Erwartungen an die Bundestagswahl Die Welt schaut auf Deutschland

Italien rätselt, Brüssel bangt, China setzt auf "Mo Ke Er" (na, raten Sie mal): Die Bundestagswahl wird international genau beobachtet. SPIEGEL-Korrespondenten haben weltweit Stimmen zusammengetragen.

AP; AFP (2); Getty Images (3); Reuters (10)


Inhaltsverzeichnis

  1. USA: Hoffentlich bleibt alles beim Alten
  2. Frankreich: Déja-vu - das kennen wir doch schon
  3. Österreich: Das soll Wahlkampf sein?
  4. Großbritannien: Ein Machtwort, please
  5. EU: Brüssel bangt vor der FDP
  6. Italien: Typisch deutsch - total öde
  7. Polen: Hoffen auf die milde Kanzlerin
  8. Türkei: Bloß kein Kanzler Schulz
  9. Südamerika: Die AfD wird kritisch beäugt
  10. Afrika: Merkel - für immer
  11. China: Alles schaut auf "Mo Ke Er"
  12. Russland: Merkel wird man eh nicht los
  13. Australien: Martin … wer?
  14. Indien: Merkel = Made in Germany
  15. Südkorea: So wie einst Willy Brandt

1. USA: Hoffentlich bleibt alles beim Alten

Gut möglich, dass die deutsche Wahl mehr Aufmerksamkeit erfahren würde, wenn mehr Dramatik im Spiel wäre. Doch da dies erkennbar nicht der Fall ist, hält sich das Interesse in Grenzen.

Angela Merkels Herausforderer Martin Schulz ist allenfalls einem Fachpublikum bekannt, es gibt einige Pflichtberichte über den Wahlkampf und über den Aufstieg der AfD - das war es dann aber auch.

Die Regierung hält sich naturgemäß mit offiziellen Stellungnahmen zur Wahl zurück. Und auch der sonst so redselige Präsident schweigt (zumindest bislang) zu diesem Thema. Hinter vorgehaltener Hand machen sowohl Regierungsvertreter als auch oppositionelle Demokraten derweil keinen Hehl daraus, dass sie beim wichtigen Verbündeten Deutschland auf Kontinuität und Stabilität setzen. Das bedeutet für sie: Angela Merkel bleibt Kanzlerin, die SPD ihr Junior-Koalitionspartner.

Auch wenn Donald Trump und Angela Merkel keine großen Freunde sind, so gilt die Kanzlerin bei vielen seinen Beratern im Weißen Haus doch als zuverlässige Partnerin, die man nicht missen möchte. Außenminister Rex Tillerson wiederum hat sich gerade an seinen deutschen Kollegen Sigmar Gabriel gewöhnt, er würde sicherlich gerne weiterhin mit ihm zusammenarbeiten.

Sicher ist aber auch: Sollte die AfD am Sonntag ein starkes Ergebnis einfahren und die Regierungsbildung schwierig werden, dürfte auch in Amerika das Interesse an der Wahl schlagartig zunehmen. Und viele werden sich fragen: Was ist denn in Deutschland los?

Roland Nelles

2. Frankreich: Déja-vu - das kennen wir doch schon

Für die konfliktgewohnten Franzosen ist der Wahlkampf beim Nachbarn ein einzigartiges Phänomen: "Wenn eine Kampagne mit dem Slogan antritt 'Für ein Deutschland in dem wir gut und gern leben' - dann ist klar, dass das Haus nicht gerade in Flammen steht", wundert sich die Journalistin Fabienne Sintès vom Radio "France-Inter" über Angela Merkels „tristen Wahlkampf“. Das Gefühl von Déja-vu bestimmt - umso mehr, je deutlicher der Sieg von Kanzlerin Merkel vorhergesagt wird. Journalisten, Wissenschaftler und germanophile Franzosen sehen mit einer Mischung aus Neid und Verblüffung auf eine Kampagne, die keine ist - jedenfalls gemessen am eigenen, Affären-lastigen Wahlkampf.

