahre alten Geschichte schaffte es Rudy Giuliani auf dem Wahlparteitag der Republikaner Buhrufe für Deutschland zu provozieren. Zuvor hatte der ehemalige New Yorker Bürgermeister den knapp 5000 Delegierten und Ersatzdelegierten von den Anschlägen auf das israelische Olympiateam 1972 in München berichtet. Damals hatte ein Kommando der Palästinenserorganisation "Schwarzer September" neun israelische Sportler als Geiseln genommen. Alle Geiseln wurden ermordet, nachdem ein Befreiungsversuch der deutschen Polizei fehlgeschlagen war.

Drei der damals festgenommenen Terroristen seien binnen weniger Monate von den Deutschen freigelassen worden, so Giuliani. Womit er recht hat. Wobei seine Formulierung viel harmloser klingt, als das damals gewesen ist. Denn die Aktion gehört zu den dunkelsten Kapiteln der deutschen Nachkriegsgeschichte: Am 29. Oktober 1972, nur wenige Wochen nach dem Attentat, wurde eine Lufthansa-Maschine auf dem Flug von Beirut nach Frankfurt entführt. Die Kidnapper verlangten die Freilassung der drei überlebenden Terroristen von München.

In großer Eile und ohne sich mit Israel zu beraten, entsprach die Bundesregierung dieser Forderung. Seitdem wird darüber spekuliert, dass sich die Bundesregierung damals erpressen ließ und einen Deal mit den Palästinensern einging, um weitere Anschläge in Deutschland zu verhindern. Als Verdachtsmoment dafür, dass die Flugzeugentführung nur fingiert war, gilt vor allem, dass sich verdächtig wenige Passagiere und unter ihnen weder Frauen noch Kinder an Bord der entführten Maschine befanden.

Mit dem Beispiel aus Deutschland wollte der Ex-Bürgermeister verdeutlichen, dass es Terrorismus schon seit langer Zeit gebe - erst jetzt aber sei auf Grund des Schocks über die Anschläge vom 11. September 2001 und dank der Entschlossenheit von US-Präsident George W. Bush der Kampf dagegen offensiv aufgenommen worden.



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