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Logistische Unterstützung Deutschland will Frankreich in Mali helfen

Gedacht ist an den Einsatz von Sanitätern und Transportfliegern: Die Bundesregierung hat überraschend schnell militärische Hilfe für den Kampfeinsatz französischer Truppen in Mali zugesagt. Man lasse den Partner "in dieser schwierigen Situation" nicht allein, sagte ein Sprecher.

Berlin/Bamako - Frankreichs Militär kämpft mit Hunderten Soldaten in Mali gegen islamistische Rebellen - jetzt denkt die Bundesregierung über logistische Hilfe nach. Innerhalb der Bundesregierung, so ein Sprecher des Auswärtigen Amts, wurde vereinbart, schnellstmöglich Optionen zu prüfen. Allerdings sollen keine deutschen Kampftruppen nach Mali entsandt werden. Möglich erscheint laut dem Sprecher deutsche Unterstützung mit Transportfliegern aber auch durch die Entsendung von Sanitätern.

Andreas Peschke, Sprecher des Auswärtigen Amts, erklärte am Montag in Berlin, dass Deutschland Frankreich "in dieser schwierigen Situation" nicht alleinlasse.

Innerhalb der Bundesregierung hat es über die Unterstützung bereits konkrete Abstimmungen gegeben. So verabredeten Außenminister Guido Westerwelle und sein Kollege Thomas de Maizière, möglichst rasch Kontakt zu den französischen Partnern aufzunehmen und beim dortigen Militär Unterstützung anzubieten. Mehrere andere Länder, darunter die USA und Großbritannien, haben Frankreich bereits kurz nach dem Start der Mali-Operation Hilfe zugesagt. Deutschland will nun offenbar nicht außen vor bleiben, wenn es um die Intervention geht.

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Krieg gegen Islamisten: Kampfjets über Mali

Foto: AFP/ ECPAD

Berlin kündigte zudem mehr Tempo bei einer lange geplanten Ausbildungsmission für das malische Militär an. Seit Monaten ist beschlossen, dass 200 europäische Trainer nach Mali entsandt werden sollen, um das marode Militär dort auszubilden. Westerwelle drängt nun, dass die Planungen forciert werden, er würde eine Sondersitzung der EU-Außenminister begrüßen, erklärte sein Sprecher. Eigentlich sollten die Planungen erst in den kommenden Monaten abgeschlossen werden, so der AA-Sprecher, nun solle dies in den kommenden Wochen passieren.

Die Grünen begrüßten den französischen Militäreinsatz, kritisierten jedoch die Haltung der Bundesregierung. "Ich würde von einem Außenminister gerne einmal hören, was geht, und nicht nur, was alles nicht geht", sagte Fraktionschef Jürgen Trittin SPIEGEL ONLINE. "Deutschland sollte Anfragen seiner Partner oder der EU für Unterstützung - zum Beispiel im Bereich der Logistik oder bei der Ausbildung - konstruktiv prüfen."

In Mali selber weitete sich die Kampfzone am Montag aus. Schon in der Nacht waren Kämpfer der islamistischen Rebellen in den Ort Diabaly, 400 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bamako und mehrere Stunden westlich von den bisherigen Auseinandersetzungen bei Mopti, einmarschiert und hatten sich heftige Kämpfe mit dem malischen Militär geliefert. Am Montag kamen die Franzosen den Maliern schließlich aus der Luft zu Hilfe und bombardierten Rebellenstellungen in der Stadt. Gleichwohl soll es weiterhin Kämpfe in der Stadt nahe der mauretanischen Grenze geben.

Der Vorstoß wurde von den Islamisten umgehend als Gegenoffensive nach der französischen Intervention deklariert. Er erschien aber eher wie ein Versuch der Rebellen, den Konflikt mit den militärisch weit überlegenen französischen Kräften entlang der Hunderte Kilometer langen Grenze zwischen dem von ihnen kontrollierten Gebiet und dem Rest von Mali auseinanderzuziehen. Bisher haben die Franzosen kaum mit Bodentruppen gegen die Rebellen agiert und sich auf die gezielte Angriffe aus der Luft beschränkt.

Mit den jüngsten Bombardements gehen die französischen Streitkräfte nun auch gegen Stützpunkte der Islamisten im Zentrum Malis vor. Noch bis Sonntagabend waren ausnahmslos Rebellenstellungen in nördlichen Regionen des Landes angegriffen worden.

Nato begrüßt Einsatz

Die Nato begrüßte den französischen Militäreinsatz gegen islamistische Kämpfer, plant aber keine Unterstützung der Mission. "Frankreich hat schnell gehandelt, um die Offensive der terroristischen Gruppen in Mali zurückzudrängen", sagte Nato-Sprecherin Oana Lungescu am Montag in Brüssel. "Wir hoffen, dass diese Anstrengungen helfen, die Rechtsstaatlichkeit in Mali wieder herzustellen und die Bedrohung durch terroristische Gruppen zu verringern." Die Allianz selbst sei aber nicht in den Konflikt involviert, sagte die Sprecherin. Darüber gebe es in der Allianz auch weder eine Diskussion, noch habe die Nato eine Bitte um Unterstützung erhalten.

Die bedrängten Islamisten drohten derweil in einer Erklärung mit Vergeltung für die französischen Luftangriffe. Sie würden "Frankreich ins Herz" treffen, erklärte ein Vertreter der islamistischen Organisation Mujao ("Bewegung für die Einheit und den Dschihad in Westafrika") laut einem Bericht der Zeitung "Le Monde."

Die Intervention Frankreichs in Mali soll nach dem Willen der Regierung in Paris von kurzer Dauer sein. Der Einsatz zeigt Regierungsvertretern zufolge bereits Erfolge. Die Intervention sei "eine Frage von Wochen", sagte Außenminister Laurent Fabius am Sonntagabend vor französischen Medienvertretern. Zugleich lobte er die internationale Unterstützung für sein Land. Unter anderem nannte Fabius Großbritannien, Dänemark, "andere europäische Länder" und die USA. Der Minister rechtfertigte den Militäreinsatz: "Frankreich musste dringend eingreifen, sonst gäbe es Mali nicht mehr, dafür aber einen terroristischen Staat."

Am Montagabend will sich der Weltsicherheitsrat in New York auf Antrag Frankreichs in einer Sondersitzung mit der Lage in dem westafrikanischen Krisenland befassen.

Der Norden Malis ist seit März 2012 in der Hand der Extremisten, die dort eine strenge Auslegung der Scharia eingeführt haben. Immer wieder gab es Berichte über schwere Menschenrechtsverletzungen. Zudem haben die Islamisten mehrere Heiligtümer in der historischen Stadt Timbuktu zerstört.

mgb/hen/vme/dpa/dapd/Reuters
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