Mehr noch überrascht, dass SPD-Herausforderer Martin Schulz kontroverse Themen wie etwa Armut (Deutschland 17 Prozent, Frankreich 14 Prozent) vermied und sich gegenüber der Kanzlerin auf eine Strategie höflicher Argumente festgelegt hat. Damit gerät die deutsche Wahl zur Pflichtübung "ohne Alternative", meint Mediapart enttäuscht: "Er wird mit der Wiederwahl von Angela Merkel enden und damit mit dem Erhalt des Status quo - für Deutschland und Europa."

Stefan Simons

3. Österreich: Das soll Wahlkampf sein?

Mit Spannung blickt man aus Österreich nach Deutschland, denn hier stehen drei Wochen später, am 15. Oktober, Wahlen an. Und auch in Österreich hat bisher eine große Koalition regiert, allerdings stellen die Sozialdemokraten den Kanzler.

Anders als in Deutschland herrschte in Österreich keineswegs großkoalitionäre Harmonie, im Gegenteil: Man bekämpfte sich, wann immer es ging. Mitunter fragte man sich, ob SPÖ und ÖVP wirklich gemeinsam regieren.

Den deutschen Wahlkampf beobachtet man im südlichen Nachbarland mit Erstaunen: Langweilig sei er, geradezu einschläfernd, kommentieren österreichische Zeitungen. Anders als im eigenen Land, in dem es in diesen Tagen zum Teil derb zugeht, gebe es in Deutschland gar keinen richtigen Streit. Auch nimmt man die Parallele zur Kenntnis, dass in beiden Ländern die Sozialdemokraten mit großen Hoffnungen in den Wahlkampf gestartet seien, nun aber ins Hintertreffen geraten seien.

Weniger aufgeregt sieht man in Österreich den Aufstieg der AfD. Hier sind die Rechtspopulisten mit der FPÖ schon seit Jahrzehnten im Parlament vertreten, waren schon mal an der Regierung und sind es vielleicht mit der nächsten Wahl wieder. Drittstärkste Kraft werden sie in Österreich auf jeden Fall - wenn nicht noch stärker.

Hasnain Kazim

4. Großbritannien: Ein Machtwort, please

Es ist ja nicht so, dass die Briten überhaupt noch viel von irgendwem in Europa erwarten. Sie wollen raus - full stop. Und das liegt für viele vor allem an diesem arroganten Zwergstaatler Juncker, der das Ex-Empire ständig mit verbalen Boshaftigkeiten piesackt, absurde Rechnungen auftischt und kaum verhehlt, dass er einen Brexit will, der die Briten empfindlich schmerzt. Weil die wacklige Regierung von Theresa May es sich umgekehrt nicht leisten kann nachzugeben, rasen Brüssel und London gerade aufeinander zu. Ein Totalschaden ist möglich.

Die Klügeren unter den britischen Spitzenpolitikern hoffen nun auf einen Schlichter, jemanden mit gutem Willen und Autorität. Jemanden wie eine deutsche Kanzlerin - oder zur Not auch einen deutschen Kanzler. In den Fluren von Westminster trifft man dieser Tage häufiger Menschen, die auf ein deutsches Machtwort bauen. Wenn Berlin nach der Bundestagswahl endlich verlauten lasse, dass es eine einvernehmliche Lösung des Brexit-Disputs wünsche, dann, so die Hoffnung, werde auch der freche Juncker irgendwann verstummen.

Jörg Schindler

5. EU: Brüssel bangt vor der FDP

Wenn in Brüssel die Sprache auf die Bundestagswahl kommt, geht es meist um die K-Frage. Allerdings fragt sich kaum jemand, wer Kanzler wird - ein erneuter Sieg Angela Merkels gilt als nahezu sicher -, sondern mit wem sie koaliert. Schneidet die SPD mit Martin Schulz allzu schlecht ab, könnte die FDP in die Regierung einziehen. "Dann bin ich erledigt", soll etwa Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gesagt haben.

