Bulgarien Parwanow erneut zum Präsidenten gewählt

Der bulgarische Präsident Georgi Parwanow ist ersten Hochrechnungen zufolge im Amt bestätigt worden. Der 49-Jährige hat die Stichwahl demnach mit großer Mehrheit gewonnen. Die Wahlbeteiligung lag jedoch bei nur 35 Prozent.


Sofia - Parwanow hat ersten Hochrechnungen zufolge die Präsidentschaftswahl klar gewonnen. Dem Institut NCIOM zufolge kam der 49-jährige Sozialist auf 80 Prozent der Stimmen, sein ultranationalistischer Herausforderer Wolen Siderow erreichte demnach nur 20 Prozent. Bereits vor Schließung der Wahllokale um 19 Uhr Ortszeit (18 Uhr MEZ) hatten mehrere Meinungsforschungsinstitute Parwanow einen "nicht umkehrbaren" Vorsprung bescheinigt.

Bulgariens Präsident Parwanow: Sieger der Stichwahl
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Bulgariens Präsident Parwanow: Sieger der Stichwahl

Bereits beim ersten Durchgang vor einer Woche hatte sich der populäre Präsident mit 64 Prozent der Stimmen klar gegen seinen Widersacher durchgesetzt, der mit rassistischen und anti-europäischen Äußerungen auf Stimmenfang gegangen war und 21,5 Prozent der Wähler auf sich vereinen konnte.

Wegen der niedrigen Wahlbeteiligung von 42,5 Prozent wurde jedoch eine Stichwahl nötig. Hier lag die Wahlbeteiligung nur bei etwa 35 Prozent. Mit dem Fernbleiben von den Wahlurnen haben viele Bürger vor allem gegen Alltagsprobleme protestiert.

Parwanow gehört zu den beliebtesten Politikern des Landes, das im Januar der Europäischen Union beitritt. Der Präsident wird in Bulgarien für fünf Jahre gewählt; maximal zwei aufeinanderfolgende Amtszeiten sind möglich. Obwohl er auch Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist, sind seine Aufgaben vor allem repräsentativer Natur.

Parwanow dürfte sich insbesondere mit seinem Eintreten für eine Öffnung des osteuropäischen Landes, die Verdienste um das Ansehen Bulgariens im Ausland wie auch den Beitritt zur Nato vor zwei Jahren eine zweite Amtszeit sichern. Trotz des kräftigen Wirtschaftswachstums von in diesem Jahr voraussichtlich sechs Prozent liegen die nominalen Löhne im Schnitt bei lediglich 160 Euro im Monat - das Land mit 7,8 Millionen Menschen wird damit nach seinem Beitritt das ärmste Land der EU sein. Die Kaufkraft ist heute geringer als vor dem Zusammenbruch des Kommunismus im Jahr 1989.

Siderows relativ starkes Abschneiden in der ersten Wahlrunde hatte den Präsidenten in die Defensive gedrängt. Parwanow musste sich gegen Kritik verteidigen, darin gescheitert zu sein, die Regierungen zu einer Bekämpfung von Armut, Korruption und organisiertem Verbrechen gedrängt zu haben.

Mbe/AFP/rtr



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