SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

27. August 2008, 10:01 Uhr

Bundeswehr in Afghanistan

Deutscher Soldat bei Anschlag getötet

Sie fuhren Patrouille - da ging der Sprengsatz hoch: Ein Bundeswehrsoldat ist nahe der nordafghanischen Stadt Kunduz bei einem Anschlag ums Leben gekommen. Mindestens drei Kameraden wurden verletzt.

Kabul - Die Nachrichtenagenturen AP und dpa berichteten unter Verweis auf gut unterrichtete Quellen in Afghanistan, der deutsche Soldat sei nach einem Anschlag im nordafghanischen Kunduz am Mittwoch an seinen Verletzungen gestorben. Die anderen drei Bundeswehrangehörigen seien leicht verletzt worden. Sie wurden nach dpa-Informationen zum größten deutschen Stützpunkt im nordafghanischen Masar-i-Scharif geflogen.

Das "Westfalen-Blatt" berichtete unter Berufung auf einen eigenen Korrespondenten in der Nähe des Anschlagsortes, der getötete Fallschirmjäger sei aus dem rheinland-pfälzischen Zweibrücken. Die Zeitung schrieb auf ihrer Internet-Seite von vier verletzten Soldaten.

Die Bundeswehr bestätigte den Tod des Soldaten zunächst nicht. Das Einsatzführungskommando in Potsdam erklärte offiziell lediglich, dass es drei Verletzte gegeben haben soll, davon zwei leicht verletzt und einer schwer.

Die Patrouille war dem Vernehmen nach am Mittwoch rund sechs Kilometer südlich von Kunduz in eine Sprengfalle geraten. Teil der gepanzerten Patrouille war ein Beweglicher Arzttrupp, der die Opfer sofort versorgte.

Der Gouverneur der Provinz Kunduz, Mohammad Omar, teilte mit, ein gepanzertes Fahrzeug der Bundeswehr sei im Distrikt Chardara mit einem ferngezündeten Sprengsatz angegriffen worden. Er machte die Taliban und das Terrornetz al-Qaida für den Anschlag verantwortlich.

Es handelt sich bereits um den dritten Anschlag im August. Vor drei Wochen waren in der Region drei deutsche Soldaten bei einem Anschlag verletzt worden, zwei davon lebensbedrohlich. Zu dieser Tat hatten sich die Taliban bekannt. Vor einer Woche war eine Patrouille in der Nähe von Feisabad angegriffen worden. Bei dem darauffolgenden Schusswechsel wurde einer der Angreifer verwundet. Er erlag später seinen Verletzungen.

Bei einem Selbstmordanschlag im Mai 2007 waren in Kunduz drei Bundeswehrsoldaten und acht afghanische Zivilisten getötet worden. Der Bundestag entscheidet Anfang Oktober über eine Verlängerung des Bundeswehrmandats in Afghanistan. Die Bundeswehr ist im Rahmen der Isaf-Mission für die Sicherheit in Nordafghanistan zuständig.

Die Sicherheitslage am Hindukusch hat sich in diesem Jahr erneut verschärft. Besonders Angriffe mit Sprengfallen haben weiter zugenommen. Im vergangenen Mai kamen in Afghanistan erstmals mehr ausländische Soldaten ums Leben als im Irak. Insgesamt wurden nach Angaben von Hilfsorganisationen bei Kämpfen und Anschlägen in Afghanistan in diesem Jahr mehr als 3000 Menschen getötet, darunter etwa tausend Zivilisten.

asc/phw/AP/dpa/ddp

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung