Bulgarien Regierungspartei unterliegt bei Präsidentschaftswahl

Überraschung bei der Präsidentschaftswahl im EU-Land Bulgarien: Der Oppositionskandidat Rumen Radew hat die erste Runde für sich entschieden. Radew will die Sanktionen der EU gegen Russland aufheben.

Bulgarischer Sozialist Rumen Radew
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Bulgarischer Sozialist Rumen Radew


Bei der Präsidentschaftswahl in Bulgarien hat der russlandfreundliche Kandidat Rumen Radew die erste Wahlrunde gewonnen - und die Regierungspartei Gerb in eine Krise gestürzt. Der Kandidat der oppositionellen Sozialisten lag ersten Prognosen zufolge vor der Kandidatin der bürgerlichen Gerb, Zezka Zatschewa.

Für Radew hätten zwischen 24 und 26,7 Prozent der Wähler gestimmt, teilten mehrere Meinungsforschungsinstitute bulgarischen Medien mit. Zatschewa erhielt demnach zwischen 22,5 und 23,5 Prozent. Da beide Kandidaten klar die absolute Mehrheit verfehlten, kommt es nun am 13. November zur Stichwahl.

Regierungschef hatte mit Rücktritt gedroht

Radew hatte im Wahlkampf vor allem auf seine Forderung nach besseren Beziehungen zu Moskau gesetzt. Der 53-Jährige sprach sich unter anderem für die Aufhebung der EU-Sanktionen gegen Russland aus. Zatschewa wiederum vertrat die Linie von Regierungschef Bojko Borissow mit seiner Anbindung an EU und Nato. Dieser hatte vor dem Urnengang gedroht, er werde zurücktreten und vorgezogene Parlamentswahlen ansetzen, wenn seine Kandidatin im ersten Durchgang nicht gewinnen sollte.

Borissow selbst hatte die Präsidentschaftswahl zum Stimmungstest für seine Gerb-Partei erklärt. Er hatte seine von heftigen Protesten gegen Korruption überschattete erste Amtszeit Anfang 2013 mit einem Rücktritt beendet, wurde jedoch Ende 2014 wiedergewählt. Unter seiner Minderheitsregierung hat sich das südosteuropäische Land politisch stabilisiert.

Sollte der Ministerpräsident nun wirklich vorgezogene Parlamentswahlen ansetzen, würde dies den armen EU-Staat erneut in eine unsichere Lage stürzen. Eigentlich läuft Borissows Mandat noch bis 2018. Mit dem neuen Präsidenten wird Bulgarien den EU-Ratsvorsitz am 1. Januar 2018 übernehmen.

sep/dpa/AFP



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