Angesichts der aktuellen Stärke der EU träumt nicht nur Macron von einer entschlossenen Weiterentwicklung der EU mit eigenem Budget, eigenem Finanzminister, gemeinsamer Einlagensicherung und einer weniger strengen Haushaltspolitik gegenüber den südlichen Ländern. FDP-Chef Christian Lindner aber hat zuletzt im SPIEGEL und anderswo betont, dass es derartiges mit ihm nicht geben wird.

Die Frage, die in Brüssel viele umtreibt, lautet deshalb: Wer wird Deutschlands Finanzminister? Amtsinhaber Wolfgang Schäuble, der insbesondere in Griechenland das zweifelhafte Image des herrischen deutschen Finanz-Zuchtmeisters genießt, hat angesichts eines potentiellen Nachfolgers namens Lindner plötzlich selbst in Südeuropa viel von seinem Schrecken verloren.

Markus Becker

6. Italien: Typisch deutsch - total öde

Noch sei nicht entschieden, was der 24. September bringen werde, schrieb der Berliner Korrespondent der konservativen Zeitung "Corriere della Sera" Ende August. Drei Tage später gab auch er Martin Schulz verloren. Beim TV-Duell habe der "seine wahrscheinlich letzte Chance" verspielt. Andere Kommentatoren moserten da schon lange über den "typisch deutschen Wahlkampf", "fahl und ohne Spannung".

Den meisten Italienern ist es absolut egal, wer die Wahl gewinnt. Weder müssen sie fürchten, wie in Frankreich, dass Rechtsradikale die Macht erringen. Noch können sie einem wie Emmanuel Macron die Daumen drücken. Und Angela Merkel ist längst nicht mehr die böse Frau, die Europa unter die Berliner Knute bringen will, die sie vor ein paar Jahren noch bei vielen Italienern war.

Hans-Jürgen Schlamp

7. Polen: Hoffen auf die milde Kanzlerin

Von Angela Merkel ist überliefert, dass sie einige Brocken Polnisch spricht: "Nie ma jajek", "Es gibt keine Eier" ist so ein Satz, den die Kanzlerin noch in DDR-Zeiten aufgeschnappt hat.

Aber es ist mehr als ostalgisches Solidaritätsgefühl, dass Merkel für die meisten Polen zur ersten Wahl macht. Sie genießt schon lange einen guten Ruf: konservativ, deutsch gründlich und im Auftreten zurückhaltend. Das hatte sich nur kurzfristig 2015 einmal geändert, als sie die Grenzen für Flüchtlinge öffnete. Merkel, so die Lesart, habe damit nicht auf den Ansturm reagiert, sondern ihn erst hervorgerufen.

Ein Gipfeltreffen mit der polnischen Premierministerin Beata Szydlo im Frühjahr 2017 verlief dann schon wieder verblüffend harmonisch. Heute traut man Merkel nicht nur in Polen, sondern auch in anderen osteuropäischen Ländern zu, die den Deutschen zugefallene hegemoniale Rolle in der EU mit Milde zu füllen.

Martin Schulz dagegen gilt als typischer Vertreter des besserwisserischen Deutschen: links, elitär, unkritisch pro-europäisch, einer der gnadenlos über Polens jüngste Entwicklung zu Gericht sitzt. Hatte er doch von einer "Putinisierung" des Landes gewarnt

Jan Puhl

8. Türkei: Bloß kein Kanzler Schulz

Für Präsident Erdogan macht es fast keinen Unterschied, wer die Wahl gewinnt. Er betrachtet Union, SPD und Grüne als "Feinde der Türkei" und hat seine Landsleute in Deutschland dazu aufgerufen, diese Parteien zu boykottieren.

