Bundeswehr in Afghanistan Gefährlicher Einsatz für Jahre

Verteidigungsminister Peter Struck hält den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan für "sehr gefährlich." Deutsche Soldaten würden dennoch für mehrere Jahre dort stationiert. Im Gegenzug soll das deutsche Engagement auf dem Balkan reduziert werden.


Afghanistan: Deutsche Hilfe
AP

Afghanistan: Deutsche Hilfe

Berlin/Kabul - Die Bundeswehr bleibt nach Einschätzung von Verteidigungsminister Peter Struck noch mehrere Jahre am Hindukusch. Der Ausbau des deutschen Engagements, das zunächst auch das nordafghanische Kunduz umfassen soll, sei aber nur möglich, wenn die Präsenz deutscher Streitkräfte auf dem Balkan ausgedünnt werde, erklärte der SPD-Politiker in "Bild am Sonntag".

Struck will nach eigenen Angaben im Dezember zunächst eine Verlängerung des Mandats für Afghanistan im Bundestag um das übliche Jahr beantragen. Mit jeweils weiteren Verlängerungen um ein Jahr könnten deutsche Soldaten längerfristig den Aufbau des Landes unterstützen. Afghanistan sei der "Schwerpunkt der deutschen Auslandseinsätze". Das deutsche Engagement auf militärischem und zivilem Gebiet sei mit den USA abgesprochen.

Struck räumte ein, dass der Afghanistan-Einsatz "sehr gefährlich" sei. Zwar gebe es keinen Afghanen, der die Bundeswehr als Besatzungsmacht empfinden würde. Es gebe aber Terroranschläge von Taliban- und al-Qaida-Kämpfern. Vor Terroranschlägen gebe es keinen endgültigen Schutz. Der Personalaufbau am Hindukusch müsse mit Kürzungen auf dem Balkan einhergehen, sagte Struck. So solle das Mazedonien-Mandat im Frühjahr beendet und die noch 50 Bundeswehrsoldaten abgezogen werden. Schrittweise solle auch die deutsche Präsenz in Kosovo und Bosnien gesenkt werden.

Die heftigen Gefechte in der südafghanischen Provinz Sabul haben unterdessen auch am Samstag angedauert. US-Kampfflugzeuge griffen in der Nacht wieder vermutete Stellungen der Taliban in den Bergen an, wie der Leiter des afghanischen Geheimdienstes in Sabul, Chalil Hotak, der Nachrichtenagentur AP sagte. Die afghanischen Truppen hätten jetzt die Berggipfel besetzt und belagerten die Taliban-Stellungen. 200 Soldaten seien zur Verstärkung aus der benachbarten Provinz Kandahar herbeigerufen worden.

An Kämpfen beteiligt waren nach Angaben Hotaks zuvor schon 500 afghanische sowie 70 US-Soldaten. Acht Taliban-Kämpfer seien am Freitag gefangen genommen, eine unbekannte Zahl getötet worden. Eine unabhängige Bestätigung für seine Angaben gab es nicht.

Hotak beschrieb Sabul als Taliban-Hochburg. Von hier würden auch Angriffe in anderen Provinzen wie Kandahar, Ghasni und Urusgan koordiniert. In den Bergen hielten sich möglicherweise hunderte Taliban-Kämpfer auf, die sich in befestigten Stellungen verschanzt hätten. Die afghanischen Behörden vermuten zwei ranghohe Taliban-Kommandeure in Sabul, Mullah Dadullah und Mullah Schafik. Laut Hotak soll sich auch Mullah Abdul Kahar in dem Gebiet aufhalten, der vor dem Sturz des Taliban-Regimes der Taliban-Kommandeur der Provinz war.



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