"Interventionspolitik" BND warnt vor Saudi-Arabien

Deutsche Geheimdienstler kritisieren die politische Rolle Saudi-Arabiens. Das Land wirke zunehmend destabilisierend in der arabischen Welt, schreibt der BND in einer Analyse.
Mohammed bin Salman: Unmut anderer Königshausmitglieder

Mohammed bin Salman: Unmut anderer Königshausmitglieder

Foto: HO/ AFP

Der Bundesnachrichtendienst (BND) warnt vor einer destabilisierenden Rolle Saudi-Arabiens in der arabischen Welt. "Die bisherige vorsichtige diplomatische Haltung der älteren Führungsmitglieder der Königsfamilie wird durch eine impulsive Interventionspolitik ersetzt", heißt es in einer Analyse des deutschen Auslandsnachrichtendienstes.

Vor allem die Rolle des neuen Verteidigungsministers und Sohns von König Salman, Mohammed bin Salman, sieht der deutsche Auslandsgeheimdienst kritisch. Die wirtschafts- und außenpolitische Machtkonzentration auf den Vizekronprinzen "birgt latent die Gefahr, dass er bei dem Versuch, sich zu Lebzeiten seines Vaters in der Thronfolge zu etablieren, überreizt". Mit teuren Maßnahmen oder Reformen könne er den Unmut anderer Königshausmitglieder und der Bevölkerung auf sich ziehen. Zudem bestehe die Gefahr, dass er "die Beziehungen zu befreundeten und vor allem alliierten Staaten der Region überstrapaziert".

König Salman und sein Sohn Mohammed wollten sich als "Anführer der arabischen Welt profilieren", schreiben die BND-Analysten. Sie versuchten, die außenpolitische Agenda Saudi-Arabiens "mit einer starken militärischen Komponente sowie neuen regionalen Allianzen zu erweitern".

Weniger Vertrauen in die USA

In der Analyse geht es um die Lage Saudi-Arabiens als "sunnitische Regionalmacht im Spannungsfeld zwischen außenpolitischem Paradigmenwechsel und innenpolitischer Konsolidierung" auch in Konkurrenz zu Iran.

Das Vertrauen in die USA als Schutz- und Ordnungsmacht in der Region gehe zurück, schreibt der BND. Das sei ein wesentlicher Grund für den regionalen Machtkampf mit Iran. Dabei werde das Verhältnis Riads zu Teheran "durch eine hohe, von wechselseitigem Misstrauen und religiös-ideologischer Feindschaft verstärkte" Bedrohungswahrnehmung geprägt. Die strategische Rivalität beider Länder wirke sich massiv in der Region aus. Die Staaten versuchten vor allem in Syrien, Libanon, Bahrain und im Irak Einfluss zu nehmen.

Mit seinem Militäreinsatz im Jemen wolle Saudi-Arabien beweisen, dass es bereit sei, beispiellose "militärische, finanzielle und politische Risiken einzugehen, um regionalpolitisch nicht ins Hintertreffen zu geraten", analysiert der BND. Das Land beteiligt sich seit Ende März an einer internationalen Koalition zur Unterstützung der jemenitischen Regierung gegen Rebellen - und fliegt auch Luftangriffe im Jemen.

Saudi-Arabien wolle vor allem das syrische Regime von Präsident Baschar al-Assad absetzen, schreibt der BND. Dadurch soll der Einfluss Irans und die Unterstützung Syriens für die schiitische Hisbollah aus dem Libanon zurückgedrängt werden.

kev/dpa