Die Türken verfolgen die Bundestagswahl trotzdem gebannt. Das liegt zum einen daran, dass beide Staaten durch die rund drei Millionen Bürger türkischer Herkunft in Deutschland seit jeher eng verbunden sind. Zum anderen durchleben Deutschland und die Türkei gerade eine schwere Beziehungskrise.

Erdogan hat Bundespolitiker zuletzt als "Nazis" beschimpft und deutsche Staatsbürger als Geiseln genommen - darunter die Journalisten Deniz Yücel und Mesale Tolu. Umgekehrt haben sich deutsche Politiker im Wahlkampf darum bemüht, auf größtmöglichen Abstand zum Autokraten aus Ankara zu gehen.

Eine Fortsetzung der Großen Koalition mit Merkel als Kanzlerin ist wohl trotzdem das Beste, worauf Erdogan hoffen kann. Denn mit Martin Schulz als Regierungschef würde Deutschland wohl noch härter gegenüber der Türkei auftreten. Besonders pikant wäre eine Regierungsbeteiligung der Grünen. Parteichef Cem Özdemir gilt Ankara als Staatsfeind. Es ist kaum vorstellbar, dass Erdogan ihn als Minister empfangen würde.

Maximilian Popp

9. Südamerika: Die AfD wird kritisch beäugt

Argentinien ist das Land in Lateinamerika, das sich am stärksten mit der Bundestagswahl beschäftigt. Neben der ewigen Kanzlerin bewegt die Zeitungen der Aufschwung der Rechten, vor allem die AfD. Ausführlich berichtete die Tageszeitung "Clarín" über den Satz von Spitzenkandidat Alexander Gauland, man müsse einen Schlussstrich unter die Nazi-Vergangenheit ziehen. Darüber hinaus schreibt die Deutschland-Korrespondentin der Zeitung, wie ungleich sich das Land in den vergangenen Jahren entwickelt habe. Dem produktiven und wirtschaftlich starken Süden mit Bayern und Baden-Württemberg stehe das triste Ruhrgebiet gegenüber.

In Brasilien widmen die großen Zeitungen des Landes "O Globo" und "Folha de São Paulo" der Wahl lange Artikel. "O Globo" schreibt eine Art Porträt von Angela Merkel, wie aus dem unterschätzten Mädchen aus dem Osten die mächtigste Politikerin Europas wurde. "Folha de São Paulo" beschäftigt sich schon mit den Folgen des Sieges von Merkel, der dazu führen werde, dass die deutsch-französische Achse gestärkt werde.

In Mexiko spielt die Wahl in den Medien kaum eine Rolle. Die Tageszeitung "Reforma" immerhin befragte in Deutschland wohnende Mexikaner, was sie von Merkel halten. Deutschland sei ein Land, das große konservative Dynastien liebe, was man an den Kanzlerschaften von Kohl und Adenauer sehen könne, heißt es da. Merkel setze diese Tradition fort. Kritisch merken die Mexikaner an, dass die Kanzlerin vor allem reagiere, anstatt zu agieren. Das sei gewissermaßen ihr Markenzeichen.

Klaus Ehringfeld

10. Afrika: Merkel - für immer

Wahlen in Deutschland? Das interessiert die Afrikaner ungefähr so brennend wie das berühmte Fahrrad, das irgendwo in China umfällt. Im Gegensatz dazu ist der Brexit ein großes Thema, vor allem in anglofonen Ländern, denn man befürchtet wirtschaftliche Nachteile. Aber der Bundestag? Fehlanzeige. Nur eine Person wird in Afrika oft erwähnt und stets gepriesen - die Bundeskanzlerin. "Einen schönen Gruß an Angela, wir kommen!" sagte mir neulich ein arbeitsloser Mann in Kamerun.

