Bundeswehr im Kosovo Guttenberg stellt Teilabzug in Aussicht

Heimkehr auf Raten: Verteidigungsminister Guttenberg hält einen schrittweisen Abzug der deutschen Soldaten aus dem Kosovo für möglich. Bei seinem Antrittsbesuch lobte er Erfolge bei der Normalisierung der Situation, stellte aber auch Forderungen an die lokale Politik.

DDP

Aus Pristina berichtet


Pristina - Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat bei einem Kurzbesuch im Kosovo Hoffnung auf einen schrittweisen Abzug der Bundeswehr gemacht. Zwar wollte sich der Minister nicht auf einen Zeitpunkt festlegen, grundsätzlich sei aber eine Reduzierung des deutschen Kontingents von rund 1500 Bundeswehrsoldaten möglich.

Guttenberg betonte nach politischen Gesprächen in der Hauptstadt Pristina jedoch, dass Deutschland beim Abzug nur gemeinsam mit der Nato agieren werden. Es gelte das Prinzip "gemeinsam rein, gemeinsam raus".

Ein möglicher erster Schritt für den Abzug soll eventuell schon im Herbst von der Nato beschlossen werden. Wie viele Deutsche dann auch abgezogen werden können, steht jedoch noch nicht fest. Dennoch sind nach Angaben von Offizieren alle Nato-Länder der Meinung, dass eine Reduzierung möglich ist. Die von der Nato geführten Truppen, die sogenannte Kfor-Einheiten, sind gegenwärtig noch mit etwa 10.000 Soldaten im Kosovo präsent, 1500 davon stellt die Bundeswehr.

Guttenberg bekräftigte die europäische Perspektive für das erst vor zwei Jahren unabhängig geworden Balkanland. Hoffnung auf einen schnellen EU-Beitritt des Kosovo wollte Guttenberg jedoch nicht wecken. So steht weiterhin ein Urteil des Internationalen Gerichtshofs über den Status des Kosovo aus. Serbien beansprucht das Gebiet noch immer für sich und hatte die Unabhängigkeit des Kosovo vor der internationalen Kammer angezweifelt. Mit einer Entscheidung wird jedoch nicht vor Herbst oder gar Winter 2010 gerechnet.

Die Mission im Kosovo ist der zweitgrößte Auslandseinsatz der Bundeswehr nach der Herkules-Aufgabe Afghanistan. Bereits in den letzten Monaten wurde das Kontingent um 700 Soldaten reduziert.

Grundsätzlich hat sich die Nato im Kosovo vorgenommen, ethnische Spannungen zwischen den verschiedenen Nationalitäten und Religionen zu verhindern. Der deutsche Kfor-Kommandeur Markus Bentler sagte kürzlich zu diesem Auftrag, er sei so gut wie erfüllt.

Auch wenn die ethnischen Auseinandersetzungen abgeflaut sind, steht das Land noch immer vor riesigen Herausforderungen. Trotz internationaler Hilfe und der Militärpräsenz hat sich bisher keine eigenständige Wirtschaft entwickelt. So besitzt das Land weder Bodenschätze noch einen Industriesektor oder gar einen Dienstleistungssektor.

Exportiert wird zumeist ausschließlich die Arbeitskraft der Kosovaren, die in ganz Europa als Gastarbeiter tätig sind. Zwar fließen ihre Löhne zurück in den Kosovo, doch wirtschaftlich bewegt dieses Kapital wenig.

Bei allem Optimismus über die Lage in dem Land wollte auch Guttenberg nicht verhehlen, dass es noch große Aufgaben zu bewältigen gibt. Wie in Afghanistan konzentrieren sich die internationalen Truppen mittlerweile voll auf die Ausbildung der lokalen Sicherheitskräfte. Diese Einheiten sollen in Zukunft die Sicherheitsaufgaben im Kosovo übernehmen.

Zu unterschätzen ist die Lage im Kosovo allerdings nicht. Auch wenn der Kommandeur grundsätzlich optimistisch ist, verschweigt er nicht die Risiken. Ein einziges Ereignis könne ausreichen, so Bentler, um die Gewalt wieder aufflammen zu lassen.



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