Zwischenfall in Afghanistan Mob in Kabul greift Bundeswehrsoldaten an

Zwei Bundeswehrkonvois sind in Kabul aus einer wütenden Menge heraus attackiert worden. Nachdem Steine auf die Fahrzeuge flogen, trieben die Soldaten die Menschen mit einem Warnschuss auseinander.

Bundeswehrsoldaten in Afghanistan (Archiv)
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Bundeswehrsoldaten in Afghanistan (Archiv)

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Wenn die Bundeswehr Bilder aus Afghanistan verbreitet, zeigt die Truppe gern winkende Kinder. Bis heute hält sich so der Eindruck, dass die deutschen Soldaten bei den Menschen am Hindukusch beliebt sind.

Am Mittwoch zeigte sich in der Hauptstadt Kabul ein anderes Bild. Laut einer Mitteilung der Bundeswehr wurden gleich zwei Gruppen der Bundeswehr auf einem Schießplatz von einem wütenden Mob attackiert und mit Steinen beworfen.

Ersten Ermittlungen zufolge waren die Deutschen zu einem Schießplatz nahe des Flughafens der afghanischen Hauptstadt unterwegs. Am Eingang zu der weitläufigen Anlage sammelten sich um ihre Fahrzeuge etwa 50 Personen, darunter auch viele Kinder. Die Menschen stoppten die Konvois und skandierten Parolen.

Zunächst schrien die Menschen nur, dann aber flogen Steine auf die nacheinander ankommenden Fahrzeuge, mehrere wurden beschädigt. Später schnitten einige aus der Gruppe die Planen der Ladeflächen auf und stahlen darauf gelagertes Material. Nach ersten Erkenntnissen handelt es sich um eine Nachtsichtbrille - Waffen oder Munition seien aber nicht abhanden gekommen, hieß es in Bundeswehrkreisen.

Um den Konvoi aus der Bedrängnis zu befreien, gab einer der Soldaten schließlich einen Warnschuss mit einer Leuchtpistole ab. Etwas später dann trieb die alarmierte afghanische Polizei die Menschenmenge auseinander, die Fahrzeuge konnten weiterfahren.

Warum die Menschenmenge die Deutschen attackierten, wird derzeit noch ermittelt. Bisher sind solche Angriffe auf deutsche Soldaten eine Seltenheit. Die betroffenen Soldaten gehören zu dem Kontingent deutscher Trainer, die im Rahmen der Nato-Mission "Resolute Support" die afghanische Armee unterstützen.

Der Ort des Geschehens weckt bei Einsatzerfahrenen düstere Erinnerungen. Im August 2007 waren drei Bundespolizisten, die als Personenschützer in der Botschaft in Kabul arbeiteten, bei einem Bombenanschlag auf ihr Auto auf dem gleichen Schießplatz getötet worden.

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