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Ukrainischer Protestführer Bulatow "Sie haben mich jede Stunde gefoltert"

Acht Tage hat das Martyrium des Ukrainers Dmitro Bulatow gedauert, nun gab der gefolterte Oppositionspolitiker seine erste Pressekonferenz in Litauen. Dabei nannte er erstmals Details seiner Folterhaft.

Vilnius - Nahezu stündlich sei er von seinen Peinigern geschlagen und gefoltert worden. Das sagte Dmitro Bulatow, mutmaßliches Entführungsopfer und ukrainischer Oppositioneller, am Donnerstag bei seiner ersten Pressekonferenz nach seiner Freilassung in Litauen. "Sie haben mich auf den Boden gelegt, ich musste einen nassen Lappen in den Mund nehmen. Dann schlugen sie mich, bis ich zu würgen anfing," erklärte Bulatow laut der Nachrichtenagentur Interfax.

Bulatow war in der vergangenen Woche in Kiew mit schweren Schnittwunden im Gesicht und einem abgetrennten Ohr aufgefunden worden. Seit dem 22. Januar wurde der Oppositionelle vermisst. Er wisse nicht, wer ihn verschleppt habe, sagte Bulatow, er sei jedoch von mindestens zwei Menschen gefoltert worden. Die Entführer hätten mit russischem Akzent gesprochen. Nach seiner Freilassung reiste er am Wochenende nach Litauen aus.

"Es gab nur fauliges Wasser"

Der eigentliche Grund der Entführung ist auch Bulatow selbst bislang unklar. Angeblich wollten seine Peiniger wissen, wer hinter den Protesten in der Ukraine stehe und sie finanziere. Bulatow weiter: "Sie zwangen mich, vor der Kamera zuzugeben, dass ich ein amerikanischen Spion sei und für die CIA arbeite. Ich erzählte ihnen Lügen, damit sie aufhören, mich zu foltern. So gestand ich auch, von dem amerikanischen Botschafter Geld bekommen zu haben, um die Demonstrationen anzustacheln."

Zu Essen bekam der Aktivist nur wenig: "Einmal habe ich Schinken bekommen, am nächsten Tag eine Scheibe Brot. Es gab nur fauliges Wasser." Um den tagelangen Folterungen ein Ende zu setzen, habe Bulatow seine Peiniger sogar angefleht, ihn zu töten.

Bulatow erklärte gegenüber den Medienvertretern, dass er nicht in die Ukraine zurückkehren werde, solange "die Regierung vor der internationalen Gemeinschaft nicht garantieren kann, dass ich nicht politisch verfolgt werde".

Bulatow gilt als einer der führende Köpfe der wochenlangen Demonstrationen in Kiew. Mit der Gruppe "Automaidan" hatte er sich an mehreren Autokorsos beteiligt, die zu den Wohnsitzen ukrainischer Spitzenpolitiker führten.

cth/Reuters
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