Bundeswehr Ausbildungseinheit liefert sich schwere Gefechte mit Taliban

Kaum im Einsatz, geriet die neue Ausbildungseinheit der Bundeswehr bei Kunduz in ein stundenlanges Gefecht mit Aufständischen. Nach heftigen Angriffen auf die deutsch-afghanische Einheit feuerten die Deutschen eine Rakete in das Versteck der Taliban.
Von Matthias Gebauer und Shoib Najafizada
Deutsche und afghanische Soldaten: "Partnering" bedeutet neue Gefahren

Deutsche und afghanische Soldaten: "Partnering" bedeutet neue Gefahren

Foto: FABRIZIO BENSCH/ REUTERS

Kabul - Gleich zu Beginn der sogenannten Partnering-Mission der Bundeswehr zur Ausbildung der afghanischen Armee sind deutsche und afghanische Soldaten nahe Kunduz in ein heftiges Gefecht verwickelt worden. Taliban griffen die gemischte Einheit am frühen Samstagmorgen mehrmals mit Maschinengewehren und Panzerfäusten an. Dabei wurden nach Angaben der Schutztruppe Isaf mindestens drei Taliban getötet.

Begonnen hatten die Kämpfe gegen 2 Uhr Ortszeit, als die Taliban einen Konvoi von afghanischen und deutschen Einheiten mit AK-47 und Raketen von verschiedenen Positionen angriffen. Durch die Feuerkraft der Deutschen konnte der Angriff zurückgeschlagen werden. Kurz darauf fand die Einheit in einem Gehöft Hinweise darauf, dass sich dort zuvor mehrere Dutzend Kämpfer versteckt gehalten hatten. Laut dem afghanischen Polizeichef des Distrikts Chahar Darreh waren sie jedoch inzwischen geflohen.

Kurze Zeit später wurde die Einheit erneut angegriffen, auch diesmal setzten die Taliban neben Maschinengewehren Raketen ein. Laut afghanischen Angaben waren die Kämpfe heftig und dauerten rund zwei Stunden. Demnach wurde dabei ein Kommandeur der Taliban durch Schüsse getötet, afghanische und deutsche Soldaten wurden nicht verletzt.

Der Polizeichef der Region sagte, es seien die heftigsten Kämpfe seit Wochen gewesen. "Ohne die Deutschen hätten wir den Angriff nicht zurückschlagen können", sagte Polizeichef Mahayoddin später.

Mit "Milan"-Rakete gegen Taliban-Stellung

Eine aus dem deutschen Camp gelenkte "Luna"-Drohne, die aus der Luft gestochen scharfe Bilder ins Feldlager senden kann, entdeckte schließlich das Gehöft, von dem die Raketen kamen. Wenig später schossen die deutschen Einheiten eine "Milan"-Rakete auf das Haus ab. Dabei wurden nach Angaben des Hauptquartiers der Schutztruppe Isaf zwei weitere Taliban getötet. Die ferngelenkte Rakete mit großer Reichweite ist wegen ihrer Treffgenauigkeit bei der Bundeswehr beliebt.

Bundeswehr

Die teilte auf ihrer Internetseite lediglich mit, die Einheit sei am Morgen "mit Hand- und Panzerabwehrwaffen angegriffen" worden. Tatsächlich aber erscheint das Gefecht als eines der schwersten der jüngsten Vergangenheit. Vor allem aber illustrieren die Kämpfe, wie gefährlich das neue Ausbildungskonzept der Bundeswehr tatsächlich ist. Im Nato-Jargon als Partnering bezeichnet, wird die Bundeswehr mit zwei jeweils 800 Mann starken Einheiten die afghanische Armee in der Praxis trainieren. Dieses Training findet während laufender Operationen statt.

Eine brandgefährliche Operation

Richtig begonnen hat die Mission noch nicht. Erst ab Oktober sollen in Kunduz und Masar-i-Sharif beide Ausbildungstruppen voll einsatzfähig sein. Bereits im Frühjahr 2010 hatte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) eingestanden, dass diese neue Mission der Bundeswehr durchaus mehr Gefahren mit sich bringen wird. Im Raum Kunduz können die Deutschen bereits seit Wochen beobachten, was das Partnering bedeutet, da die USA dort gemeinsam mit den Afghanen operieren. Bei mehreren Einsätzen gab es zahlreiche amerikanische Schwerverletzte.

In Berlin hatten vergangene Woche bereits Äußerungen des Chefs der Einheit für Nervosität gesorgt. Zwar war die Geschichte auf der Seite eins der US-Zeitung "Wall Street Journal", die unter der Schlagzeile "Deutsche Offensive will Sicherheit und Ansehen zurückgewinnen", etwas zugespitzt, doch im Kern beschrieb sie treffend die neue Ausrichtung der Bundeswehr. Was die Politik als Ausbildungsoffensive für die Afghanen verkauft, die dann die Sicherheit in Kunduz garantieren soll, ist in Wirklichkeit eine brandgefährliche Operation.

In der Story des "WSJ" bestätigte der Kommandeur der Ausbildungseinheit, dass das Partnering mit den Afghanen einen deutlich aggressiveren Charakter als die bisherigen Patrouillen der Bundeswehr bedeutet. Statt wie bisher meist nach Ein-Tages-Patrouillen ins Lager zurückzukehren, wird die Trainingseinheit der Bundeswehr in Zukunft mit den Afghanen in kleinen Basen übernachten und so freilich auch häufiger ins Visier der Taliban geraten. Schon jetzt gibt es zudem Sorgen unter den Offizieren, wie sehr man sich auf die Afghanen verlassen kann.

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