Türkei Bundesregierung sieht Nato-Reisen nach Konya als Übergangslösung

Wochenlang stritten Ankara und Berlin über den Truppenbesuch deutscher Politiker in Konya. Nun konnten Abgeordnete mithilfe der Nato zu der Militärbasis reisen.

In Konya stationierte Awacs-Flugzeuge
imago/ StockTrek Images

In Konya stationierte Awacs-Flugzeuge


Im Juli sagte die Türkei überraschend einen Besuch deutscher Abgeordneter auf dem Luftwaffenstützpunkt Konya ab - und verschob ihn auf unbestimmte Zeit. Schließlich fand sich doch noch ein Kompromiss, mit dem die Bundestagsabgeordneten nun in die Türkei reisen und die deutschen Soldaten besuchen konnten. Der Truppenbesuch findet offiziell unter Führung der Nato statt. Die Bundesregierung sucht allerdings nach anderen Optionen.

Mit dem politischen und diplomatischen Aufwand sei das "natürlich keine dauerhaft tragfähige Lösung", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts. Man müsse andere Möglichkeiten finden, die "politisch etwas geschmeidiger sind als das was wir in den letzten Monaten erlebt haben". Die neue Bundesregierung werde dieses Thema nach den Wahlen sicherlich in Angriff nehmen, hieß es aus dem Auswärtigen Amt.

Nach monatelangem Streit mit der Türkei erreichten die Bundestagsabgeordneten am Freitagmittag die Nato-Basis. Das meldete die türkische Nachrichtenagentur DHA.

Die Parlamentarier wollen sich in Konya ein Bild von den Einsatzbedingungen machen. Die sieben Abgeordneten aller Fraktionen durften aber nicht in Eigenregie reisen - der dreistündige Besuch des Stützpunkts erfolgt unter Leitung der Nato.

Von Konya aus starten die Aufklärungsflugzeuge der Nato zu Einsätzen im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat".

Als Konsequenz aus dem Streit mit der Regierung in Ankara um verweigerte Abgeordnetenbesuche bei Bundeswehrsoldaten auf dem türkischen Stützpunkt Incirlik hatte die Bundesregierung zuvor bereits das dortige Bundeswehr-Kontingent nach Jordanien verlegt. Die Nato hatte sich deshalb zuletzt intensiv um Vermittlung zwischen der Türkei und Deutschland bemüht.

mho/dpa

insgesamt 7 Beiträge
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rainer_daeschler 08.09.2017
1. Alles bestens!
Klappt ja doch mit den Besuchen der Bundeswehrsoldaten in der Türkei. Die Bundesregierung muss nur immer eine stellvertretende Nato-Generalsekretärin finden, welche die reiselustigen Bundestagsabgeordneten dazu an die Hand nimmt. Und eine Vorteil hat es ja. So lange Erdoğan hier die Bundesregierung dann regelmäßig demütigen kann, verzichtet er vielleicht darauf sich andere Gelegenheiten einfallen zu lassen.
Darjaan 08.09.2017
2.
Welch absurdes Theater. Das ist so, als wenn ich einem Freund beim Renovieren hülfe und er meine Frau die mal kurz vorbei schauen möchte, nicht herein ließe. Ich würde direkt meine Sachen packen und verschwinden. Juristisch gesehen sabotiert die Türkei die Nato damit schon, und das in Form eines MIssbrauchs zur Durchsetzung anderer Interessen. Das ist dermaßen starker Tobak, dass es einer der größten Skandale ist, dass man die Türkei längst nicht schon aus der Nato rausgeschmissen hat. Die Türkei gefährdet die Sicherheit, Planungsstabilität und damit den Auftrag und den ureigensten Sinn der Nato. Es ist unglaublich dass ein Mitgliedstaat, der dieses Bündnis offen und missbräuchlich attackiert und zersetzt, noch Mitglied sein kann.
syssifus 08.09.2017
3. Da fehlen
nur noch so Parolen wie westliche Werte und Vebündeter,wobei die Frage erlaubt sei : wofür und wogegen ?
wstcker 08.09.2017
4. Völlig überflüssig
In meiner Zeit bei der E3A fand nie ein Besuch irgendwelcher Politiker in Konya oder anderen Einsatzorten statt. Die jetzigen Bestrebungen sind m. E. reine Provokation.
brohltaler 08.09.2017
5.
Zitat von wstckerIn meiner Zeit bei der E3A fand nie ein Besuch irgendwelcher Politiker in Konya oder anderen Einsatzorten statt. Die jetzigen Bestrebungen sind m. E. reine Provokation.
Und was genau könnte am Wunsch, deutsche Soldaten im Ausland zu besuchen, provozierend sein.
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