Und in Ländern wie Eritrea, Senegal oder Niger, wo viele afrikanische Migranten herkommen, hörte ich oft eine Liebeserklärung: "We love Angie!" Warum? "Weil sie ein großes Herz hat und Afrikaner aufnimmt." Man könnte fast sagen: Kein Ausländer, von Lionel Messi abgesehen, genießt in Afrika ein höheres Ansehen. Und deswegen lautet die unausgesprochene Kollektivbotschaft zur Wahl: Angie möge Bundeskanzlerin bleiben. Für immer.

Bartholomäus Grill

11. China: Alles schaut auf "Mo Ke Er"

Die Chinesen betrachten deutsche Innenpolitik mit derselben Distanz wie die Deutschen die chinesische, das gilt auch vor der Wahl: Soweit sie berichten, konzentriert sich das Interesse der Medien auf den erwarteten Merkel-Sieg (chinesisch "Mo Ke Er"). Die Kanzlerin hat China seit ihrer ersten Wahl 2005 neun Mal besucht, öfter als jeder andere westliche Regierungschef. Sie personifiziert Deutschland für die Mehrheit der Chinesen: Berechenbarkeit, Stabilität und gelegentlich eine Ermahnung Pekings, die Menschenrechte einzuhalten.

Stabilität ist für Chinas Führer mehr als eine Tugend, es ist eine Obsession. Entsprechend skeptisch blicken sie auf Wahlen und Volksabstimmungen im Westen. Brexit und Trump haben sie in dieser Skepsis bestärkt. Die Tendenz der Deutschen, ihre Kanzler mehrfach wieder zu wählen, ist ihnen dagegen sehr sympathisch.

Bernhard Zand

12. Russland: Merkel wird man eh nicht los

Kurz nach der Amtseinführung von US-Präsident Donald Trump ließ Dimitrij Kisseljow dem Foto der Bundeskanzlerin noch den Stempel "abgelaufen" verpassen. Merkel mit ihrer wertegeleiten Politik sei aus der "politischen Mode" gekommen, behauptete der Chef des weltweit tätigen staatlichen Propaganda-Unternehmens Rossija Sewodnja. Deutschland und Europa hätten sich mit all den Flüchtlingen aus dem Nahen Osten und Afrika verrannt. Schuld daran: Merkel. Die mische in der Ukraine nur mit, so Kisseljow, weil sie die Lebensraumpolitik der Deutschen fortsetzen wolle. Hitler-Vokabular, meint der das ernst? Ja.

Für Russland ist die Europäische Union vor allem Deutschland. Was Berlin wolle, passiere auch in Brüssel, so die Gleichung vieler Russen. Wenn also Sanktionen gegen Russland gelockert werden sollen, dann hängt diese Frage insbesondere von Merkel ab. Für die russische Machtelite ist die Kanzlerin es, die im Wesentlichen für die frostigen Beziehungen zu Russland verantwortlich ist.

Doch Merkel wird man nicht los, da sind sich alle Beobachter einig. Deshalb hält man sich nun in den Staatsmedien mit Kritik zurück. Bei solch einem klaren Ausgang, scheint die Wahl für mögliche Einmischungen vor denen auch der russische Geheimdienstexperte Andrej Soldatow warnte, bisher wenig attraktiv.

Christina Hebel

13. Australien: Martin … wer?

Es passiert nicht oft, dass sich die Australier für deutsche Innenpolitik interessieren. In den vergangenen Jahren gab es genau ein Thema, das die Menschen hier verfolgt haben: die Flüchtlingskrise. Schließlich hat das Land seine eigene. Die Regierung in Canberra steht wegen ihrer restriktiven Flüchtlingspolitik in der Kritik, es gibt immer wieder Streit über den richtigen Umgang mit Bootsflüchtlingen und Asylbewerbern.

