Ausstellung in Teheran Bundesregierung verurteilt Holocaust-Karikaturen in Iran

In Teheran findet derzeit ein Wettbewerb für Holocaust-Karikaturen statt. Das Auswärtige Amt kritisiert die Ausstellung mit 150 Arbeiten ungewöhnlich scharf.

Besucher in Teheraner Holocaust-Ausstellung
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Besucher in Teheraner Holocaust-Ausstellung


Das Tor des Konzentrationslagers Auschwitz mit der Losung "Arbeit macht frei" vor dem Felsendom in Jerusalem, ein orthodoxer Jude der einen Eimer in den palästinensischen Farben voller Blut ausschüttet. Das sind zwei von rund 150 Zeichnungen, die derzeit in einer Karikaturenausstellung zum Holocaust in Teheran zu sehen sind. Zeichner aus 50 Ländern nehmen an dem Israel-feindlichen Wettbewerb teil, der bis zum 30. Mai in der iranischen Hauptstadt läuft.

Die Bundesregierung hat die Ausstellung ungewöhnlich scharf verurteilt: "Die Ermordung von sechs Millionen Männern, Frauen und Kindern während des Holocausts, für den wir Deutsche Schuld und Verantwortung tragen, darf nicht der Lächerlichkeit preisgegeben werden", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Zudem beklagte er, dass eine solche Ausstellung "Hass sät und die Gräben in der Region nur vertieft". In Berlin herrsche großes Unverständnis für den Bilderwettbewerb.

Der Organisator der Ausstellung, Massoud Shojai Tabatabai, sagte bei der Eröffnung am Wochenende, es gehe Iran nicht darum, die Verbrechen der Nazis an den Juden zu leugnen oder die Opfer des Holocausts lächerlich zu machen. Er behauptete aber, dass "die Verbrechen des zionistischen Regimes in Gaza und Palästina" den Verbrechen der Nazis an den Juden gleichkämen.

Es ist bereits der dritte Wettbewerb dieser Art in Iran nach 2006 und 2015. Der Gewinner erhält ein Preisgeld von umgerechnet rund 10.000 Euro. Irans Außenminister Mohammad Dschawad Sarif betonte in der vergangenen Woche, dass seine Regierung den Karikaturenwettbewerb weder organisiere noch unterstütze. Der Organisator habe keinerlei Verbindung zur Regierung in Teheran.

syd/dpa



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