Fotostrecke

Daniela Schadt: First Lady in Afrika

Foto: Getty Images

Gauck-Partnerin Daniela Schadt Natürlich First Lady

Daniela Schadt kommt ganz gut ohne Tamtam aus: Die Partnerin von Joachim Gauck prägt ein anderes Bild des "First Lady"-Jobs als ihre Vorgängerin. Bei einem Äthiopien-Besuch sind die Gastgeber von ihr begeistert - von kleinen Irritationen abgesehen.

Er kann es nicht fassen. "Sie ist nicht verheiratet mit dem Präsidenten?" Der Mann im weißen Kittel schaut der deutschen First Lady und ihrem kleinen Tross ungläubig hinterher. "Und sie schlafen in einem Zimmer?"

Daniela Schadt wird in der kommenden Stunde viele neue Fans auf dem Gelände des Unicef-Projekts Agoheld in Addis Abeba gewinnen, aber diesen jungen Äthiopier hat sie jetzt erst mal schockiert. Dass Joachim Gauck und seine Partnerin keinen Trauschein haben, lässt den Röntgenassistenten der Agoheld-Gesundheitsstation verstört zurück.

Schadt, 53, und Gauck, den sie "mein Mann" nennt, sind seit 1999 ein Paar. Daniela Schadt hat einiges aufgeben müssen, als sie vor einem Jahr durch die Wahl Gaucks aus dem Berufsleben als Innenpolitik-Chefin der "Nürnberger Zeitung" gerissen wurde. Eben noch eine eigene Karriere, plötzlich First Lady. Heiraten wird sie den Bundespräsidenten nicht, jedenfalls gebe es keine entsprechenden Planungen, teilte sie neulich in einem ihrer seltenen Interviews mit.

Schadt erdet den Präsidenten

Den Kindern von Agoheld ist der formale Beziehungsstatus ihres hohen Gastes sowieso egal. "We love you", singen sie ihr einstudiertes Lied in einem fort. Mehr als 400 Waisenkinder leben hier im Armenviertel Aba Koran, dazu gibt es auf dem Gelände unter anderem einen Kindergarten, eine Schule und die Gesundheitsstation. Abebech Gobena hat das Waisenhaus Anfang der Achtziger gegründet, man nennt sie inzwischen die "Mutter Teresa Afrikas", jetzt ist die Gründerin eine alte Dame und geht am Stock. Schadt hat sie gleich nach der Begrüßung an die Hand genommen, jetzt gehen die beiden gemeinsam über staubigen Grund von einem Gebäude zum nächsten.

"Sonderprogramm" nennt man das auf Präsidentenreisen, wenn die First Lady etwas ohne das Staatsoberhaupt unternimmt. Joachim Gauck trifft sich gerade mit Vertretern der äthiopischen Religionsgemeinschaften, seine Partnerin hat derweil im Klassenzimmer 7 von Agoheld neben einigen Schülerinnen Platz genommen. Die kichern und tuscheln, Schadt hat ihre Freude daran.

Die First Lady redet und lacht gerne. Bei Empfängen bleibt sie oft hinter dem Präsidenten zurück, ins Gespräch vertieft, Gauck amüsiert sich dann über die "eigene Kommunikationskultur von Frau Schadt". Die holt "den Jochen" dafür bei Gelegenheit von seinem hohen Bedeutungsross. "Wider den Weihrauch" schrieb der SPIEGEL als Titel über ein Schadt-Porträt - weil sie den ersten Mann im Staat erdet, wenn es nötig ist.

First Lady in der U-Bahn

Schadt ist gerne Präsidentenpartnerin, auch wenn sie das Leben an der Seite eines Politikers erst lernen musste. Was sie sich in Nürnberg vom Redaktionsschreibtisch aus anlas, kann sie jetzt erleben. Afrika zum Beispiel.

Aber sie ist eben immer die Nummer zwei. Manchmal auch einfach nur Beiwerk. Das ist gut zu beobachten zum Abschluss des Äthiopien-Besuchs. Zwar haben der Bundespräsident  und Daniela Schadt am Dienstagabend zum Empfang im großen Ballsaal des Sheraton-Hotels gebeten, so steht es in der Einladung. Aber dann steht Schadt 25 Minuten einfach nur daneben, während der Präsident am Rednerpult salbungsvolle Worte spricht. Sie trägt ein rosafarbenes Kostüm, lächelt, bleibt immer aufmerksam. Doch allein präsidiales Ausstellungsstück will diese Frau nicht sein.

Schadt interpretiert die Rolle der First Lady auf ihre Weise. Klar, die Schirmherrschaften von Müttergenesungswerk, Unicef sowie der Kinder- und Jugendstiftung hat sie von ihren Vorgängerinnen übernommen. Aber sie will auf dem Boden bleiben. Wenn ihr eine Bierflasche umfällt, wie am Montagabend im Sheraton, dann springt sie auf und wischt den See mit ein paar Servietten selbst auf. Und unerkannt mit der Berliner U-Bahn fahren, das will Schadt auch weiterhin. Bettina Wulff hätte es wohl nicht einmal bis zum Gleis geschafft, da wären die ersten Paparazzi aufgetaucht.

Im Waisenhaus von Oma Gobena in Addis Abeba sind auch ein paar Fotografen dabei. Sie bekommen ein paar hübsche Bilder der First Lady nebst Kindern. Aber ein Spiel macht Schadt daraus nicht. Dafür ist ihr die Sache zu wichtig.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.