Doch die Hochzeit der deutschen Flüchtlingskrise ist vorbei - und damit auch das Interesse der Australier dahin. Die Wahl im September? "Über das Ergebnis werden wir sicher berichten, aber im Moment ist das kein Thema, das die Menschen hier beschäftigt", sagt Paul Mulvey, Nachrichtenchef der Australian Associated Press.

Deutschland ist extrem weg, die deutsche Gemeinschaft in Australien klein, und der Ausgang hat hier keinerlei Konsequenzen. Zudem gehen sie im Land ohnehin davon aus, dass Angela Merkel die Wahl gewinnt. Von Martin Schulz hat kaum ein Australier je gehört.

Anna-Lena Roth

14. Indien: Merkel = Made in Germany

Wenn in Indien über die Wahl gesprochen wird, dann meistens auf diese Weise: Kann sie es noch einmal schaffen? Angela Merkel ist hierzulande bekannt. Und auch wenn ihre Entscheidung so viele Flüchtlinge ins Land zu lassen bei manchen skeptisch gesehen wird - viele Inder bewundern Merkel: Dass unter ihrer Führung ein so kleines Land so viel produziert? Dass eine Politikerin Donald Trump die Stirn bietet?

Merkel steht für Made-In-Germany-Qualitäten: Nichts, was einem vom Hocker haut, aber solide und verlässlich ist. Eben eine, die den in Indiens Augen chaotischen Laden namens EU zusammenhält. Und Martin Schulz? Den Namen kennt hier kaum einer. Die Stimmung lässt sich am besten als höfliches Desinteresse beschreiben. Das ist nicht böse gemeint. Aber es geht einfach um zu wenig.

Sollte der nächste Kanzler Schulz heißen - für Indien würde sich wahrscheinlich wenig verändern. Die deutsch-indischen Beziehungen kreisen um die Themen Handel, wirtschaftliche Zusammenarbeit und Klimaschutz - alles Dinge, die auch die Sozialdemokraten interessieren.

Laura Höflinger

15. Südkorea: So wie einst Willy Brandt

Die Südkoreaner reden dieser Tage viel über andere Staaten, aber kaum über Deutschland und die Bundestagswahl. Angesichts der aktuellen Spannungen mit Nordkorea blicken sie auf die USA, China, Russland, Japan.

Gleichwohl spielt auch Deutschland stets eine gewisse Rolle in der südkoreanischen Debatte, wenn auch nur indirekt: Mit Bewunderung und auch Neid denken die Südkoreaner daran, wie die Deutschen einst ihre nationale Teilung überwanden.

Dabei wissen die meisten Südkoreaner, dass sich das ferne Deutschland kaum eignet als Modell für eine Wiedervereinigung mit dem verfeindeten Norden: Denn anders als die beiden Koreas führten die Deutschen in West und Ost nie Krieg gegeneinander. Die Wohlstandslücke zwischen der DDR und der reichen BRD klaffte weniger extrem als jene zwischen Nord- und Südkorea. Die Ostdeutschen kannten den Alltag jenseits des Eisernen Vorhangs aus dem Westfernsehen. Dagegen leben die meisten Nordkoreaner isoliert, Welten entfernt vom kapitalistischen Süden.

Zwar orientiert sich der im Mai gewählte südkoreanische Präsident Moon Jae In an der deutschen Ostpolitik. Wie einst Willy Brandt plädiert er für Wandel durch Annäherung. Im Juli wählte er bewusst Berlin, um in einer Rede Signale der Entspannung Richtung Pjöngjang zu senden. Er sagte: "Ich will Frieden auf der koreanischen Halbinsel verankern."

Wieland Wagner

Autoren: Korrespondenten, Reporter und Autoren des SPIEGEL und von SPIEGEL ONLINE

Redaktion: Johannes Korge

Schlussredaktion: Sebastian Hofer

Produktion: Katja Braun, Guido Grigat

Layout: Katja Braun, Hanz Sayami

Programmierung: Guido Grigat, Frank Kalinowski, Chris Kurt

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